Sie haben ihm blind vertraut. Und sie haben ihm geglaubt, wenn er Ihnen beim Ankauf von Gold - zum Beispiel für die Hochzeit der Tochter - satte Gewinne versprach. Hauptsache die meist türkischstämmigen Kunden deponierten den Kaufpreis, meist im fünfstelligen Bereich, sofort, in bar und langfristig bei ihm.  Schließlich schien er ein Ehrenmann zu sein. Vier Juwelierläden, einen in Barmen und gleich drei in Elberfeld. Ein Haus im Grünen und eine nette Familie. Die Atmosphäre in den Geschäften war familiär. Er war jedermanns Freund. Im Februar hat sich Adil Tat (42) mit Frau und Kindern und angeblich rund fünf Millionen Euro im Gepäck in die Türkei abgesetzt.

Seit Jahren soll Adil Tat seine Kunden bereits betrogen haben. Viele hat er wohl um ihre Ersparnisse gebracht. Die meisten von ihnen wollten ihr Geld in Gold oder Diamanten anlegen. Ob nun als Aussteuer für die Kinder, als Geldanlage oder als Alterssicherung. Sie alle habe er mit Gewinnmargen gelockt, wenn sie ihm den Kaufpreis nur langfristig genug vorstrecken würden, erläuterte uns M. Kesti, der eine Zeit lang selbst für Tat gearbeitet hat. Ein Beispiel: „Bei einer Kaufpreiseinlage von 30.000 Euro über sechs Monate versprach er dem Kunden einen Gegenwert in Gold von 35.000 Euro“, erläutert M. Kesti, der selbst einen namhaften fünfstelligen Betrag, den er Tat anvertraut hatte, verlor. „Viele gaben 200.000 oder auch 300.000 Euro“. Doch zum eigentlichen Geschäft für die "Investoren" kam es nur ganz selten. „Die Kunden wurden immer wieder vertröstet oder mit ungültigen Schecks als Bürgschaft hingehalten“, so M. Kesti. So hortete Adil Tat klamm heimlich ein kleines Vermögen.

Im Oktober vergangenen Jahres wurde die Kundschaft dann zum ersten Mal unruhig. Am 1. Oktober 2017 eröffnete das Amtsgericht Wuppertal „das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Unternehmens Juwelier Tat GmbH“. Das ließ sich kaum verheimlichen und die ersten „Investoren“ forderten ihr Geld zurück. Doch verstand es Tat immer wieder seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Reisetätigkeit nahm zu

Was kaum einer bemerkte: Schon seit Ende 2016 nahm seine Reisetätigkeit zu. Zwischen Ende 2016 und Anfang 2017 soll Tat rund 13 Mal in der Türkei gewesen sein. Auch 2017 reist er mehrmals alleine an den Bosporus. Parallel dazu gab er seine Geschäfte auf. Zum Jahreswechsel schloss das Geschäft in der Herzogstraße, dann gab er die kleine Dependance in der Rathaus Galerie auf, und anschließend gingen auch in der Neuen Friedrichstraße die Rolläden runter. Zur gleichen Zeit waren Frau und Kinder längst mit dem Flugzeug in Richtung Türkei unterwegs. Adil Tat nahm das Auto.

Angeblich sollen es nur 1,7 Millionen Euro sein, die  Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Volker Quinkert an Forderungen geltend macht. Darunter rund 16.000 Euro Kommissionsware. Doch glaubt auch M. Kesti, dass die Summe wesentlich höher ist. „Viele haben aus Stolz oder Scham ihre Ansprüche erst gar nicht angemeldet“, ist er sich sicher. So scheinen die Spekulationen über angebliche fünf Millionen Euro im Reisegepäck des Adil Tat, die man gestern (16.3.) in türkischen Zeitungen finden konnte, eher zu stimmen. Die machten sich mehrspaltig lustig über das blinde Vertrauen der Wuppertaler in die Geschäfte des vermeintlichen Ehrenmannes.