Oberbürgermeister Andreas Mucke gibt sich beim Thema Dieselfahrverbot gelassen. Noch jüngst erklärte er vollmundig, dass Wuppertal keine Verbote plane - zumindest nicht, solange er darauf Einfluss habe. Fakt bleibt jedoch: Unsere Stadt gehört auch weiterhin zu den bundesdeutschen Großstädten, bei denen der Grenzwert von 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft im Jahresdurchschnitt überschritten wird.

Umso interessanter dürfte auch für Wuppertal in den nächsten Wochen ein Blick nach Hamburg sein. Seit Mitternacht (1.6.) gilt hier das erste Diesel-Fahrverbot in einer deutschen Großstadt. Die Aufmerksamkeit für den Testlauf ist groß, zumal Experten sich sicher sind: Viele weitere Städte werden aufgrund der enorm hohen Belastung durch Stickstoffdioxide folgen. Wie in Hamburg, könnte es 65 weitere Städte treffen. Darunter auch Wuppertal. Das zeigt eine Auswertung des Umweltbundesamts, die Ende März veröffentlicht wurde. 

Signale aus anderen Regionen gibt es bereits. So plant  Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) laut „Stuttgarter Nachrichten“ zum 1. Januar 2019 Dieselautos der Schadstoffklassen 1 bis 4 aus dem gesamten Stuttgarter Stadtgebiet zu verbannen und ein Jahr später auch Fahrzeuge mit der Abgasnorm 5 auszuschließen. Und Düsseldorf. Bekanntlich auch so ein Kandidat. Herausgefallen aus der Liste ist Remscheid – dort werden die Grenzwerte mittlerweile eingehalten. 

In Hamburg gelten vorerst auf zwei Straßenabschnitten im Bezirk Altona Durchfahrtsbeschränkungen für Autos, die nicht die aktuelle Euro-Norm 6 erfüllen. Laut Hamburger Polizei wird noch nicht kontrolliert. Auch noch nicht kassiert. Man wolle erst einmal belehren. Doch schon in den nächsten Tagen werden alle, die sich nicht an das Fahrverbot halten, mit 25 Euro zur Kasse gebeten.

Was man tun kann, um dem Schadstoffausstoß erfolgreich entgegen zu wirken und wie Städte und Kommunen mit autofreien Stadtteilen für ihre Bevölkerung an Attraktivität und Lebensqualität gewinnen können, darüber hat sich das Wuppertal Institut schon längst seine Gedanken gemacht. Würde man an der Stadtspitze nicht nur reden sondern handeln, könnte Elberfeld der erste innenstädtische Bezirk Deutschlands sein, der systematisch von einem Autostadtteil zu einem autoverkehrsfreien Stadtquartier entwickelt würde. Ein bundesweites Vorbild. Pläne liegen in der Schublade.