Seit 2012 veranstaltet der Skulpturenpark Waldfrieden in Kooperation mit „Moovie in Motion“ die Reihe „Filme zur Kunst“. Der Glaskubus am Café Podest verwandelt sich dann jeden Freitag vom 26. Januar bis 23. Februar zum Kinosaal. In diesem Jahr werden Filme zu konkreten politischen Aktionen gezeigt.

Wie die jüngsten Wahlausgänge in den USA, Frankreich, Österreich und Deutschland gezeigt haben, ist der Erfolg rechtspopulistischer Parteien ein Phänomen, von dem fast alle westlichen Demokratien betroffen sind. Hier wie dort wird diese Entwicklung mit der wachsenden Unzufriedenheit einer Wählerschicht erklärt, die trotz des gesamtwirtschaftlichen Erfolges von prekären Arbeitsverhältnissen und zunehmender Verarmung betroffen ist und die sich durch keine der etablierten Parteien mehr repräsentiert fühlt. Angesichts dessen ist es nicht übertrieben, von einer grundlegenden Krise der parlamentarischen Demokratie zu sprechen.

Die Kuratoren der Reihe, Michael Mader und Mark Tykwer, veranlasst dieser beunruhigende Trend dazu, in diesem Jahr eine Auswahl von Filmen zu Künstlern zu zeigen, deren Werk konkrete politische Aktionen umfasst: Dabei interessieren sie sich einerseits für Künstler wie Christoph Schlingensief und Joseph Beuys, die die politische Aktion für ihr künstlerisches Werk nutzbar gemacht haben. Sie stellen aber mit Neo Rauch und Bruno Schulz auch zwei Maler vor, deren Biografien von den Umwälzungen der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts geprägt sind. Julian Rosefeldt schließlich hinterfragt in „Manifesto“ den Totalitarismus der Kunst.

  • Die Reihe startet am 26. Januar um 20 Uhr mit „Chance 2000 – Abschied von Deutschland“ (DE 2017, 125 Min.; Regie: Kathrin Krottenthaler, Frieder Schlaich), dem Dokumentarfilm über das legendäre Wahlkampf-Theaterprojekt von Christoph Schlingensief.
     
  • Zum Inhalt: 1998 stand Deutschland vor der Wahl zwischen Helmut Kohl und Gerhard Schröder, hatte 6 Millionen Arbeitslose und eine Volksbühne, an der ein noch nicht allzu bekannter Christoph Schlingensief das Theater umkrempelte. Mit seinem Mammutprojekt CHANCE 2000 inszenierte Schlingensief vor der Wahl nichts weniger als „das größte Theaterstück der Bundesrepublik Deutschland“. Dazu gründete er eine Protestpartei und stellte im Berliner Prater ein Zirkuszelt auf. Welche Ausmaße CHANCE 2000 letztlich annehmen würde, war zu Beginn noch niemandem klar. Manege frei für den Abschied von Deutschland.
     
  • Im Anschluss: Filmgespräch mit Thomas Braus, Intendant der Wuppertaler Bühnen.
     
  • Das komplette Programm der „Filme zur Kunst“ findet ihr hier.