Mit einem Programm zwischen barocker Meisterschaft und moderner Klangsprache begeisterte das Sinfonieorchester Wuppertal bei der dritten Ausgabe der Konzertreihe „Uptown Classics“ in dieser Spielzeit. Die Aufführungen auf der Insel an der Wiesenstraße sowie in der Elberfelder Friedhofskirche stießen auf großes Publikumsinteresse. Insbesondere der ungewöhnliche Veranstaltungsort auf der Insel sorgte für eine unmittelbare Nähe zwischen Musikern und Zuhörern.
Unter der Leitung von Konzertmeister Nikolai Mintchev präsentierte das Orchester Werke von Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach, Tzvi Avni und Arcangelo Corelli. Die Besetzung orientierte sich an historischen Vorbildern des Barock, wobei Mintchev zugleich die anspruchsvollen Solopartien an der Violine übernahm.
Den Auftakt bildete Händels Concerto Grosso D-Dur op. 6 Nr. 5. Das Werk entfaltete sich mit großer Eleganz und lebendiger Ausdruckskraft. Mintchev führte die Streicher durch fein abgestimmte musikalische Dialoge und setzte wirkungsvolle Kontraste zwischen lyrischen Passagen und spannungsgeladenen Abschnitten. Das abschließende Menuett verlieh dem Konzert einen anmutigen Ausklang und unterstrich die stilistische Vielfalt der Komposition.
Mintchev, seit 2003 Erster Konzertmeister des Sinfonieorchesters Wuppertal, zählt zu den prägenden Musikerpersönlichkeiten des Ensembles. Zuvor war er in gleicher Funktion bei den Essener Philharmonikern tätig. Der vielfach ausgezeichnete Geiger absolvierte sein Studium an der Folkwang Universität der Künste in Essen und ist regelmäßig als Solist gefragt.
Im Mittelpunkt des Programms stand anschließend Johann Sebastian Bachs Violinkonzert Nr. 1 a-Moll BWV 1041. Mit technischer Präzision und hoher musikalischer Ausdruckskraft gestaltete Mintchev die Solopartie. Das Andante erhielt eine besonders innige Prägung, während die schnellen Sätze durch Transparenz und virtuose Leichtigkeit überzeugten. Das Ensemble wurde dabei direkt vom Konzertmeister aus geführt. Blickkontakte, Atemzeichen und präzise Gesten gewährleisteten ein geschlossenes Zusammenspiel und knüpften an die historische Aufführungspraxis des Barock an. Auch die stehende Spielweise der Streicher orientierte sich an damaligen Traditionen.
Für die klangliche Grundlage sorgte William Shaw am Cembalo. Der ehemalige Korrepetitor und Komponist der Wuppertaler Bühnen, inzwischen in Weimar tätig, verlieh dem Basso continuo mit differenziertem Spiel besondere Farbigkeit und Tiefe.
Einen deutlichen Kontrast setzte anschließend „Prayer“ des israelischen Komponisten Tzvi Avni. Das 1961 entstandene Werk, inspiriert von der Musik osteuropäischer Juden, eröffnete mit den warmen Klängen der Bratschen und entwickelte sich zu einem eindringlichen musikalischen Klagegesang. Wechsel zwischen ruhigen, nachdenklichen Passagen und expressiven Ausbrüchen prägten die rund zehnminütige Komposition. Dissonanzen, flirrende Klangflächen und markante Pizzicati erzeugten eine intensive Atmosphäre, in der sich Trauer, Unruhe und kurze Momente der Hoffnung miteinander verbanden.
Den Abschluss des Abends bildete Corellis berühmte Sonate „La Follia“. Ausgehend von einem ruhigen Adagio entfaltete sich eine Folge abwechslungsreicher Variationen, die durch rhythmische und melodische Veränderungen stetig an Spannung gewannen. Mintchev setzte mit virtuosen Soli markante Akzente, während das Ensemble zwischen temperamentvollen und besinnlichen Momenten wechselte. Das Werk steigerte sich zu einem kraftvollen Finale, das vom Publikum mit lang anhaltendem Applaus bedacht wurde. Als Zugabe erklang ein weiterer schneller Satz aus einem Concerto von Händel.
Barocke Klangkultur bei „Uptown Classics“ in Wuppertal
Photo by swan24718968 on Pixabay
{{count}} Kommentare aus unserer App. Hier kostenlos downloaden.
{{comment.user.name}}
{{comment.text}}