Es war eine hübsche Weihnachtsüberraschung:  Im Dezember letzten Jahres teilte die Deutsche Bahn den verantwortlichen im Barmer Rathaus mit, dass sie beabsichtige, den Wuppertaler Hauptbahnhof zu verkaufen. Nachdem die Stadt im Rahmen der Erneuerung des Döppersberg über Jahre von der Bahn AG ein Entwicklungskonzept für einen der ältesten Großstadtbahnhöfe Deutschlands gefordert hatte, wurde ihnen nun lakonisch mitgeteilt, dass man sich aus dem Umbauprojekt zurückziehen werde. Man wolle das Haupt- und die Nebengebäude zum Kauf anbieten. 

Was der Verkauf eines solchen Gebäudes an einen privaten Investor für Folgen haben kann, müssen die Schwelmer tagtäglich schmerzlich erfahren. Auf den ersten Blick hinterlässt das Gebäude einen ordentlichen Eindruck.  Aber: außen hui – innen pfui. Das Innere des Gebäudes gleicht eher einer Müllhalde. Überall Dreck, Kot und Urin. Kein elektrisches Licht. Die Sanierung des Gebäudes, eigentlich für Ende 2015 vorgesehen, schreitet kaum voran. Zeitweilig stockten die Bauarbeiten sogar, da die Arbeiter kein Geld bekamen.

Fast jeden Tag gehen im Schwelmer Rathaus Emails und Fotos von Bürgern ein, die den Schmuddel-Zustand dokumentieren. Das hat jetzt Schwelms Bürgermeisterin Gabriele Grollmann auf den Plan gerufen. Doch ihr sind die Hände gebunden: „Ich schäme mich für dieses Bahnhofsgebäude“, ließ sie erklären. Doch: „Wir sind nicht die Eigentümerin der Immobilie, sondern nur Vermittlerin zwischen der DB und dem Eigentümer.“

Um nicht in die gleiche Investorenfalle zu tappen, wird man bei uns mächtig aufpassen müssen. Wie hatte CDU-Fraktionschef Michael Müller doch so richtig erkannt: „Für uns ist das marode Bahnhofsgebäude ein Fass ohne Boden mit momentan unkalkulierbarem Sanierungsbedarf.“  Stimmt! Und: Was haben wir von einem schicken, neuen Döppersberg, wenn sich dahinter demnächst eine der größten Müllhalden der Stadt versteckt?