Nach drei Jahren als Treffpunkt für Jung und Alt hat die Gaststätte „Wunderbarmen“ in Wuppertal Ende November ihre Türen geschlossen. Mit ihr verliert das Quartier Kothen seine letzte Kneipe – ein Ort, der für viele ein Stück Heimat bedeutete.
Eine Kneipe mit Geschichte
Die Gaststätte, die seit den 1960er Jahren im Quartier verankert ist, wurde zuletzt von Alexander und Tina Blume geführt. Das Ehepaar übernahm den Betrieb 2021 unter dem Namen „Wunderbarmen“ und bewahrte damit den Treffpunkt vor der endgültigen Schließung, nachdem die Pandemie viele traditionelle Gaststätten in Existenznöte gebracht hatte.
„Es war ein Wunder, dass in Barmen während Corona eine Kneipe eröffnet wurde“, erklärt Alexander Blume den ungewöhnlichen Namen der Gaststätte. Doch nach drei Jahren gemeinschaftlicher Arbeit sei die Belastungsgrenze erreicht gewesen. „Wir hätten es liebend gerne weitergemacht, aber es wurde einfach zu viel“, berichtet Blume. Beide führten die Kneipe neben ihren Vollzeitjobs, öffneten von Dienstag bis Samstag, mussten aber schließlich erkennen, dass dieses Arbeitspensum auf Dauer nicht tragbar war.
Ein Ort der Begegnung und Gemeinschaft
„Wunderbarmen“ war mehr als eine Kneipe. Es war ein Treffpunkt, an dem Menschen verschiedener Generationen zusammenkamen. „Freitags hatten wir Gäste im Alter von 25 bis über 80 Jahren – und alle haben sich prima verstanden“, erinnert sich Blume. Das Konzept war bewusst bodenständig: kein „Schickimicki“, sondern rustikaler Nachbarschaftscharme.
Die Kneipe diente nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der Vernetzung im Quartier. „Es war ein Ort, an dem Geschichten geteilt, Freundschaften geknüpft und Neuigkeiten ausgetauscht wurden“, so eine Beschreibung in der Broschüre des Bürgervereins Kothener Freunde. In Zusammenarbeit mit der Gaststätte und dem Kleingärtnerverein Kothen wurde 2022 der „offene Stammtisch BV Kothen“ ins Leben gerufen. Hier konnten sich die Bewohner regelmäßig über Anliegen im Quartier austauschen oder einfach gesellig zusammenkommen.
Ein Verlust für das Quartier
Die Entscheidung, die Kneipe zu schließen, fiel den Betreibern schwer. „Uns ging die Luft aus“, sagt Alexander Blume. Auch die Suche nach einem Nachfolger blieb erfolglos. „Wir haben das letzte halbe Jahr verzweifelt versucht, jemanden zu finden, der die Kneipe übernimmt, aber es gab kaum Resonanz.“
Was mit den Räumlichkeiten an der Ecke Am Unterbarmer Friedhof/Fuchsstraße passieren wird, ist derzeit unklar. Die Schließung des „Wunderbarmen“ markiert das Ende einer Ära für das Quartier Kothen, das mit der Kneipe einen Ort des Austauschs und der Gemeinschaft verliert.
Ein Ort voller Erinnerungen
Für viele war „Wunderbarmen“ ein „kleiner Schatz“, wie es in der Broschüre der Kothener Freunde hieß. Hier wurden nicht nur Getränke und Snacks serviert, sondern auch Beziehungen gepflegt, Ideen geteilt und Erlebnisse gefeiert. Der Verlust der letzten Kneipe im Quartier hinterlässt eine Lücke, die schwer zu füllen sein wird.