Wuppertal – Der Tag der Industriekultur am 1. Juni 2025 bot in Wuppertal zahlreiche Einblicke in die industrielle Vergangenheit der Stadt. Organisiert vom Museum Industriekultur Wuppertal, konnten Interessierte an mehr als einem Dutzend Standorten die historischen Wurzeln der Region erleben. Das Angebot reichte von Führungen über Ausstellungen bis hin zu interaktiven Aktionen, die einen Querschnitt durch Technik, Handwerk und Architektur der Industrialisierungszeit ermöglichten.
Vielseitiges Programm an historischen Stätten
Bereits ab 11 Uhr öffneten in Stadtteilen wie Langerfeld, Barmen, Elberfeld, Vohwinkel und Cronenberg historische Orte ihre Türen. Das Engelshaus etwa bot ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm, darunter eine Oldtimerbustour mit dem Titel „Müngstener Brückentour“. Ziel war es, Industriegeschichte lebendig und zugänglich zu machen.
Entlang der Nordbahntrasse präsentierten sich markante Orte der regionalen Industriegeschichte. Am Bahnhof Mirke etwa hatte der Bergische Geschichtsverein einen Informationsstand aufgebaut. Besucher wurden dort nicht nur mit Literatur und historischen Fotografien versorgt, sondern auch durch sachkundige Mitglieder des Vereins über historische Entwicklungen informiert – etwa über die ursprünglichen Planungen der Rheinischen Eisenbahngesellschaft, den Bahnhof Mirke zu einem zentralen Verkehrsknotenpunkt mit repräsentativer Architektur und integrierter Hotelnutzung auszubauen. Heute dient das denkmalgeschützte Gebäude als Standort der Initiative „Utopiastadt“, die sich der kulturellen und sozialen Wiederbelebung widmet.
Zeugnisse der Textilindustrie an der Nordbahntrasse
Zu den herausragenden Industriedenkmälern entlang der Trasse zählt das Gebäude der ehemaligen Gold-Zack-Werke an der Wiesenstraße in Elberfeld. Das denkmalgeschützte Ensemble, einst ein Zentrum der Textilherstellung, beherbergt heute das Bandwebermuseum. Dort erhalten Besucher Einblicke in die Geschichte der Bandweberei – von einfachen Hosenträgern und Gummibändern bis hin zu spezialisierten Produkten wie schusssicheren Westen. Auch die Wohn- und Arbeitsverhältnisse der Hausbandweber werden thematisiert. In einer originalgetreu nachgebildeten Stube wird veranschaulicht, wie das Familienleben den Bedingungen des Broterwerbs untergeordnet war.
Das Museum dokumentiert auch die technische Entwicklung der Bandstühle und präsentiert eine breite Palette der hergestellten Waren. Besonders deutlich wird dabei die wirtschaftliche Bedeutung der Textilindustrie für das Tal der Wupper. Dass dieses industrielle Erbe auch in neuen Projekten weiterlebt, zeigt etwa der BOB-Campus in Wichlinghausen, der aus einer ehemaligen Schnürsenkelfabrik hervorgegangen ist.
Mit der Draisine über alte Gleise
Ein weiteres Angebot war die Möglichkeit, mit Draisinen auf den stillgelegten Gleisen der ehemaligen Rheinischen Strecke zu fahren. Am Bahnhof Loh konnten Besucher auf rund drei Kilometern Strecke das industrielle Erbe im wahrsten Sinne des Wortes erfahren. Mehr als hundert Teilnehmer nutzten im Tagesverlauf diese Gelegenheit.
Vielfältige Einblicke auf dem ganzen Stadtgebiet
Neben der Nordbahntrasse öffneten auch weitere historische Einrichtungen ihre Tore. In Cronenberg etwa gewährten Werkzeug- und Schleifereibetriebe authentische Einblicke in traditionelle Handwerkskunst. Der Manuelskotten sowie das Straßenbahnmuseum in der Kohlfurth zählten ebenfalls zu den stark frequentierten Anlaufstellen. Das Gesamtprogramm zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig und tief verwurzelt das industrielle Erbe Wuppertals ist – und wie lebendig es auch heute noch vermittelt wird.
Tag der Industriekultur in Wuppertal: Eine Entdeckungsreise durch Geschichte und Technik
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