Nach mehreren von einander unabhängigen, brutalen Messerattacken im August vorigen Jahres, ist am Kipdorf nichts mehr so, wie es einmal war. Besonders die Gastronomen klagen. Ihnen bleiben die Gäste weg. „Sie haben einfach Angst,“ erklärte uns Georgios Revis. Vielen ist die Gegend zwischen dem alten Postgebäude und der Sparkassen-Filiale besonders nach Einbruch der Dunkelheit und in den späten Abendstunden unheimlich geworden.
 

Vor allem Frauen fühlen sich unsicher. Dass beginnt schon mit der Parkplatzsituation. Das Parkhaus oberhalb der Sparkassenfiliale wirkt für viele abends nicht gerade einladend. Dunkle Ecken und Nischen, massige Stützpfeiler und fahle Beleuchtung. Nahezu neunzig Prozent aller Autofahrer, ergab eine Umfrage des ADAC, haben in Parkhäusern Angst. Und um gleich einmal mit einem Vorurteil aufzuräumen: "keineswegs nur Frauen, sondern auch Männer", wie der ADAC dazu bemerkt. Die Seitenstraßen sind dunkel und die  Parkplätze vor dem alten Postgebäude meist besetzt. Ob das Parkareal zukünftig überhaupt noch bestand haben wird, steht in den Sternen. Schließlich war schon mal angedacht, aus der Fläche eine kleine Grünanlage zu machen.  

"Ich würde hier abends nie alleine hergehen", erzählt uns Caroline Rieker. Wenn ich mit Freunden ins Rex gehe, bringen wir uns anschließend immer gegenseitig zu unseren Autos." Das sei für alle sicherer. Auf ein Glas Wein bleibt man selten in der Straße, obwohl es sich doch anbieten würde.

Georgios Revis, der das „Il Piatto“ zusammen mit seiner Frau Liliana Romanelli führt, ist in der Wuppertaler Restaurant-Szene kein unbekannter. Viele Jahre lang war er als Kellner die gute Seele des griechischen Restaurants „Platon“ in der Uellendahler Straße, bevor er sich selbständig machte. „Viele Gäste aus dem Platon sind auch zu mir gekommen“, erzählt er. Und in der ersten Zeit sei ja auch noch alles gut gewesen. Die Gäste waren zufrieden und der Umsatz stimmte. Schließlich lockt das „Il Piatto“ mit einer hervorragenden landestypischen Küche und zahlreichen Spezialitäten, direkt aus Apulien. Doch dann blieben auch bei ihm die Stammkunden weg. „Sie haben mir erklärt, dass sie sich hier in der Gegend einfach nicht mehr sicher fühlen“, zeigt sich Georgios Revis von der Entwicklung enttäuscht, auch wenn die ersten „Mutigen“ so langsam doch wieder den Weg ins „Il Piatto“ finden.

So hoffen sie nun alle, auf das neue Hotel im Postgebäude. Das werde wieder mehr öffentliches Leben bringen, glaubt Revis. „Wenn erst einmal die Hotelgäste da sind, kommen auch unsere Gäste wieder zurück.“