In 2015 feierte das Wuppertaler Sinfonieorchester sein 150-jähriges Bestehen. Viele Dirigenten und Musiker begannen in Wuppertal ihre musikalische Laufbahn und Wuppertals Musikszene blüht auch heute, fernab der klassischen Musik. Mehr als 80 Musiker umfasst das Wuppertaler Sinfonieorchester.

Wir haben drei Sinfoniker gefragt, was sie an ihrem Instrument fasziniert, welche Musikrichtung sie selbst neben der klassischen Musik hören und warum man das Wuppertaler Sinfonieorchester unbedingt einmal live erleben sollte.

Manuela Randlinger-Bilz spielt seit 2002 bei den Sinfonikern die Harfe.

Wtotal: Frau Randlinger-Bilz, wie sind Sie zum Harfe spielen gekommen, was war ausschlaggebend und was fasziniert Sie an Ihrem Instrument? 

Manuela Randlinger-Bilz: Mit 7 Jahren wollte ich nach der Blockflöte, Gitarre lernen. Da an der Musikschule aber bereits alle Leihinstrumente vergeben waren, wurde ich überredet, die kleine irische Leihharfe mit nach Hause zu nehmen. Wovon ich anfangs nicht begeistert war! Aber es dauerte nur kurz, bis ich meine Liebe zu diesem vielsaitigen Instrument entdeckte, und bis heute bin ich sehr glücklich und dankbar es zu meinem Beruf gemacht zu haben! 

Wtotal: Welche Musikrichtung mögen und hören Sie neben der Klassischen Musik? 

Manuela Randlinger-Bilz: Da mein Mann Berufsmusiker beim WDR Sinfonieorchester ist, freue ich mich auch manchmal über "Stille"! Gerne höre ich Live-Konzerte aller Art, aber meist bewusst und vermeide "Hintergrundmusik/ Berieselung". 

Wtotal: Was macht das Sinfonieorchester so besonders, bzw. warum sollte man das Orchester live hören und anschauen? 

Manuela Randlinger-Bilz: Unsere Konzerte und Opernvorstellungen empfinde ich immer als sehr energievoll, deshalb würde ich das als Hauptargument anbringen und immer einer produzierten Aufnahme vorziehen. Hinzu kommt, dass die Historische Stadthalle für mich optisch und akustisch der beste Konzertsaal ist, den ich kenne und wir oft um diesen beneidet werden!

Solveig Friedrich spielt seit 2000 bei den Sinfonikern den Kontrabass.

Wtotal: Frau Friedrich, wie sind Sie zum Kontrabass spielen gekommen, was war ausschlaggebend und was fasziniert Sie an Ihrem Instrument? 

Solveig Friedrich: An meinem Gymnasium gab es ein gutes Schulorchester in dem meine ältere Schwester Querflöte spielte. Ihren Fußstapfen folgend wollte ich Klarinette lernen um auch mitmachen zu können, jedoch waren alle Stellen besetzt, einzig an Kontrabassisten mangelte es. So begann ich mit 11 Jahren auf einem 1/4 Bass mit dem Unterricht und freue mich nun mit tiefen, warmen Tönen das Fundament des Orchesters zu bilden. 

Wtotal: Welche Musikrichtung mögen und hören Sie neben der Klassischen Musik? 

Solveig Friedrich: Im Orchester habe ich einen lauten Arbeitsplatz weswegen ich zu Hause die Ruhe genieße. Hin und wieder höre ich beim Joggen Musik von den B-52's, den Red Hot Chili Peppers oder ABBA. 

Wtotal: Was macht das Sinfonieorchester so besonders, bzw. warum sollte man das Orchester live hören und anschauen? 

Solveig Friedrich: Man sollte uns live hören, weil wir ein sehr gutes und spielfreudiges Orchester sind. Außerdem haben wir das Glück in der schönen und viel gerühmten historischen Stadthalle zu spielen und so sind unsere Konzerte immer ein besonderes Erlebnis.

Matthias Haakh spielt seit 2017 bei den Sinfonikern die Posaune.

Wtotal: Wie sind Sie zum Posaune spielen gekommen, was war ausschlaggebend und was fasziniert Sie an Ihrem Instrument?

Matthias Haakh: Nach zwei Jahren Klavierunterricht wollte ich mit 10 Jahren gerne ein Blasinstrument lernen und es sollte Saxophon oder Posaune sein. Was am Ende den Ausschlag gegeben hat kann ich gar nicht mehr genau sagen, aber ich bereue meine Wahl nicht. Denn die Funktionsweise der Posaune ist so herrlich simpel: mit einem Zug kann man das Instrument stufenlos länger oder kürzer machen und somit die Grundstimmung tiefer oder eben höher. Damit liegt jede Feinheit des Musizierens beim Spieler.

Wtotal: Welche Musikrichtung mögen/hören Sie neben der Klassischen Musik?

Matthias Haakh: Da kann ich mich schwer festlegen... gerne in Richtung Jazz. Freude machen soll es in erster Linie! Und prinzipiell finde ich es in der Freizeit auch schön mal keine Musik um mich zu haben. Viele Leute hören ja gerne Musik beim Sport, da genieße ich lieber die Ruhe bzw. die Geräusche der Umgebung oder der Natur um mich herum. 

Wtotal: Was macht das Sinfonieorchester so besonders, bzw. warum sollte man das Orchester live hören/anschauen? 

Matthias Haakh: Jedes Orchester ist ja durch die Zusammensetzung aus vielen individuellen Musikern(innen), die alle ihre ganz eigene Ausbildung und unterschiedlichste musikalische Erfahrungen gemacht haben, einzigartig. Durch Weggänge sowie Neuzugänge im Orchester verändert sich der Klang des Orchesters auch immer ein wenig. Und so ist ein Konzert auch jedes Mal etwas ganz Persönliches, das niemals reproduzierbar ist. Gerade dieses Spontane am live-Erlebnis spürt der Zuhörer und manchmal entstehen im Konzert dann ganz besondere Momente, die auch jeder Zuhörer wiederum ganz unterschiedlich wahrnimmt. Das finde ich sehr spannend!

Das Sinfonieorchester auf einen Blick
 

Die Spielstätte Als Opernorchester spielt das Sinfonieorchester pro Saison über 50 Konzerte in seiner Heimatspielstätte, der Historischen Stadthalle Wuppertal. Neben anderen großen Häusern gehört unsere Stadthalle mit ihrem imposanten Jungstilbau unter Kritikern zu den beachtenswertesten Konzertsälen Europas und verfügt über eine außergewöhnliche Akustik. Deutschlandweite Produktionen bedienen sich der atemberaubenden Kulisse unserer Stadthalle, beispielsweise im Rahmen eines Einspielers für das Neo Magazin von Jan Böhmermann oder in einem Musikvideo für den Berliner Rapper Bushido. 

Das Orchester und Hollywood Das Sinfonieorchester hat neben einer Echo-Klassik ausgezeichneten CD auch schon an großen Hollywoodproduktionen gearbeitet. Ein großes Highlight waren Filmmusikaufnahmen aus der Werkstatt von Hans Zimmer, der als Komponist unter anderem bei der Filmmusik für "The Dark Knight"-Reihe, Interstellar oder König der Löwen mitwirkte. Es folgten Aufnahmen für andere Hollywoodproduktionen, Animationsfilme und Dokumentarfilme wie "Tortuga".

Jugendarbeit Klassische Musik ist nicht nur etwas für das ältere Publikum! Einige Solisten stellen ihre Arbeit und Instrumente an Schulen vor und bringen den Schülern das Leben als Bühennkünstler näher: Musik zum anfassen. Partnerschaften mit lokalen Schulen zur Förderung von jungen Talenten gehören dabei genauso dazu, wie die Begeisterung von körperlich benachteiligten Kindern für klassische Musik.