Kein deutscher Pass? Dann auch keine Aufnahme bei der Tafel! Seit Mitte Januar können sich bei der Essener Tafel nur noch Menschen mit einem deutschen Pass als Neukunden anmelden. Begründet wird dieser Schritt mit dem stark gestiegenen Zulauf ausländischer Kunden. Ihr Anteil sei auf 75 Prozent gestiegen. Um eine vernünftige Integration zu gewährleisten sehe man sich gezwungen, „zurzeit nur Kunden mit deutschem Personalausweis“ aufzunehmen, heißt es auf der Website der Essener Tafel. Prinzipiell müssen Neukunden bei der Anmeldung nachweisen, dass sie Sozialleistungen, wie Hartz IV, Grundsicherung oder Wohngeld, empfangen. „Wir wollen, dass auch die deutsche Oma weiter zu uns kommt“, erläuterte der Vorsitzende der Tafel, Jörg Sartor, den Schritt gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.

Eine Entscheidung, die Wolfgang Nielsen, Vorsitzender der Wuppertaler Tafel, überhaupt nicht nachvollziehen kann. „Über diese Entwicklung bin ich gar nicht begeistert“, so Nielsen in einem Gespräch mit wuppertal-total.de. Gerade die Essener Tafel, zu deren aktivsten Gründungsmitgliedern der „Sozialdienst katholischer Frauen und Männer“ (SKFM) gehört habe. Das überrasche ihn nun doch.

Zwar sei auch in unserer Stadt die Zahl der nicht-deutschen Bedürftigen angestiegen und auch ein Wandel sei spürbar, doch „wer zu uns kommt, dem wird auch geholfen.“ „Früher waren es Russland-deutsche, jetzt kommen sie aus anderen Ländern zu uns“, so Nielsen. Dank der großen Unterstützung sehe er nicht die Gefahr, dass ältere Menschen unter der gestiegenen Nachfrage Mangel leiden müßten. „Besonders zu unseren Mittagstischen kommen immer noch viele Rentner – und bei uns ist auch noch jeder satt geworden.“

In der Zwischenzeit hat sich auch der Bundesvorsitzende der Tafeln, Jochen Brühl, geäußert. Im ARD „Morgenmagazin“ stellte Brühl klar, dass Not und Bedürftigkeit der Tafel-Kunden im Vordergrund stehen müssten. Der Schritt der Essener Kollegen sei „nicht der richtige Weg“.  Die Tafel müsse Menschen helfen, die in Not seien. Diese Entscheidung dürfe nicht nach Pass oder Herkunft getroffen werden.