Mit 15 wurde Hanaa S. zwangsverheiratet, mit 34 versuchte sich die Kurdin von ihrem prügelnden Ehemann Salim zu befreien. Im April 2015 verschwand sie plötzlich spurlos. Als die Polizei Blutspuren in ihrer Solinger Wohnung entdeckte, nahm die Wuppertaler Mordkommission fünf Tatverdächtige fest: Hanaas Ehemann, ihr ältester, damals 17-jähriger Sohn, zwei Schwäger und eine Schwägerin. Der Tatverdacht: Ein sogenannter Ehrenmord. Seit Juni 2016 wird gegen die fünf Verdächtigen vor dem Wuppertaler Landgericht verhandelt. Anfangs ohne Leichenfund. Erst als ein Schwager von Hanaa S. vor Gericht sein Schweigen brach und eine Tatbeteiligung einräumte,  konnte die Polizei am 20. Juli 2017 in einem Waldstück die sterblichen Überreste der Hanaa S. bergen.

Nach 100 Verhandlungstagen haben nun heute (16.1.) die Schlussplädoyers der Staatsanwaltschaft, der Nebenklage sowie der Verteidigung begonnen. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hat beantragt, den 26- jährigen Schwager des Opfers wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe zu verurteilen. Darüber hinaus hat die Staatsanwaltschaft beantragt, den 20-jährigen Sohn wegen Mordes zu einer Jugendstrafe von acht Jahren und den 43-jährigen Ehemann sowie einen weiteren, 36 Jahre alten Schwager jeweils wegen Beihilfe zum Mord zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren zu verurteilen. Hinsichtlich der ebenfalls wegen Mordes angeklagten 32-jährigen Schwägerin der getöteten Hanaa S. hat die Staatsanwaltschaft beantragt, sie freizusprechen.

Die Plädoyers werden voraussichtlich am 18. Januar, dem nächsten Hauptverhandlungstag, fortgesetzt.