Endlich beginnt die Aufarbeitung der Loveparade-Katastrophe von Duisburg vor Gericht. Dabei wird eine Frage zu beantworten sein: Welchen Experten wird das Gericht glauben? Die Anklage hat legt jetzt ihr wohl wichtigstes Gutachten vorgelegt.

Der Sicherheitsexperte Jürgen Gerlach (Foto links; Quelle Bergische Uni) von der Bergischen Universität Wuppertal hat im Auftrag der Staatsanwaltschaft untersucht, welche Fehler die Verantwortlichen bei Planung und Genehmigung im Vorfeld des Loveparade-Festivals gemacht haben, das am Ende 21 Tote und mehr als 650 Verletzte gefordert hatte. Das 2.000 Seiten starke Gutachten – es handelt sich allerdings nur um den ersten Teil – liegt jetzt vor. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Duisburg stützt Gerlach ihre Anklage.

Am 8. Dezember beginnt vor dem Landgericht Duisburg der Prozess gegen sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und seines Geschäftsführers Rainer Schaller. Die Beschuldigten müssen sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Die Anklage hatte sich zunächst auf ein Gutachten des britischen Panikforschers Keith Still gestützt – doch das befanden die Richter wegen gravierender Mängel als nicht verwertbar. Die Staatsanwaltschaft gab daraufhin ein weiteres Gutachten bei Gerlach in Auftrag. Der Professor aus Wuppertal ist Experte für Verkehrssicherheit und die Sicherheit bei Großveranstaltungen. Eine Kernaussage lautet: Mit einer simplen Lautsprecherdurchsage hätte die Katastrophe vermieden werden können.