Während die Schaufensterdekoration rund um den Elberfelder Kaufhof die "Magie der Weihnacht" beschwört und sicherlich in den nächsten Wochen wieder zahllose Kinderaugen zum Glänzen bringen wird, rumpelt es hinter den Kulissen das Warenhauskonzerns weiter gewaltig. Die Lage ist dramatisch und spitzt sich zu.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung bräuchte der Kaufhof „ dringend Hunderte von Millionen frisches Geld.“ Im Management herrsche zudem das reinste Chaos. So berichtet die Süddeutsche Zeitung weiter, dass seit der Übernahme durch die kanadische Hudson's Bay Company (HBC) bereits zwei Deutschland-Chefs, ein Aufsichtsratsvorsitzender und mehrere Top-Manager verschlissen worden seien. „Diverse Top-Positionen sind vakant, weil sich kein Nachfolger findet“, so das Blatt. Seit sechs Monaten suche Kaufhof "angesichts der verheerenden finanziellen Situation vergeblich einen neuen Deutschland-Chef."

Hilfe ist  vom selbst angeschlagenen Mutterkonzern nicht zu erwarten. Die haben selber mächtig Probleme. Nachdem der Chef der HBC, Gerald L. Storch, das ebenfalls zu sinken drohende HBC-Schiff verlassen hat, versuchen die Kanadier nun Geld aufzutreiben. Der Verkauf wertvoller Immobilien und der Einstieg eines neuen Investors sollen, laut Wirtschaftswoche, 1,1 Milliarden US-Dollar einbringen.

Gutachter soll Zahlen prüfen

In Deutschland versucht HBC die Wogen erst einmal zu glätten und den Kaufhof-Beschäftigten vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft Mut zu machen. "Ich glaube auch weiterhin fest an die Zukunft der Warenhäuser", zitiert die Wirtschaftswoche aus einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Brief an die deutschen Mitarbeiter: "Und selbstverständlich stehen wir auch weiterhin zu unserem Engagement und unserer Wachstumsstrategie in Europa."

Derweil will ver.di prüfen, in welcher Höhe und in welcher Form HBC Kapital aus Deutschland abgezogen hat. In einer neuerlichen Stellungnahme machte ver.di-Vorstandmitglied Stefanie Nutzenberger deutlich, dass es für die mögliche Aufnahme von Verhandlungen klare Bedingungen gebe: „Ein unabhängiger, von ver.di benannter Wirtschaftsgutachter muss die Geschäftszahlen prüfen, damit klar wird, wie es um das Unternehmen tatsächlich bestellt ist.“

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