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Stadtleben

BUGA31: Der Kapitän verlässt das Schiff

von Manfred Alberti 14. Januar 2025
von Manfred Alberti 14. Januar 2025
Foto: Achim Otto

Ein Kommentar von Manfred Alberti

Der Jahreswechsel ist für die BUGA eine gute Gelegenheit für einen Rückblick auf das vergangene Jahr und für einen Ausblick sein. Die erste Hälfte der Vorbereitungszeit bis 2031 ist vorbei.

Beim Rückblick auf 2024 fällt sicher zuerst der Rückzug von OB Schneidewind als das einschneidendste Ereignis für die BUGA auf. Der OB mit dem Herzensprojekt BUGA 2031 kandidiert nicht mehr für die nächste Amtszeit. Der Kapitän verlässt das Schiff. Niemand in Wuppertal hat sich auch nur entfernt so für dieses BUGA-Projekt eingesetzt wie dieser OB. Natürlich gibt es in der Verwaltung oder mit der neuen Geschäftsführerin Personen, die sich für eine BUGA engagieren. Aber der Rückzug des Kapitäns ist ein gravierender Verlust. 

Vermutlich hat dieser Rückzug des OB nicht nur viel mit falschen Erwartungen und Vorstellungen über Kommunalpolitik und Kommunalverwaltung zu tun, sondern auch mit vielen Enttäuschungen über die Entwicklung der Wuppertaler BUGA. Und die Öffentlichkeit dürfte nur einen kleinen Teil dieser Rückschläge mitbekommen haben. Auf den Funken Begeisterung der Wuppertaler Bürger für das Projekt BUGA wartet man seit Jahren vergeblich.

Angetreten mit dem grünen Versprechen, dass es mit ihm keine neuen Parkplätze geben würde, sind nun doch mehr als 1300 Parkplätze in der Buntenbeck geplant. Jahrelang hat der OB kein Wort dazu gesagt, wo die 30 bis 40 Prozent der erwarteten Besucher mit einem PKW diesen werktags abstellen sollen. Aber das Ignorieren eines offensichtlichen Problems ist keine zukunftsorientierte Lösung. Für den OB ist das sicher eine schmerzhafte Erfahrung, die seinen Rückzug von der neuen Kandidatur bestärkt haben dürfte. Etliche weitere unlösbare Probleme warten ja noch in der Warteschlange auf einen ähnlichen Ausgang. 

Eine weitere enttäuschende Erfahrung dürfte das Drama um den Vohwinkler Bahnhof sein. Die Renovierung dieses denkmalgeschützten Gebäudes durch die Bahn sollte das BUGA- Geschenk für den Stadtteil sein. Aber nun sieht die Bahn keine Möglichkeit, in der Zeit bis zur BUGA 2031 den Durchstich vom Bahnhof zum Lokschuppengelände zu bauen. Damit verliert der Bahnhof seine Funktion als repräsentatives Eingangszentrum zur BUGA, denn von den Bahnsteigen aus müssen die Besucher auf die andere Seite über den P&R-Platz gehen und kommen nicht durch das Bahnhofsgebäude. In ein für die BUGA unwichtiges Gebäude wird aber die Bahn sicher keine Investitionen tätigen. Ein Pfeiler der BUGA-Planungen fällt weg. 
Und ob sich die alternative Planung einer Brücke über die Gleise in nur sechs Jahren erfüllen wird, dürfte genauso zweifelhaft sein, zumal diese aufwändige Brücke mit langen behindertengerechten Rampen nach der BUGA weitgehend überflüssig sein würde. Aus den Planungen gestrichen war sie ja längst.

Enttäuschend ist auch das Schrumpfen der BUGA-Flächen. Gehörten für die Öffentlichkeit bis vor wenigen Wochen noch ökologisch vorbildliche grüne Neubauprojekte des Investors Clees auf dem BUGA-Gelände zu den Ausstellungshöhepunkten, so haben nach dem Siegerentwurf diese Gebäude nichts mehr mit der BUGA zu tun. Zwei Drittel des Lokschuppengeländes sind nicht mehr Teil der umzäunten Ausstellungsfläche und damit nicht mehr Anziehungspunkt und Besichtigungsfläche für interessierte Besucher.

So bleiben als BUGA-Gelände neben den Resten (2 Hektar) des Lokschuppengeländes nur noch die zerstückelten 11,6 ha „Alte Gärtnerei“ im Loch zwischen den hohen Bahndämmen, der vergrößerte Skaterpark als Spiel- und Sportgelände und nach der Abholzung des Waldes des Bogenschiessvereins diese Fläche als Bühnenfläche, zusammen 4,5 ha. Die Enttäuschung vieler Besucher über diese Mini-BUGA kann man leicht voraussehen. 

„Aber wir haben ja noch den Grünen Zoo!“ werden jetzt viele einwenden. Leider hat die Presse wohl  niemanden informiert, dass nach der 3. Machbarkeitsstudie (S. 68) für den Zoo nur noch 1,1 ha (!) BUGA-Fläche vorgesehen sind. Das dürfte gerade einmal die Rasenfläche vor den Zoo-Terrassen sein. Die denkmalgerechte Neugestaltung des gesamten Zoos scheint offensichtlich nicht mehr geplant zu sein. Das Areal 2 gibt es nur noch als Planungsleiche.

Umso größer sind auf der Königshöhe und der Kaiserhöhe die Planungen für die dortigen Ausstellungsflächen mit insgesamt 8,6 Hektar, für die 12,5 Mio. € aufgewendet werden sollen. Aber ob sie überhaupt realisierbar sind? Denn eine den Bürgern noch kaum bekannte Enttäuschung dürfte die Hängeseilbrücke werden. Bislang immer wieder untermauert mit Bildern der erfolgreichen Hängeseilbrücken im tibetischen Stil in Willingen, im Harz, im Hunsrück, in Reutte und an anderen Orten scheint die Wuppertaler Brücke eine ganz andere Konstruktion zu werden: Hier wird wohl nicht eine Brücke im tibetischen Stil geplant, bei der die Brücke nur in den beiden Seitenwänden des Gebirges verankert ist und in einem großen Bogen durchhängt, sondern in Wuppertal soll das Gewicht von zwei Pfeilern getragen werden, an deren Spitze Seile zum Tragen der Brücke hängen. Der Kleingartenverein Nützenberg wendet sich engagiert gegen einen solche riesigen Pfeiler auf seinem Gelände. Eine solche Brücke, die wie eine kleine Rheinbrücke aussieht und konstruiert ist, dürfte touristisch ziemlich uninteressant sein. Schon die Titelseite der Machbarkeitsstudie 2 zeigte eine solche Konstruktion. 

Und ob hier eine Brücke überhaupt genehmigungsfähig sein könnte, haben schon im Mai 2024 die Stadtwerke in einem Brief an die Stadt in Zweifel gezogen. Die Brücke würde nämlich direkt über die 110 KV Freiluftleitung der Stadtwerke vom Westende zum Nützenberg führen. Das sei einmalig in Deutschland und nach Meinung der Stadtwerke nicht genehmigungsfähig. Die Gefahr für die Starkstromleitung durch herabgeworfene und herabfallende Gegenstände oder leitende Flüssigkeiten sei nicht absehbar. Dass eine verkehrsmäßig unwichtige Spaßbrücke mit Eintrittsgeldern mit den Privilegien einer kostenlosen öffentlichen Brücke gebaut werden könne, hat schon vor Jahren das Rechtsgutachten Redeker in Zweifel gezogen. 

Zieht man am Ende des Jahres 2024 ein Fazit über die Zukunft der BUGA 2031, dann kommt man nach den obigen Problemen zu einem anderen Ergebnis gegenüber der Meinung des OB: Der ist stolz darauf, dass die BUGA nun ein fest geplantes Projekt ohne Rückzugsmöglichkeiten sei. Aber Rostock hat sich erst zwei Jahre später von seiner BUGA zurückgezogen. Und eine klitzekleine BUGA, für die sich Wuppertal schämen müsste, nutzt der Verbesserung des Wuppertaler Images nun wirklich nicht. Viele BUGA-Besucher würden sich im Vergleich zu anderen BUGAs zu Recht sehr enttäuscht von Wuppertal verabschieden. Ganz offensichtlich droht Wuppertal ein peinliches Desaster statt eines stolzen Ereignisses. 

Dass der OB nicht weitermachen will, wird nach einem solchen Jahresrückblick sehr verständlich. Dass es keine öffentlichen Diskussionen über die BUGA gibt, sondern die Nachteile so lange verschwiegen werden, wie es eben geht, trägt sicher nicht dazu bei, dass eine BUGA-Begeisterung entstehen könnte. Die Planer der Lokschuppenfläche haben sicher nicht erst wenige Tage vor der Vorstellung des Siegerentwurfes erfahren, dass der Tunneldurchstich zum Bahnhof Vohwinkel von der Bahn nicht zu realisieren ist. Der ahnungslosen Öffentlichkeit wurde noch im Herbst in der Bezirksvertretung Vohwinkel ein interessantes Bild vom Tunneldurchstich zum BUGA-Gelände gemalt, von bergseitigen modernen Häusern und bahnseitigen Gärten der Zukunft. Nichts davon wurde wahr. Wie soll so Vertrauen entstehen? Nein, die BUGA scheitert u.a. daran, dass die Bevölkerung nicht ernst genommen wird und mit den Bürgern nicht gesprochen wird. Wer die Kritik der Bürger, ihre Sorgen und Befürchtungen ignoriert, kann kein erfolgreiches Projekt durchführen. Wer aus Angst vor den Urteilen der Bevölkerung nicht mit den Bürgern diskutiert, der hat seine Hoffnungen auf ein erfolgreiches Projekt schon begraben.

Der Kapitän gibt das Steuer des Schiffes aus der Hand. Angesichts der oben aufgezeigten vielen negativen Aspekte des momentanen Planungsstandes dürfte die öffentliche Kritik deutlich wachsen: Wie soll eine solche Mini-BUGA ein interessantes Werbemedium für Wuppertal sein? Ein Imagedesaster droht, von dem sich Wuppertal nur schwer erholen wird. Ein halbes Jahr lang viele negative Kommentare über die MINI-BUGA. Ein halbes Jahr lang Verärgerung über die Verkehrs- und Parksituation. Ein halbes Jahr lang Enttäuschung über ausbleibende Besucher. Muss Wuppertal sich das antun? Besser jetzt 10 Mio. € vergeblich ausgegeben, als 70 Mio. € in den Sand gesetzt.

2025 wird von den Politikern der Mut zum Abschied gebraucht. Mit dem eingesparten BUGA-Geld könnte man vieles Sinnvolle und Dauerhafte gestalten, das den Bürgern direkt zugute kommt. Z.B. wird die Finanzierung des Radrundweges zusätzlich zur BUGA keine reale Chance haben, an Stelle der BUGA aber wohl. Und die Zuschüsse blieben die Gleichen.

Realen Fortschritt braucht Wuppertal auf vielen Gebieten, keine unrealistischen Träume.


Manfred Alberti
[email protected]
www.manfredalberti.de

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