Mit 15 wurde Hanaa S. zwangsverheiratet, mit 34 versuchte sie sich von ihrem prügelnden Ehemann Salim zu befreien. Im April 2015 verschwand sie dann plötzlich spurlos. Als die Polizei Blutspuren in Ihrer Wohnung entdeckte, nahm die Wuppertaler Mordkommission fünf Tatverdächtige fest: Hanaas Ehemann, ihren ältesten, damals 17jähriger Sohn, zwei Schwäger und eine Schwägerin. Seit Juni 2016 wurde gegen die fünf Verdächtigen wegen des Vorwurfs des Mordes vor dem Wuppertaler Landgericht verhandelt. Heut (25.1.), nach 102 Hauptverhandlungstagen, nun das Urteil.

Die Strafkammer verurteilte den 26-jährigen Schwager der getöteten Hanaa S. wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und ihren 20-jährigen Sohn ebenfalls wegen Mordes zu einer Jugendstrafe von neun Jahren und sechs Monaten. Den 43- jährigen Ehemann sowie einen weiteren 36 Jahre alten Schwager hat die Kammer jeweils wegen Beihilfe zum Mord zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten zu verurteilen. Die ebenfalls wegen Mordes angeklagte 32-jährige Schwägerin des Opfers wurde freigesprochen.

Nach Auffassung der Kammer beschlossen die männlichen Angeklagten im Herbst 2014 das Opfer zu töten, um so die Familienehre wiederherzustellen. Hanaa S. hatte sich nämlich zuvor von ihrem Mann getrennt und sich geweigert, zu ihm zurückzukehren. Das habe dem Ehrbegriff der Angeklagten widersprochen, so die Kammer. Zwei der Angeklagten – ihr Sohn und ein Schwager – verschafften sich nach Auffassung des Gerichts am Tattag Zutritt zur Wohnung in Solingen. Dort sei es zu einem Kampf gekommen. Anschließend wickelten sie Hanaa S. in einen Teppich und fuhren mit ihr in einem Kleintransporter Richtung Düsseldorf. Als es zu einem weiteren Kampfgeschehen kam, sei Hanaa S. getötet und die Leiche anschließend in einem Waldstück in Süddeutschland vergraben worden.