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Deutlich mehr Migranten auf Wuppertaler Intensivstationen?

„Ich möchte bitte anonym bleiben“, so ein Arzt eines Wuppertaler Krankenhauses, dessen Eltern selbst vor rund 30 Jahren nach Deutschland gekommen sind. „Ich möchte, dass auf diesem Wege bessere Aufklärungsarbeit geleistet wird. Wir sehen, dass insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund auf unserer Intensivstation liegen. Einige sprechen nur unzureichend Deutsch. Den Zustand in anderen Wuppertaler Krankenhäusern kann und möchte ich nicht bewerten.“

Ein schwieriges Thema, da offizielle Daten schlichtweg nicht erhoben werden

Eins vorweg: es gibt keine offiziellen und belastbaren Daten zu Herkunft, Einkommen oder Lebensstruktur von Corona-Infizierten. Diese Daten werden nicht erhoben. Dies gilt nicht nur für Wuppertal, sondern für ganz Deutschland. Und dennoch bestätigt ein Arzt gegenüber Wuppertal total die Situation auf den Intensivstationen, welche eine klare Tendenz zeigen. Offiziell ist dies nicht. Und die Angst vor einer Stigmatisierung schwingt unmittelbar mit.

Auch aus anderen deutschen Städten kommen ähnliche Informationen. So berichtet das ZDF über die Lungenklinik Moers (64km von Wuppertal entfernt), in welcher dem Leiter Thomas Voshaar seitens seiner Intensivmediziner bestätigt wurde, dass ein Großteil der behandelten Patienten einen Migrationshintergrund aufweise. Doch auch hier sei ein offizielles Statement nicht möglich, da die Datenlage nicht vorhanden ist.

Der Kampf gegen Corona in Migranten-Milieus“ sei dabei besonders schwer, schreibt die Welt. Denn zwar seien Migranten deutlich stärker von Corona-Infektionen betroffen als andere Bevölkerungsgruppen, jedoch wolle man keine Menschengruppen stigmatisieren. Ein Problem bliebe es trotzdem, denn letztlich steht insbesondere die Anpassung einer wirkungsvollen Impfstrategie im Vordergrund.

Wuppertal hat die meisten Menschen mit Migrationshintergrund in ganz NRW

Menschen mit Migrationshintergrund leben oft in engeren Wohnverhältnissen und arbeiten im Dienstleistungssektor, finden weniger Aufklärung in ihrer Sprache. Darüber hinaus ist der Zugang zum Gesundheitssystem schlechter. In Wuppertal leben 12 000 Flüchtlinge, 70 000 mit ausländischem Pass. Insgesamt sind es 140 000 Menschen, die einen Migrationshintergrund aufweisen. Das sind in Wuppertal 40 Prozent der Gesamtbevölkerung und damit der höchste Anteil in ganz Nordrhein-Westfalen.

NRW hat, stand heute, eine Inzidenz von 157,5, Wuppertal liegt mit 220,8 deutlich über dem Landesschnitt. Auch die Infektionsrate ist mit 4,15% in NRW geringer als die von Wuppertal mit 5,18%. Hotspots, die einen Ausbruch vom Landesschnitt erklären, sind nicht bekannt.

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Veröffentlicht von
Gregor Samsa

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