Moscheeprojekt an der Gathe: Dialogbeirat nimmt Arbeit wieder auf – zentrale Fragen bleiben offen

Ditib Wuppertal



Nach monatelanger Unterbrechung kommt Bewegung in das umstrittene Bauvorhaben an der Wuppertaler Gathe. Der Dialogbeirat zum geplanten muslimischen Gemeindezentrum mit Moschee, Kindertagesstätte, Studentenwohnungen und weiteren sozialen Einrichtungen tritt erstmals seit Herbst 2025 wieder zusammen. Die lange Pause wurde von der Stadtverwaltung mit personellen Ausfällen in der organisatorischen Betreuung des Gremiums begründet.

Mit der Neubesetzung nach der Kommunalwahl soll der Beirat nun seine Arbeit fortsetzen. Dem Gremium gehören Vertreter der Ratsfraktionen, gesellschaftlicher Organisationen, der Stadtverwaltung sowie der Ditib-Gemeinde an. Neu vertreten ist künftig auch das Autonome Zentrum (AZ), dessen Zukunft unmittelbar mit dem Bauprojekt verbunden ist.

Der Stadtrat hat den grundsätzlichen Bau des Gemeindezentrums bereits beschlossen. Dennoch sind zahlreiche Fragen weiterhin ungeklärt. Besonders der Umgang mit dem Autonomen Zentrum gilt als einer der größten Konfliktpunkte. Da sich die Einrichtung auf dem vorgesehenen Baugelände befindet, müsste sie an einen anderen Standort umziehen. Eine tragfähige Lösung wurde bislang nicht gefunden.

Auch die öffentliche Diskussion über das Projekt ist weit hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückgeblieben. Zwar wurden innerhalb des Beirats verschiedene Themen behandelt, ein breiter gesellschaftlicher Austausch fand jedoch kaum statt. Dabei geht es nicht nur um städtebauliche Fragen, sondern auch um grundsätzliche gesellschaftliche und integrationspolitische Aspekte.

Kritiker des Vorhabens fordern seit Jahren eine offenere Debatte über die Rolle großer religiöser Bauprojekte in einer pluralistischen Gesellschaft. Dabei werden Fragen aufgeworfen, die weit über die konkrete Planung an der Gathe hinausreichen. Fördert ein repräsentativer Moscheeneubau die Integration muslimischer Gemeinden in die Stadtgesellschaft oder verstärkt er bestehende gesellschaftliche Parallelstrukturen? Entsteht durch solche Zentren mehr Zusammenhalt oder eher eine stärkere Abgrenzung einzelner Gruppen?

Auch die Rolle von Ditib bleibt Gegenstand kontroverser Diskussionen. Immer wieder wird die Frage gestellt, wie unabhängig die Organisation tatsächlich vom türkischen Staat agiert und welchen Einfluss politische Entwicklungen in der Türkei auf deutsche Gemeinden haben. Kritiker sehen hier weiterhin Aufklärungsbedarf und verlangen mehr Transparenz.

Darüber hinaus wird vereinzelt darauf hingewiesen, dass vergleichbare Forderungen nach großflächigen religiösen Neubauten von anderen Einwanderergruppen deutlich seltener erhoben werden. So stellt sich die Frage, weshalb insbesondere Moscheebauten regelmäßig Gegenstand umfangreicher kommunaler Debatten werden, während etwa chinesische, vietnamesische oder andere asiatische Gemeinschaften nur selten öffentliche Forderungen nach repräsentativen Tempelanlagen im städtischen Raum formulieren. Befürworter verweisen dagegen auf die Größe der muslimischen Bevölkerung sowie deren gewachsene religiöse Infrastruktur.

Innerhalb des Beirats wächst der Wunsch nach konkreten Fortschritten. Mehrere Mitglieder erwarten, dass die Diskussion künftig stärker in die Öffentlichkeit getragen wird. Ziel müsse es sein, die offenen Fragen transparent zu behandeln und die Bevölkerung frühzeitig in die weiteren Planungen einzubeziehen.

Im Zusammenhang mit dem Bebauungsplanverfahren wird deshalb über eine öffentliche Informations- und Dialogveranstaltung nachgedacht. Eine solche Veranstaltung könnte zugleich die gesetzlich vorgesehene Bürgerbeteiligung begleiten und den bisher nur begrenzt geführten gesellschaftlichen Austausch erweitern.

Die Ditib-Gemeinde verweist ihrerseits auf die bereits geleisteten Vorarbeiten. Nach Angaben der Verantwortlichen liegen notwendige Gutachten vor, zudem seien planerische Anpassungen vorgenommen worden, um den Anforderungen der städtischen Gremien Rechnung zu tragen. Aus Sicht der Gemeinde ist die jahrelange Verzögerung zunehmend schwer nachvollziehbar. Dort wird erwartet, dass Politik und Verwaltung zeitnah Klarheit über die weitere Entwicklung des Projekts schaffen.

Während Befürworter in dem Vorhaben einen Beitrag zur religiösen Infrastruktur und zur Quartiersentwicklung sehen, halten Kritiker die integrationspolitischen, gesellschaftlichen und städtebaulichen Folgen weiterhin für nicht ausreichend diskutiert. Mit der Wiederaufnahme der Arbeit des Dialogbeirats dürften diese Fragen erneut in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte rücken.

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