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Stadtleben

64 Orte in Wuppertal gelten als Angsträume

von Daniel Werner 15. September 2026
von Daniel Werner 15. September 2026
Frank Vincentz/CCA


Neuer Bericht der Stadt erfasst problematische Orte im öffentlichen Raum

Wuppertal hat 64 Orte identifiziert, an denen sich Bürger nach Einschätzung verschiedener Akteure unsicher oder unwohl fühlen. Der neue Bericht der Stadtverwaltung befasst sich mit sogenannten Angsträumen und beschreibt sowohl die dort wahrgenommenen Probleme als auch bereits ergriffene Gegenmaßnahmen. Im Mittelpunkt stehen dabei weniger tatsächliche Kriminalitätsschwerpunkte als vielmehr Nutzungskonflikte, bauliche Defizite und ein subjektiv empfundenes Unsicherheitsgefühl.

Der Bericht wurde zunächst im Sozialausschuss beraten und soll nun auch in weiteren politischen Gremien diskutiert werden. Eine direkte Befragung der Bevölkerung fand nicht statt. Nach Angaben der Verwaltung wäre eine solche Erhebung mit erheblichem Aufwand verbunden gewesen. Stattdessen wurden unter anderem Verantwortliche aus Stadtteilkonferenzen, Bezirksbürgermeister und Bürgervereine einbezogen. Auch Erkenntnisse von Polizei und Ordnungsamt flossen in die Bestandsaufnahme ein.

Erstellt wurde die Übersicht von Petra Mahmoudi, Koordinatorin der Sozialen Ordnungspartnerschaften. Sie weist darauf hin, dass die Zahl von 64 Orten nicht mit einer entsprechenden Zahl eindeutig definierter Angsträume gleichzusetzen ist. Ob ein Ort als bedrohlich wahrgenommen werde, sei stark von der persönlichen Einschätzung abhängig.

Unterschiedliche Ursachen für Unsicherheit

Die Liste umfasst sehr unterschiedliche Bereiche. Genannt werden unter anderem der Wupperpark Ost und das Parkhaus Hofaue, an denen sich Menschen aus der Drogenszene aufhalten. Auch schlecht beleuchtete Wege, etwa im Umfeld eines Sportplatzes, sind aufgeführt.

Für jeden Ort dokumentiert der Bericht die jeweiligen Beschwerden und Konflikte. Dazu zählen Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Nutzergruppen, Probleme im Zusammenhang mit Drogenkonsum oder Obdachlosigkeit, Ruhestörungen, Müll sowie bauliche Mängel. Gleichzeitig wird dargestellt, welche Maßnahmen bereits umgesetzt oder angestoßen wurden.

Dazu gehören zusätzliche Beleuchtung, die Einschaltung des Ordnungsamtes, der Einsatz von Streetworkern sowie Gespräche zwischen verschiedenen Nutzergruppen. Eine Bewertung oder Rangfolge der einzelnen Orte enthält der aktuelle Bericht nicht.

Konzept wurde nach politischer Kritik verändert

Die neuerliche Beschäftigung mit Angsträumen geht auf eine politische Debatte aus dem Jahr 2023 zurück. Die Verwaltung hatte damals vorgeschlagen, den Blick stärker auf positiv wahrgenommene öffentliche Räume zu richten. Das unter dem Begriff „Angstfreiraumkonzept“ diskutierte Vorgehen sollte verhindern, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen allein durch ihre Anwesenheit als Ursache eines Unsicherheitsgefühls betrachtet werden.

Mehrere Ratsmitglieder kritisierten diesen Ansatz und verlangten stattdessen konkrete Vorgaben zur Verbesserung problematischer Orte sowie eine Beteiligung der Bevölkerung. Ende 2023 verabschiedeten die demokratischen Fraktionen einen gemeinsamen Antrag, der eine umfassende Untersuchung der Angsträume und eine stärkere Berücksichtigung entsprechender Erkenntnisse bei der Stadtplanung vorsah.

Der nun vorgelegte Bericht setzt diesen Auftrag um, lässt allerdings eine direkte Bürgerbefragung weiterhin außen vor.

Streetwork stößt an Grenzen

Mahmoudi koordiniert seit vielen Jahren die Zusammenarbeit von Verwaltung, Institutionen und Bürgern bei Problemen im öffentlichen Raum. Die Struktur der Sozialen Ordnungspartnerschaften besteht in Wuppertal seit 1998 und galt nach ihrer Einführung als wegweisend. Andere Städte haben vergleichbare Ansätze inzwischen erweitert und beispielsweise Streetwork-Angebote geschaffen, die sich allgemein auf den öffentlichen Raum beziehen.

In Wuppertal stehen der Koordinatorin dagegen vor allem Streetworker mit bestimmten Zuständigkeiten zur Verfügung. Sie kann insbesondere Angebote für Menschen aus der Drogenszene oder für Jugendliche einbinden. Ein flächendeckend für Konflikte im öffentlichen Raum zuständiges Streetwork-Angebot gibt es nicht.

Im Sozialausschuss wurde deshalb auch nach erfolgreichen Beispielen für nachhaltige Maßnahmen gefragt. Nach Darstellung der Verwaltung lassen sich Konflikte an einzelnen Orten immer wieder entschärfen. Dauerhafte Lösungen seien jedoch schwierig, unter anderem weil sich die Zusammensetzung der Anwohnerschaft und die Nutzung eines Viertels verändern können.

Videoüberwachung nicht als zentrale Lösung

Eine stärkere Überwachung mit Kameras wird von der Verwaltung für die im Bericht aufgeführten Orte nicht als vorrangiges Instrument gesehen. Bei den meisten genannten Bereichen handele es sich nicht um ausgewiesene Kriminalitätsschwerpunkte. Im Vordergrund stünden vielmehr Konflikte zwischen verschiedenen Nutzergruppen und das subjektive Sicherheitsempfinden.

Auch aus der Politik kommt der Hinweis, dass zwischen gefühlter und tatsächlicher Sicherheit unterschieden werden müsse. Die Linke warnt davor, allein den jeweiligen Ort zum Problem zu erklären, wenn dort vor allem soziale Schwierigkeiten sichtbar werden. Aus ihrer Sicht gehören deshalb neben baulichen Verbesserungen und Kontrollen auch Prävention, Gewaltschutz, soziale Angebote und niedrigschwellige Hilfen zu einer nachhaltigen Strategie. Zugleich müsse Diskriminierung entgegengewirkt werden.

Forderung nach verbindlichem Maßnahmenplan

Die FDP/WfW-Fraktion sieht dagegen vor allem Handlungsbedarf bei der praktischen Umsetzung. Aus der Bestandsaufnahme müsse ein verbindliches Programm entstehen, lautet die Forderung. Dazu gehörten eine bessere Reinigung, mehr Präsenz des Ordnungsdienstes, Streetwork und eine verbesserte Beleuchtung. Bei einzelnen Plätzen könne zudem eine stärkere Belebung dazu beitragen, Unsicherheitsgefühle zu reduzieren.

Auch die CDU misst dem Thema hohe Bedeutung bei. Der Vorsitzende des Ordnungsausschusses, Rainer Spiecker, kündigte an, den Bericht in der kommenden Woche zu beraten. Wenn Menschen Angst hätten, sich durch die Stadt zu bewegen, müsse die Politik darauf reagieren, so seine Position.

Ordnungsdienst und Kultur sollen einbezogen werden

Der neue Ordnungsdezernent Hagen Lippe-Weißenfeld kündigt eine stärkere Präsenz des Kommunalen Ordnungsdienstes an. Durch häufigere Streifen in den betroffenen Bereichen soll insbesondere das subjektive Sicherheitsgefühl verbessert werden.

Lippe-Weißenfeld will das Thema zudem mit seinem Zuständigkeitsbereich als Kulturdezernent verbinden. Nach seinen Angaben laufen Gespräche mit der Kunst- und Kulturszene darüber, wie künstlerische Projekte zur langfristigen Veränderung einzelner Orte beitragen könnten. Kunst und Kultur sollen dabei als zusätzliche Möglichkeit genutzt werden, öffentliche Räume aufzuwerten und ihre Nutzung nachhaltig zu verändern.

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