Mit Temperaturen von bis zu 40 Grad steht Wuppertal vor einer außergewöhnlichen Hitzewelle. Während viele Menschen Abkühlung in Freibädern oder schattigen Grünanlagen suchen können, bleibt für zahlreiche Beschäftigte der reguläre Arbeitsalltag bestehen. Unternehmen und öffentliche Einrichtungen reagieren mit unterschiedlichen Maßnahmen, um die gesundheitlichen Belastungen ihrer Mitarbeiter zu reduzieren.
Nach Einschätzung des Deutschen Gewerkschaftsbundes Düsseldorf-Bergisch Land stellt anhaltende Hitze am Arbeitsplatz ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko dar. Hohe Temperaturen beeinträchtigen die Konzentration, erhöhen die körperliche Belastung und steigern das Unfallrisiko. Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, mögliche Gefahren zu bewerten und geeignete Schutzmaßnahmen umzusetzen.
Ein vollständiger Arbeitsstopp kommt für viele Bereiche der Daseinsvorsorge nicht infrage. Bei den Wuppertaler Stadtwerken wird der Betrieb uneingeschränkt aufrechterhalten. Im modernen Verwaltungsgebäude an der Bromberger Straße profitieren die Beschäftigten von klimatisierten Arbeitsbereichen und einer zentralen Lüftungstechnik. An allen Standorten steht ausreichend Trinkwasser bereit. Im Busverkehr werden an heißen Tagen bevorzugt Fahrzeuge eingesetzt, deren Fahrerplätze klimatisiert sind. Falls erforderlich, werden Busse während des laufenden Betriebs ausgetauscht.
Auch die Krankenhäuser arbeiten unter erschwerten Bedingungen weiter. Die Mitarbeiter müssen nicht nur die eigenen Belastungen bewältigen, sondern gleichzeitig Patienten versorgen, die unter den hohen Temperaturen leiden. Bislang verzeichnen die Notaufnahmen lediglich vereinzelt hitzebedingte Beschwerden wie Kreislaufprobleme, Schwindel oder Dehydrierung. Eine außergewöhnliche Zunahme der Patientenzahlen ist derzeit jedoch nicht festzustellen.
In mehreren Klinikbereichen sorgen Klimaanlagen für eine stabile Raumtemperatur, ergänzend kommen Ventilatoren zum Einsatz. Beschäftigte können dort, wo es organisatorisch möglich ist, im Homeoffice arbeiten. Zusätzlich schaffen kleine Aktionen wie eine Einladung zu einer Kugel Eis an besonders heißen Tagen etwas Entlastung.
Auch Pflegeeinrichtungen passen ihre Abläufe an die Wetterlage an. Körperlich besonders belastende Tätigkeiten werden möglichst in die frühen Morgenstunden verlegt. Gleichzeitig werden Gebäude frühzeitig gelüftet und anschließend konsequent verschattet, um die Innenräume möglichst kühl zu halten. Mitarbeiter, die unter den hohen Temperaturen besonders leiden, werden innerhalb der Teams entlastet. Für zusätzliche Abwechslung sorgen gemeinsame Wasserschlachten zwischen Pflege- und Verwaltungsteam.
Vor besonderen Herausforderungen stehen die Beschäftigten der Straßenreinigung sowie der Abfallwirtschaft. Sowohl der Eigenbetrieb Straßenreinigung Wuppertal als auch die Abfallwirtschaftsgesellschaft beginnen ihre Einsätze deutlich früher als üblich. Dadurch können viele körperlich anstrengende Arbeiten abgeschlossen werden, bevor die größte Hitze des Tages einsetzt. Darüber hinaus stehen Trinkwasser, Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor sowie Kopfbedeckungen zur Verfügung.
Für die mehr als 80 Fahrer und rund 150 Lader der Müllabfuhr gehört körperliche Arbeit im Freien zum Alltag. Bei Temperaturen von über 30 Grad steigt die Belastung jedoch erheblich, weshalb die frühen Arbeitszeiten ein wesentlicher Bestandteil des Hitzeschutzes sind.
Von der Hitzewelle profitiert dagegen die Kälte- und Klimatechnikbranche. Beim Wuppertaler Unternehmen Kaut sorgt die hohe Nachfrage nach Klima- und Wärmepumpentechnik für eine besonders gute Auftragslage. Gleichzeitig setzt das Unternehmen im eigenen Betrieb auf klimatisierte Büroräume sowie kostenlose Getränke und kleine Erfrischungen für die Belegschaft.
Auch der Kulturbetrieb bleibt von den extremen Temperaturen nicht verschont. Das Sinfonieorchester muss seine Proben für das letzte Konzert der Spielzeit unter schwierigen Bedingungen absolvieren. Im Probenraum an der Burgunderstraße fehlen Klimaanlagen, zudem verschlechtert sich die Luftqualität bereits nach kurzer Zeit deutlich. Deshalb werden häufiger Pausen eingelegt und die Proben auf kleinere Instrumentengruppen verteilt, die auf andere Räume ausweichen. Das Schauspiel Wuppertal sagte unterdessen die geplante Aufführung des Live-Hörspiels „Wer ein rotes, springendes Herz hat“ im Theater am Engelsgarten aufgrund der Hitze ab.
Auch an den Schulen werden die Stundenpläne angepasst. Viele Schulen gewähren Hitzefrei, wobei der Unterricht meist nicht vollständig entfällt, sondern durch verkürzte Unterrichtsstunden bis etwa zur Mittagszeit beendet wird. Diese Regelung gilt inzwischen auch für die Oberstufe. Lehrkräfte bleiben weiterhin im Dienst und übernehmen unter anderem Betreuungsaufgaben oder interne Konferenzen. Teilweise beginnt der Unterricht bereits in der kühleren Nullten Stunde am frühen Morgen. Klassen weichen in kühlere Keller- oder Nordräume aus oder werden im Schatten auf dem Schulgelände unterrichtet. An mehreren Schulen erhalten Schüler und Mitarbeiter zudem Eis als kleine Erfrischung.
Hitzeschutz am Arbeitsplatz
Für Beschäftigte im Freien gelten bereits ab einer Außentemperatur von mehr als 25 Grad besondere Schutzmaßnahmen. Arbeitgeber müssen über die Gefahren durch UV-Strahlung informieren und geeigneten Sonnenschutz ermöglichen. Soweit möglich, sollen Arbeitsplätze im Schatten eingerichtet oder Arbeitszeiten in die kühleren Morgenstunden verlegt werden. Betriebsvereinbarungen können außerdem die Bereitstellung von Sonnenschutzkleidung und Sonnencreme regeln.
Für Büroarbeitsplätze existiert ebenfalls keine Regelung für automatisches Hitzefrei. Ab einer Raumtemperatur von 30 Grad müssen Arbeitgeber jedoch Maßnahmen zur Abkühlung ergreifen, etwa durch Verschattung oder Ventilatoren. Steigt die Temperatur auf über 35 Grad, gelten Büroräume ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen grundsätzlich nicht mehr als geeignete Arbeitsplätze.
Ausnahmehitze belastet Arbeitsalltag in Wuppertal
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