Was wäre, wenn jeder von uns einen Organspendeausweis hätte und die Frage nach der Organspende eine Selbstverständlichkeit wäre? Tja, was wäre, wenn ...? Die Realität sieht leider anders aus. Im europäischen Vergleich bildet Deutschland nahezu das Schlusslicht bei den Organspenderzahlen. Auf eine Million Bürger kommen gerade einmal neun Spender. 2017 ist die Anzahl der Organspender sogar auf einen Tiefstand der vergangenen 20 Jahre gesunken. Demnach gab es bundesweit 797 Organspender, 60 weniger als im Jahr zuvor, (2016: 857). Die Zahl der gespendeten Organe fiel um 9,5 Prozent auf 2594 Organe (mehr zum Thema hier).

Dabei hoffen in Deutschland derzeit mehr als 10.000 schwer kranke Menschen auf die Transplantation eines Organs. Für sie ist das die einzige Möglichkeit, um zu überleben oder ihre Lebensqualität erheblich zu verbessern. Dies ist jedoch nur möglich, wenn immer mehr bereit sind, ihre Organe nach dem Tod zu spenden. "Täglich sterben statistisch gesehen drei von ihnen, weil für sie nicht rechtzeitig ein passendes Organ verfügbar ist", weiß die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) in Frankfurt. Auf eine Niere - das am häufigsten benötigte Spenderorgan - warten etwa viermal so viele Menschen, wie es Organe gibt. Durchschnittliche Wartezeit: etwa sechs Jahre.

Vor diesem Hintergrund informierte des Helios Universitätsklinikum Wuppertal gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation und dem Verein Lebertransplantierte Deutschland e.V. im Rahmen eines Info-Nachmittags Zum Tag der Organspende am 2. Juni über die große Bedeutung die Organspende für uns alle.

Denn treffen, kann es alle: Birgit Schwenke zum Beispiel lebt seit über 30 Jahren mit einer Spenderleber und einer Spenderniere. Es sei Glück gewesen, sagt sie, dass so schnell ein geeignetes Organ habe gefunden werden können. Doch im Angesicht dieses Glücks und des zu erwartenden großen Eingriffs sei sie skeptisch geworden: "Mir geht es doch gerade vergleichsweise gut. Warum soll ich mich denn jetzt operieren lassen?" Doch die ehrliche Einschätzung ließ nicht lange auf sich warten: "Nein, es geht nicht gut. Ich bin auf das Spenderorgan angewiesen."

Und da ist der Helios-Patient Daniel Groß. Seit einer Infektion im Kindesalter ist er Diabetiker und seit einigen Jahren aufgrund seiner funktionsuntüchtigen Nieren auch von der Dialyse abhängig. "Ich warte auf eine Spenderniere und eine Bauchspeicheldrüse", erzählt Groß. Er sitzt seit Monaten quasi auf ‚gepackten Koffern’: "Für den Fall, dass ein Spenderorgan gefunden wird, das passt, muss ich sofort verfügbar sein", erläutert er. In der Zwischenzeit weiß man, dass eine Dialyse auf Dauer nicht so eine gute Prognose bietet wie ein Spenderorgan, so Dr. med. Scott-Oliver Grebe, Chefarzt Nephrologie am Wuppertaler Helios Universitätsklinikum. Das belegen zahlreiche Studien. "Insofern reicht es nicht, die Betroffenen einfach über die Dialyse zu betreuen. Ein Spenderorgan bietet die deutlich bessere Perspektive." Natürlich wünscht sich Daniel Groß mehr aktive Spender. Wolle aber niemandem etwas vorschreiben: "Mir würde es schon reichen, wenn sich mehr Menschen Gedanken darüber machen, ob sie nicht doch helfen wollen."

Dass die Entscheidung zur Organspende nicht immer leicht fällt, belegen die Zahlen. Für die einen ist die Organspende gelebte Solidarität und Nächstenliebe, für andere ist es eher eine Belastung, sich mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen. Für die einen bedeutet sie Tod und Trauer, vielleicht auch Trost, für andere wieder Hoffnung und Dankbarkeit.

Dr. med. Gabriele Wöbker, die organspendebeauftragte Ärztin am Helios Universitätsklinikum, weiß aus langjähriger Erfahrung, wie notwendig ein umsichtiger und verständnisvoller Umgang nicht nur mit dem potenziellen Spender, sondern auch mit den Angehörigen ist. "Auch die Hinterbliebenen stehen oft vor einer Vielzahl von Fragen und vor für sie schwerwiegenden Entscheidungen, erläutert Dr. Wöbker. Dabei sei eine Hirntoddiagnostik vor einer Organspende in Deutschland sehr streng geregelt "und zwar unter Einsatz sowohl klinischer als auch apparativer Diagnostik."

Übrigens: Solltet ihr bereits einen Organspendeausweis haben, so achtet bitte darauf, dass der Ausweis und die Formulierungen in eurer Patientenverfügung aufeinander abgestimmt sind. Dr. Wöbker: "Der Ausschluss von lebenserhaltenden Maßnahmen kann nämlich dazu führen, dass eine Organspende nicht erfolgen kann!"

Daher haben wir für euch einen mit dem Helios Universitätsklinikum abgestimmten Formulierungsvorschlag, mit dem ihr eure Patientenverfügung entsprechend ändern könnt:

"Es ist mir bewusst, dass Organe nur nach Feststellung des Hirntods bei aufrechterhaltenem Kreislauf entnommen werden können. Deshalb gestatte ich ausnahmsweise für den Fall, dass bei mir eine Organspende medizinisch infrage kommt, die kurzfristige (Stunden bis höchstens wenige Tage umfassende) Durchführung intensivmedizinischer Maßnahmen zur Bestimmung des Hirntods nach den Richtlinien der Bundesärztekammer und zur anschließenden Entnahme der Organe."

Weitere Informationen findet ihr zum Beispiel in der Broschüre „Antworten auf wichtige Fragen – Organ- und Gewebespende“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die könnt ihr unter: www.organspende-info.de heruntergeladen.