WUPPERTAL. Für den künftigen Hochwasserschutz in Beyenburg zeichnet sich eine konkrete Lösung ab. Nach Abschluss einer mehrjährigen Machbarkeitsstudie empfiehlt der Wupperverband den Bau von Hochwasserschutzmauern entlang der Wupper. Die ursprünglich ebenfalls untersuchte Variante eines neuen Hochwasserentlastungsstollens wird aufgrund der deutlich höheren Kosten nicht weiterverfolgt.
Beyenburg zählt neben der Kohlfurth und dem Morsbachtal zu den besonders stark betroffenen Stadtteilen während der Flutkatastrophe im Sommer 2021. Überflutete Straßen, beschädigte Gebäude und beeinträchtigte Brücken verdeutlichten damals die Verwundbarkeit des Gebiets gegenüber extremen Hochwasserereignissen.
Nach Einschätzung des Wupperverbands stellen Schutzmauern die technisch sinnvollste und zugleich wirtschaftlichste Lösung dar. Die Investitionskosten werden auf sechs bis sieben Millionen Euro geschätzt. Vertreter des Verbands machten bei der Vorstellung der Studienergebnisse in der Bezirksvertretung Langerfeld-Beyenburg deutlich, dass auf bauliche Maßnahmen nicht verzichtet werden könne.
Im Rahmen der Untersuchung wurden verschiedene Hochwasserszenarien analysiert. Grundlage waren unterschiedliche Abflussmengen der Wupper, darunter ein statistisches Jahrhundert-Hochwasser (HQ100) mit 106 Kubikmetern pro Sekunde, ein Extremhochwasser (HQextrem) mit 160 Kubikmetern pro Sekunde sowie das tatsächliche Hochwasserereignis von 2021 mit rund 195 Kubikmetern pro Sekunde. Zusätzlich wurde ein Szenario mit einer Abflussmenge von 130 Kubikmetern pro Sekunde betrachtet.
Dieses Szenario gilt nach Auffassung des Wupperverbands als ausgewogener Kompromiss zwischen Schutzwirkung und Umsetzbarkeit. Dabei werde nicht nur der Schutz Beyenburgs berücksichtigt, sondern auch die Auswirkungen auf flussabwärts gelegene Orte. Maßnahmen, die dort zu einer Verschärfung der Hochwassergefahr führen könnten, wären nach geltendem Recht nicht genehmigungsfähig.
Die bevorzugte Variante sieht den Bau von drei getrennten Schutzmauerabschnitten mit einer Gesamtlänge von rund 450 Metern vor. Je nach Standort sollen die Bauwerke unterschiedliche Höhen erhalten. Zwischen der Stauanlage und der Brücke Schemm sind Höhen von bis zu 39 Zentimetern vorgesehen. Im Bereich der Beyenburger Furt sollen die Mauern bis zu 50 Zentimeter erreichen. Am Schützenplatz sind rund 34 Zentimeter geplant, während im Abschnitt Zum Bilstein Bauhöhen von bis zu 97 Zentimetern vorgesehen sind.
Würde das Schutzniveau auf das Hochwasser von 2021 ausgelegt, müssten die Bauwerke deutlich höher ausfallen. In diesem Fall lägen die Mauerhöhen am Schützenplatz bei etwa 53 Zentimetern und im Bereich Zum Bilstein bei bis zu 1,57 Metern. Die Projektkosten würden dann auf neun bis zehn Millionen Euro steigen. Zum Vergleich: Viele andere Kommunen orientieren ihre Hochwasserschutzmaßnahmen am Standard eines HQ100-Ereignisses.
Untersucht wurde zudem die Nutzung des bestehenden Hochwasserentlastungsstollens sowie die Möglichkeit eines Neubaus. Die Analyse ergab, dass die vorhandene Anlage mit einer Durchflusskapazität von lediglich rund 21 Kubikmetern pro Sekunde nicht ausreichend dimensioniert ist. Ein neuer Stollen müsste etwa 40 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ableiten können und technisch mit einem Durchmesser von rund 2,45 Metern realisierbar sein. Die veranschlagten Kosten von etwa 30 Millionen Euro gelten jedoch als wirtschaftlich nicht vertretbar.
Die empfohlene Schutzvariante bietet nach Einschätzung des Wupperverbands zudem Vorteile für das gesamte Einzugsgebiet der Wupper. Beyenburg stellt unterhalb der Wupper-Talsperre eine der entscheidenden Engstellen dar, die bislang die vorsorgliche Wasserabgabe aus der Talsperre begrenzt. Durch die geplanten Schutzmaßnahmen könnte künftig bei angekündigten Starkregenereignissen mehr Wasser vorab abgegeben werden, wodurch zusätzlicher Rückhalteraum in der Talsperre geschaffen würde.
Neben der Schutzwirkung wurden auch städtebauliche und landschaftliche Aspekte berücksichtigt. Die Planung soll sich möglichst verträglich in das Ortsbild einfügen und gleichzeitig die Möglichkeit offenhalten, die Schutzanlagen bei Bedarf zu einem späteren Zeitpunkt zu erweitern oder zu erhöhen.
Ein konkreter Zeitplan für die Umsetzung liegt derzeit noch nicht vor. Nach Einschätzung der Projektverantwortlichen könnte die Fertigstellung unter ungünstigen Bedingungen erst in den Jahren 2035 oder 2036 erfolgen. Gleichzeitig bestehen Hoffnungen auf eine schnellere Realisierung. Hintergrund ist der im Februar 2026 geschlossene Landespakt zum Hochwasserschutz, dem in Kürze ein Regionalpakt für das Wupper-Einzugsgebiet folgen soll. Ziel dieser Vereinbarungen ist es, Hochwasserschutzmaßnahmen über kommunale Grenzen hinweg besser zu koordinieren und Planungs- sowie Genehmigungsverfahren zu beschleunigen.
Der Wupperverband befindet sich derzeit in Gesprächen mit der Bezirksregierung über die Förderfähigkeit des Projekts. Sollte eine Finanzierung durch öffentliche Mittel möglich sein, soll zunächst die politische Beschlussfassung vorbereitet werden. Anschließend wäre nach den Vorgaben des nordrhein-westfälischen Wasserrechts voraussichtlich ein Planfeststellungsverfahren mit umfangreichen Genehmigungsunterlagen erforderlich. Erst nach Abschluss dieses Verfahrens könnte mit dem Bau begonnen werden.
Für die Bürger ist zudem eine Informationsveranstaltung vorgesehen. Termin und Veranstaltungsort stehen bislang noch nicht fest.
Hochwasserschutz in Beyenburg: Schutzmauern sollen Flutrisiko verringern
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