Business Casual oder Smart Casual? Warum der Dresscode für Männer neu verhandelt wird

Die gute Qualität der angebotenen Ware schreibt sich der Kleiderwilli jedes Jahr erneut auf seine Fahnen. Denn vor allem das gute und breite Angebot an Kleidung lockt die Besucher immer wieder nach Ronsdorf. (Foto: mk)

Krawatte oder ein Sakko? Anzug oder Chino? Was Männern morgens vor dem Kleiderschrank zu schaffen macht, ist längst keine ästhetische Frage mehr. Der Dresscode im Berufs- und Gesellschaftsleben hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Starren Kleiderordnungen sind flexiblere und schwerer einordenbare Formate gewichen, die dafür aber mehr Freiraum lassen.

Warum der Anzug an Bedeutung verliert

Hybride Arbeitsweisen haben das Kleidungsverhalten von Männern nachhaltig verändert. Laut einer Studie liegt die Homeofficequote in Deutschland im Schnitt bei 25 Prozent, strukturiert-hybride Modelle gelten bereits als neuer Goldstandard. Wer zwei oder drei Tage die Woche von zu Hause aus arbeitet, sieht die eigene Kleidung anders: funktionaler, weniger zeremoniell.

Parallel dazu hat die Unternehmenskultur in vielen Branchen den Anzugzwang gelockert. Start-ups, Kreativagenturen und mehr und mehr auch altehrwürdige Unternehmen signalisieren durch Kleidung eine Offenheit, die klassische Hierarchien auflösen hilft. Nicht dass damit Stil keine Rolle mehr spielt, aber seine Codierung verändert sich. Gepflegtheit, Passform, Materialqualität sind oft entscheidender als Kragenpflicht.

Für Männer, die kaum je im klassischen Dress auftreten, aber dennoch einen gesunden Eindruck hinterlassen möchten, bieten kuratierte Outfit-Konzepte Orientierung. Genau darin liegt die Funktion des Shop the Look-Prinzips: Statt Einzelteile mühsam aufeinander abzustimmen, präsentieren sich komplette, aufeinander abgestimmte Looks, aus denen Träger nach Belieben Einzelteile übernehmen können.

Business Casual und Smart Casual: Was die Begriffe wirklich bedeuten

Die Begriffe geistern seit Jahren durch Einladungen, Dress-Code-Empfehlungen, Stellenanzeigen, doch bleiben die Grenzen unklar. Ein erheblicher Unterschied liegt in der Formalitätsstufe.

Business Casual ist ein Stil, der sich vom formalen Businesslook löst, ihn aber nicht ganz aufgibt. Hier kommen Hemd oder Poloshirt, Chino oder ordentliche Stoffhose, angepasste Schuhe zum Einsatz. Ein Sakko kann, eine Krawatte muss nicht. Diesen Dresscode trägt man tüchtig bei Büroalltagen ohne externes Meeting, bei lockeren Geschäftsessen oder auch bei Konferenzen, für die man keine Kundenpräsentation vorbereitet hat. Wichtig: Jeans bleibt außen vor, sofern der Unternehmenskontext nicht ausdrücklich das Gegenteil besagt.

Smart Casual ist eine Stufe legerer, jedoch nicht weniger anspruchsvoll. Der Terminus ist zu Beginn des vorigen Jahrhunderts in britischen Clubs eingeführt worden, um eine Kleiderordnung zwischen Freizeitlook und Businesskleidung zu definieren. Heute ist er bei Veranstaltungen mit Kundenkontakt, bei lockeren Geschäftsterminen oder Abendveranstaltungen gängig. Der Trageanlass gibt hier Hemden, Pullover oder Strickjacken in Kombi mit dunkler Jeans oder Chino, dazu Loafer oder feine Sneaker vor. Das Sakko bleibt ein weiterhin freiwählbares, aber wirkungsvolles Mittel, um einen Smart-Casual-Look sofort zu strukturieren.

Für beide Kategorien gilt ein Grundsatz: Passform und Materialqualität sind unverhandelbar. Ein schlecht sitzender Anzug macht mehr gleichgültig als ein gut geschnittener Pullover.

Anlass, Branche und Kontext: Wie Männer heute kluge Entscheidungen treffen

Die Aufweichung fester Dresscodes räumt auch neue Probleme ein: Wer für jeden Anlass das passende Gewand wählt, muss vorher mehr abwägen als früher. Drei Kriterien helfen weiter.

  1. der Anlass selbst: Ein Vorstellungsgespräch in einem Unternehmensberatungsbüro verlangt mehr Förmlichkeit als ein Kreativ-Briefing oder ein Netzwerktreffen. Selbst in Branchen mit lockerer Kultur gilt: Im Zweifel lieber etwas zu gepflegt als zu lässig auftreten.
  2. die Branche: Finanz- und Rechtsbranchen bewegen sich meist noch im Business- bis Business-Casual-Bereich. Medien, Technologie und Design haben längst Smart Casual als Standard etabliert. Ein Blick darauf, was Kollegen oder Gesprächspartner tragen, schafft schnell Orientierung.
  3. die eigene Signalwirkung: Studien der Harvard Business School haben gezeigt, dass Männer, die sich bewusst gegen einen vorgegebenen Dresscode entscheiden, von ihrem Gegenüber als selbstbewusster und unabhängig wahrgenommen werden. Das funktioniert natürlich nur dann, wenn die Abweichung erkennbar gewählt und nicht einfach nachlässig scheint. Der Unterschied liegt im Detail: Schuhpflege, Passform, Farbabstimmung.

Das könnte Dich auch interessieren

Stadt setzt Eigentümer von einsturzgefährdetem Gebäude Frist

Schwerer Verkehrsunfall auf der B7 – Autofahrer lebensgefährlich verletzt

Serie von Einbrüchen beschäftigt Polizei in Wuppertal