Ein Teilgeständnis brachte die Ermittler jetzt auf die richtige Spur: In einem Waldstück zwischen Heidelberg und Karlsruhe hat die Polizei eine Frauenleiche gefunden, bei der es sich um die seit April 2015 verschwundene Hanaa S. aus Solingen handeln soll. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal hat am Freitag den Fund einer Leiche bestätigt. Der Leichnam sei am Donnerstag in der Rechtsmedizin der Universität Düsseldorf obduziert worden, so die Staatsanwaltschaft in einer ersten Stellungnahme.

Der Vorsitzende Richter der 3. Großen Strafkamme des Landgerichts Wuppertal, Thomas Bittner, hat dies in der heutigen Hauptverhandlung bestätigt. Die Kammer, vor der sich seit Juni 2016 fünf Angehörige der Solingerin wegen des Verdachts des Mordes und der Beihilfe verantworten müssen, habe „die Öffnung der Leiche angeordnet“. Die gerichtsmedizinische Untersuchung des Leichnams sei in die Wege geleitet. Ein Ergebnis der Obduktion liege bislang noch nicht vor, so der Vorsitzende Richter.

Den Angeklagten, zwischen 19 und 42 Jahre alt, wird vorgeworfen, die sechsfache Mutter getötet zu haben, um die Familienehre wiederherzustellen. Die gebürtige Irakerin soll sich von ihrem Mann getrennt haben und eine neue Beziehung eingegangen sein. Dies habe die Familienehre zutiefst verletzt. Zwei der Angeklagten – ihr Sohn und ein Schwager – sollen Hanaa S. am 22. April 2015 in ihrer Wohnung in Solingen aufgelauert und getötet haben.

Anschließend sei das Opfer in einen Teppich gewickelt und später in einem Waldstück in Süddeutschland vergraben worden. Teile der Tatermittlungen stützen sich auf Aussagen von Nachbarn, die beobachtet haben wollen, dass am Morgen des 22. April 2015 zwei Männer einen schweren Teppich aus dem Mehrfamilienhaus trugen und in einen weißen Kombi luden.

Die Angeklagten hatten zu den Vorwürfen bislang eisern geschwiegen. Bisher ein reiner Indizienprozess.

Bewegung in die Sache kam dann am 70. Verhandlungstag. Da ließ einer der Angeklagten, der 26 Jahre alte Schwager des mutmaßlichen Tatopfers, durch seinen Verteidiger erklären, er könne den Ermittlungsbehörden zeigen, wo man damals die Leiche vergraben habe. Der Angeklagte führte die Ermittler dann in Baden-Württemberg in ein Waldgebiet. In dem wohl recht unwegsamen Gelände fanden Staatsanwaltschaft und Polizei nach umfangreichen Suchmaßnahmen eine unbekannte Frauenleiche.

Das Verfahren wird am 07. August 2017 um 9:00 Uhr vor dem Landgericht Wuppertal fortgesetzt. Aufgrund der neuen Sachlage hat die Kammer 80 weitere Hauptverhandlungstermine bis März 2018 anberaumt.

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