Die markanten Zukunftshäuser entlang der Nordbahntrasse in Wuppertal, die im Rahmen des internationalen Wettbewerbs Solar Decathlon 2022 entstanden, werden derzeit schrittweise abgebaut. Damit beginnt eine neue Phase des Forschungsprojekts Living Lab NRW, das unter Leitung der Universität Wuppertal innovative Konzepte für nachhaltiges Bauen untersucht.
Forschung im urbanen Umfeld
Seit über drei Jahren prägen die experimentellen Gebäude aus Holz, Glas und Stahl das Gelände in der Nähe des Mirker Bahnhofs. Sie wurden von Studierenden aus 16 Ländern innerhalb von zwei Wochen errichtet und sollten zeigen, wie energieeffizientes und klimafreundliches Wohnen in europäischen Städten aussehen kann. Nach dem Wettbewerb wurden acht dieser sogenannten Demonstrationsbauten in das Projekt Living Lab NRW integriert, um deren Praxistauglichkeit und Nachhaltigkeit weiter zu erforschen.
Projektleiterin Katharina Simon vom Lehrstuhl für Bauphysik der Universität Wuppertal betont die wissenschaftliche Bedeutung des Rückbaus. Durch die Demontage könne untersucht werden, welche Materialien und Bauweisen langfristig geeignet sind, um ökologische und ökonomische Anforderungen miteinander zu vereinen.
Wohnen auf vier Quadratmetern
Im Sommer 2025 lebten Studierende der Universität Wuppertal jeweils für einen Monat in den verschiedenen Häusern, um deren Alltagstauglichkeit zu erproben. Dabei standen Aspekte wie Energieverbrauch, Raumklima und funktionale Gestaltung im Fokus. Besonders das Haus der RWTH Aachen sorgte für Aufmerksamkeit: Es bietet Schlafkapseln auf lediglich vier Quadratmetern, deren Wände mit modularen Vertiefungen ausgestattet sind. So lassen sich Regale, Tische oder Monitore flexibel einhängen. Die Tests zeigten, dass sich mit durchdachter Raumplanung auch auf kleinster Fläche komfortabel wohnen lässt – vorausgesetzt, es bestehen geeignete Gemeinschaftsbereiche.
Unterschiedliche Ansätze beim Rückbau
Der Rückbau der Gebäude erfolgt in mehreren Etappen. Ein niederländisches Team hat sein Haus bereits selbst demontiert und in die Heimat zurückgeführt. Zwei weitere Häuser werden von einer spezialisierten Fachfirma abgebaut. Dabei treten deutliche Unterschiede in der Vorgehensweise zutage: Während die Studierenden jedes Bauteil und jede Verbindung aus eigener Erfahrung kannten, richtet sich die Arbeit der Fachkräfte stärker nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten. So wird etwa abgewogen, ob der Ausbau einzelner Elemente lohnt oder ein schnelleres Vorgehen – etwa mit der Kettensäge – effizienter ist. Manche Materialien, darunter Aluminiumfassaden, können ohnehin nur zerstörend entfernt werden.
Verlängerung des Projekts bis 2026
Das Projekt Living Lab NRW wurde bis Ende 2026 verlängert. In dieser Zeit sollen weitere Untersuchungen, Wohnphasen und öffentliche Veranstaltungen stattfinden. Geplant ist unter anderem ein Fachtermin zum Thema Rückbau im kommenden November. Parallel wird über Anschlussnutzungen der verbleibenden Häuser entschieden. Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die dem ursprünglichen Wettbewerbsgedanken einer nachhaltigen, praxisnahen Bauweise gerecht werden.
Besonders erfolgreich verliefen die begleitenden Bürgerdialoge und Bildungsinitiativen, bei denen Themen wie Fassadenbegrünung und Wärmepumpentechnik im Mittelpunkt standen. Die Universität Wuppertal zieht nach drei Jahren eine positive Zwischenbilanz: Das Projekt habe wertvolle Erkenntnisse für zukünftige Formen des energieeffizienten Bauens und Wohnens geliefert und den wissenschaftlichen Austausch in diesem Bereich deutlich vorangebracht.
Living Lab NRW: Rückbau der Solar-Decathlon-Häuser auf der Nordbahntrasse in Wuppertal
DIAuras/CCA