Ein trauriger Harlekin blickt mit einem verkrampftem unechten Lächeln in die Ferne – in einem Chaos aus alten Zeitschriften, Taschen und ungespültem Geschirr steht ein Kinderwagen – ein Junge hat die Augen geschlossen, sein Kopf steckt in einer Luftblase, die ihn von der Außenwelt abschirmt.

Es sind Bilder, die viel Interpretationsspielraum bieten. Bilder, die kriminell gewordenen Kindern und Jugendlichen helfen sollen, ihre Gefühle auszudrücken und darüber zu sprechen. Gemalt hat sie Eliane Diur, eine Studentin der Bergischen Universität Wuppertal. Jetzt sollen die insgesamt 43 Karten erstmals im Rahmen der Initiative „Kurve kriegen“ Anwendung finden. „Wenn man ein Problem hat oder das Gefühl hat, festzustecken, nimmt man das ja oft so wahr. Da habe ich gedacht, wenn man dem Ganzen ein Bild gibt, dann realisiert man überhaupt erstmal, was da gerade in einem vor sich geht“, erklärt Diur.

„Kurve Kriegen“ ist eine Initiative der Landesregierung Nordrhein-Westfalen. Sie richtet sich an kriminell gewordene Kinder und Jugendliche zwischen ca. 8 und 15 Jahren.

Diese Ansicht teilt auch Ralf Zentis, pädagogische Fachkraft der Initiative „Kurve kriegen“. „Im Laufe meiner 25-jährigen beruflichen Laufbahn haben wir schon viel mit diesen Emotionskarten gearbeitet aber in der professionellen Form habe ich sie bis jetzt noch nicht in die Finger bekommen.“ Er will die Karten zum Beispiel dazu einsetzen, um bei den ersten Kontakten die Gefühlslage der Jugendlichen und ihrer Eltern abzufragen, aber auch um im Laufe der zweijährigen Betreuungszeit festzustellen, wie sich die Gefühle der Jugendlichen verändert haben.

Um zu helfen, brauchen wir Aufmerksamkeit

Die Emotionskarten sind eine von mehreren neuen Ideen die die Initiatoren von „Kurve kriegen“ derzeit in Zusammenarbeit mit Studierenden des Studiengangs „Kommunikationsdesign“ der Bergischen Universität Wuppertal umsetzen. Neben der Überarbeitung des Logos und der Internetseite wird es auch eine neue Plakatserie geben. „Damit wir möglichst vielen Jugendlichen helfen können, ist es wichtig Aufmerksamkeit von allen zu bekommen, die mit kriminell gewordenen Jugendlichen zu tun haben, den Familien, den Jugendämtern und Polizeibehörden“, erklärt Jörg Unkrig, Leiter der Stabsstelle Prävention Jugendkriminalität im NRW-Innenministerium. „Die Ideen der Studierenden bringen uns dabei einen großen Schritt weiter.“