Melanie Römer hat in Vohwinkel einen ehemaligen Blumenladen in ein Café verwandelt. Der Betrieb verbindet den Alltag mit dem Gedenken an Verstorbene und bietet Raum für Begegnungen, Gespräche und gemeinsames Verweilen.
Wuppertal-Vohwinkel. Nach 15 Jahren in der Altenpflege hat Melanie Römer beruflich einen neuen Weg eingeschlagen. Im Alter von 46 Jahren verwirklichte sie ihren Traum von der Selbstständigkeit und eröffnete das Café Mandel in der Ehrenhainstraße. Die Räumlichkeiten eines ehemaligen Friedhofsblumenladens boten ihr dafür die passende Grundlage. Inzwischen hat sich das Café zu einem Treffpunkt für Menschen aus Wuppertal und der Umgebung entwickelt.
Die Idee entstand, als Römer auf eine Immobilienanzeige für das leer stehende Geschäft aufmerksam wurde. Sie erkannte das Potenzial des Standorts und entschied sich, dort einen Ort der Begegnung zu schaffen. Ausschlaggebend war auch ihre Verbundenheit mit Vohwinkel, wo sie selbst lebt. Mit ihrem Café wollte sie das Angebot im Stadtteil ergänzen und einen Raum schaffen, an dem Menschen unabhängig von ihrer Lebenssituation willkommen sind.
Ein Café zwischen Trauer und Alltag
Die unmittelbare Nähe zum Friedhof prägt das Konzept des Betriebs. Neben Spaziergängern, Familien und Paaren besuchen auch Trauergesellschaften das Café, um nach einer Beisetzung zusammenzukommen. Die Atmosphäre ist bewusst so gestaltet, dass sowohl stille Momente als auch gesellige Stunden ihren Platz finden.
Wie wichtig dieser Anlaufpunkt für die Besucher ist, zeigt sich am Beispiel von Amalberga Hanebeck. Die 82-Jährige kommt regelmäßig, weil ihr verstorbener Mann auf dem benachbarten Friedhof bestattet ist. Für sie bietet das Café die Möglichkeit, Erinnerungen nachzugehen und zugleich mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Besonders schätzt sie die offene Atmosphäre, in der Gespräche zwischen Gästen entstehen, die sich zuvor nicht kannten.
Auch die persönliche Art der Inhaberin trägt dazu bei. Römer nimmt sich Zeit für ihre Gäste, hört ihnen zu und geht auf ihre unterschiedlichen Bedürfnisse ein. Diese Fähigkeit wird von Stammkunden ebenso hervorgehoben wie von Dirk Hemmerich, der als Trauerredner tätig ist. Gerade an einem Ort, an dem Verlust und Abschied eine Rolle spielen, ist der einfühlsame Umgang mit den Besuchern ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts.
Hausgemachte Speisen und individuelle Einrichtung
Römer steht selbst in der Küche und bereitet Kuchen sowie weitere Speisen zu. Das Angebot umfasst täglich wechselnde Kuchensorten, Frühstück und Mittagessen. Damit richtet sich das Café nicht ausschließlich an Trauergäste, sondern ebenso an Menschen, die im Alltag eine Pause einlegen oder sich mit anderen treffen möchten.
Auch die Einrichtung unterstreicht den persönlichen Charakter des Betriebs. Unterschiedliche Möbel, gemusterte Kaffeekannen, dekorative Porzellanfiguren und alte Kaffeemühlen verleihen den Räumen eine individuelle Gestaltung. Viele Einrichtungsgegenstände stammen aus zweiter Hand oder wurden von Freunden und Gästen zur Verfügung gestellt. Die Ausstattung ist damit auch Ausdruck der Unterstützung, die Römer beim Aufbau ihres Unternehmens erfahren hat.
Rückhalt durch Familie und Beratung
Auf dem Weg in die Selbstständigkeit erhielt Römer Unterstützung aus ihrem persönlichen Umfeld. Ihre Mutter half insbesondere in der Anfangszeit täglich im Café mit und unterstützt den Betrieb weiterhin regelmäßig. Freunde und Familienmitglieder beteiligten sich an den Renovierungsarbeiten.
Auch ihr Ehemann Marco Römer musste sich zunächst mit dem Gedanken anfreunden, dass seine Frau ihre bisherige Tätigkeit in der Altenpflege aufgeben und ein eigenes Café führen wollte. Mit dem Fortschreiten der Arbeiten und der konkreten Umsetzung ihrer Vorstellungen wuchs jedoch seine Überzeugung, dass das Vorhaben gelingen könnte.
Zusätzlich wurde die Gründerin vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf Bergisches Städtedreieck begleitet. Die Einrichtung unterstützt Frauen bei beruflichen Entwicklungsschritten und beim Einstieg in die Selbstständigkeit. Mit einem Mentorenprogramm für Gründerinnen soll das Angebot weiter ausgebaut werden.
Ein etabliertes Angebot in Vohwinkel
Das Café Mandel besteht inzwischen seit mehr als einem Jahr. Die Gäste kommen aus verschiedenen Altersgruppen und unterschiedlichen Lebenssituationen. Bei gutem Wetter wird auch die Terrasse intensiv genutzt.
Für Römer bedeutet der Betrieb nicht nur einen beruflichen Neuanfang, sondern auch die Möglichkeit, ihre Erfahrungen aus der Altenpflege in anderer Form einzubringen. Der Umgang mit Menschen, das Zuhören und der sensible Blick für persönliche Situationen gehören weiterhin zu ihrem Alltag. Am neuen Standort verbindet sie diese Fähigkeiten mit ihrer Arbeit als Gastgeberin und mit der Zubereitung hausgemachter Speisen.
Vom Pflegeberuf zur Caféchefin: Ein neuer Treffpunkt am Friedhof in Wuppertal
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