Ein Themenabend in der Johanneskirche in Wuppertal-Elberfeld hat sich am Donnerstag zu einer intensiven Debatte über die Zukunft, Identität und Entwicklung der Stadt entwickelt. Im Mittelpunkt standen Fragen nach bürgerschaftlichem Engagement, politischen Strukturen und dem Umgang der Verwaltung mit Initiativen aus der Stadtgesellschaft.
Zu den Gästen der Veranstaltung gehörte unter anderem Schauspieler Harald Krassnitzer, der seit Jahren in Wuppertal-Beyenburg lebt und sich für soziale Projekte engagiert. Aus einem zunächst moderierten Gespräch entwickelte sich unter Beteiligung zahlreicher Besucher eine breit angelegte Diskussion über Chancen und Defizite der Stadtentwicklung.
Im Zentrum stand die Kritik an langwierigen Verwaltungsprozessen und bürokratischen Hürden. Mehrfach wurde darauf hingewiesen, dass ehrenamtliche und soziale Projekte durch umfangreiche Genehmigungsverfahren ausgebremst würden. Nach Ansicht der Teilnehmer fehle es vielerorts an Vertrauen in die Eigeninitiative der Bürger. Stattdessen brauche es eine Verwaltung, die Engagement aktiv unterstütze und Vorhaben schneller ermögliche.
Krassnitzer warb dafür, Wuppertal stärker über kulturelle Identität und gemeinsame Projekte zu profilieren. Als mögliches Zukunftsprojekt brachte er die Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt ins Gespräch. Zudem regte er an, die Stadt könne sich als Modellregion für einen pragmatischeren Umgang mit Verwaltung und Bürokratie positionieren.
Auch die Rolle der Stadtgesellschaft wurde intensiv diskutiert. Mehrere Beiträge verwiesen auf erfolgreiche Projekte, die maßgeblich durch privates und ehrenamtliches Engagement entstanden seien. Genannt wurden unter anderem die Nordbahntrasse, die Junior Uni sowie die Entwicklung des Arrenbergs. Diese Beispiele seien Ausdruck dafür, welches Potenzial in der Stadt vorhanden sei, wenn Initiativen ausreichend Raum erhielten.
Im Verlauf des Abends entstand die Idee, die Diskussion in eine dauerhafte Initiative zu überführen. Geplant ist eine Fortsetzung des Formats mit größerem Rahmen und weiterer Beteiligung aus Politik und Stadtgesellschaft. Als möglicher Veranstaltungsort wurde die Historische Stadthalle genannt.
Thematisiert wurde zudem erneut die Positionierung Wuppertals als „Schwebebahnstadt“. Die Debatte über ein stärkeres städtisches Profil hatte zuletzt auch im Stadtrat für Diskussionen gesorgt.
Am Rande der Veranstaltung wurden Spenden für das Kunstprojekt „Peacebell“ gesammelt. Dabei soll aus Kriegsschrott eine Glocke entstehen. Nach Angaben der Veranstalter kamen in der Johanneskirche 1570 Euro zusammen.
Die Reihe „Offener Abend“ gehört seit Jahren zum festen Programm der evangelischen Gemeinde Elberfeld-Südstadt. Die nächste Veranstaltung ist für den 11. Juli geplant. Dann wird der Betriebsleiter der Wuppertaler Schwebebahn, Christian Kindinger, erwartet.
Bürgerdebatte in der Johanneskirche stößt Diskussion über Wuppertals Zukunft an
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