Deutsche Bahn schließt Reisezentrum im Wuppertaler Hauptbahnhof

Alessandro Osipov/CCA



Wuppertal. Das Reisezentrum der Deutschen Bahn im Wuppertaler Hauptbahnhof ist seit dem vergangenen Wochenende dauerhaft geschlossen. Zwar sind das rote DB-Logo und die Bezeichnung „Reisezentrum“ weiterhin über dem Eingang sichtbar, doch die Türen bleiben verschlossen. Ein Hinweis an der Glasfront informiert über die Einstellung des Betriebs und verweist auf digitale Buchungsmöglichkeiten sowie auf das nächstgelegene Reisezentrum in Düsseldorf.

Am Montagvormittag war rund um die ehemalige Servicestelle nur wenig Publikumsverkehr zu beobachten. Dennoch suchten immer wieder Fahrgäste den Bereich auf, insbesondere ältere Menschen, die offenbar nicht mit der Schließung gerechnet hatten. Viele wirkten irritiert, lasen die Hinweistafel, tauschten sich kurz aus und verließen den Ort wieder. In den Räumen selbst waren noch Mitarbeiter mit Aufräumarbeiten beschäftigt.

Die Information der Bahn beschränkt sich auf den Hinweis, dass Fahrkarten für Fern- und Nahverkehr künftig über die Internetseite, die App DB Navigator oder andere Reisezentren erworben werden können. Konkrete Hinweise auf vorhandene Fahrkartenautomaten im Bahnhof oder auf alternative Verkaufsstellen, etwa die Bahnhofsbuchhandlung mit VRR-Tickets für den Regionalverkehr, fehlen. Diese knappe Kommunikation sorgt bei vielen Reisenden für Unverständnis, da persönliche Beratung insbesondere für Fernverkehrsverbindungen weiterhin als wichtig angesehen wird.

Die Deutsche Bahn begründet die Schließung mit der fortschreitenden Digitalisierung des Ticketverkaufs. Nach Angaben des Konzerns werden rund 90 Prozent der Fernverkehrstickets inzwischen online gekauft. Auch das Deutschland-Ticket habe dazu beigetragen, den Bedarf an persönlicher Beratung und an stationären Verkaufsstellen deutlich zu reduzieren.

Kritik kommt unter anderem aus der Region selbst. Mit der Aufgabe des Standorts im Wuppertaler Hauptbahnhof schließt das letzte verbliebene DB-Reisezentrum in der gesamten Bergischen Region. Gerade bei komplexeren Reiseplanungen oder besonderen Anliegen wurde die persönliche Beratung vor Ort bislang von vielen Fahrgästen genutzt.

Zwischenzeitlich wurde geprüft, ob der Verkauf von Fernverkehrstickets über eine bestehende Verkaufsstelle im Bahnhof erfolgen könnte, die bereits Nahverkehrstickets anbietet. Nach Angaben der Transdev Vertrieb GmbH, die für den Vertrieb der VRR-Tickets in der Bahnhofsbuchhandlung verantwortlich ist, wurde der Bahn ein konkretes Kooperationsmodell vorgeschlagen. Dieses sah vor, ein Kundencenter mit speziell geschultem Personal zu betreiben, das sowohl Nah- als auch Fernverkehrstickets verkauft. Die Deutsche Bahn lehnte dieses Angebot jedoch ab. Zu laufenden oder möglichen weiteren Gesprächen äußert sich der Konzern derzeit nicht.

Politische Vertreter aus Bundestag und Region hatten sich im Vorfeld für den Erhalt des Reisezentrums eingesetzt. Als alternative Lösung wird nun geprüft, ob die Beratung von Bahnkunden künftig im geplanten Mobilitäts-Center der Wuppertaler Stadtwerke erfolgen könnte, das im historischen Empfangsgebäude des Hauptbahnhofs angesiedelt werden soll. Voraussetzung für dieses Modell wäre eine finanzielle Beteiligung der Deutschen Bahn. Ob und in welcher Form es dazu kommt, ist bislang offen.

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