Grüner Zoo: Blauzungenkrankheit und andere Seuchen

Foto: Grüner Zoo Wuppertal

Im Zoo leben verschiedenste Tierarten zusammen, alle großen Tiergruppen sind hier vertreten: Wirbellose, Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel, Säugetiere und unter diesen noch zahlreiche Untergruppierungen.

Dieser bunte Querschnitt an Artenvielfalt bedeutet auch, dass fast alle Tierseuchen, die zu amtlichen Auflagen und Beschränkungen führen, für Zoos relevant sind. So gibt es immer wieder Seuchenmeldungen aus der Nutztierhaltung – Vogelgrippe, Schweinepest, Blauzungenkrankheit oder aktuell die Maul- und Klauenseuche. Auch im Zoo gibt es Tiere, die davor zu schützen sind. Ausgedehnte Impfprotokolle werden hier zur Normalität. So ist beispielsweise ein Pudu oder ein Rentier im Grünen Zoo aktuell gegen mindestens zwei verschiedene Bakterien geimpft, gegen Kuhpockenviren sowie gegen drei verschiedene Stämme des Blauzungenvirus. Im kommenden Jahr wird eine vierte Variante des Blauzungenvirus in Deutschland erwartet, die kürzlich in den Niederlanden auftauchte. Gegen diese existiert bisher kein Impfstoff.

Da die Blauzungenkrankheit über Mückenstiche übertragen wird, kann ein Insektenabwehrmittel helfen – doch für scheue Hirsche ist regelmäßiges Auftragen von Flüssigkeit auf den Rücken ein großer Stressfaktor. Das Team des Zoos muss immer wieder den Schutz vor Infektionen gegen die Risiken von häufigen Behandlungen und Blasrohrinjektionen gegeneinander abwägen. Gesetze und Auflagen sind grundsätzlich auf Nutztierhaltung zugeschnitten – Zoos bleiben oft unberücksichtigt.
So kann es passieren, dass Transportbeschränkungen den Austausch von Tieren verhindern, obwohl sie inhaltlich für diese gar nicht gedacht waren.
Für die Artenschutzvorhaben der Zoos ist es verheerend, wenn Transporte von Deutschland nach Polen oder von Frankreich nach Spanien daran scheitern, dass die Behörden nur für Rinder spezifische Regelungen entworfen und die Veterinärämter keine Vorgaben haben, wie sie mit Hirschtransporten umgehen sollen.

Lange Beratungen mit Ämtern bedeuten oft eine erhebliche Transportverzögerung. In dieser Zeit wird der Nachwuchs dann bereits geschlechtsreif und muss von den Elterntieren getrennt untergebracht werden. Schlimmstenfalls verpassen die füreinander vorgesehenen Zuchtpartner die Paarungszeit im Herbst – und ein ganzes Jahr für das Zuchtprogramm geht verloren.
Glücklicherweise finden sich aber auch kreative Wege durch den Gesetzesdschungel, wie die enge Zusammenarbeit zwischen der zoologischen und der tiermedizinischen Abteilung innerhalb des Zoos. Auch die essentielle Kooperation mit dem zuständigen Veterinäramt und den Behörden im Ausland verläuft stets konstruktiv und zielgerichtet, sodass bestmöglich auf das übergeordnete Ziel des Artenschutzes hingearbeitet wird.

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