Mit Dr. Hagen Lippe-Weißenfeld erhält die Stadt Wuppertal ab September einen neuen Beigeordneten für Kultur, Sport sowie Sicherheit und Ordnung. Der 51-Jährige wurde vom Stadtrat mit breiter Mehrheit gewählt und tritt die Nachfolge von Matthias Nocke an, der das Amt 16 Jahre lang innehatte.
Breite Zustimmung im Stadtrat
Die Entscheidung fiel in einer Sondersitzung des Rates. Unterstützung erhielt Lippe-Weißenfeld von CDU, SPD, FDP/WfW und AfD. Die Fraktion Die Linke votierte mehrheitlich gegen den Kandidaten, während sich die Grünen enthielten. Insbesondere hinsichtlich der Themen Sicherheit und Ordnung äußerten Kritiker Zweifel an seiner fachlichen Eignung.
Mit der Wahl endet eine monatelange Diskussion um die Neubesetzung des Dezernats. Die vorherigen politischen Auseinandersetzungen um die Abwahl seines Vorgängers hatten parteiübergreifend für Kontroversen gesorgt.
Herkunft zwischen Tradition und Wissenschaft
Lippe-Weißenfeld wurde in Leer in Ostfriesland geboren und verbrachte seine Kindheit am Niederrhein sowie im Münsterland. Sein Vater war Theologe und Religionswissenschaftler und lehrte zeitweise auch in Wuppertal. Dadurch kam die Familie früh mit der Stadt in Berührung.
Seine Mutter entstammt dem traditionsreichen Haus Lippe, einem der ältesten Adelsgeschlechter Deutschlands. Die Familiengeschichte ist eng mit den politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts verbunden. Während des Zweiten Weltkriegs verlor die Familie den Vater, später erfolgte die Flucht aus Sachsen nach Nordrhein-Westfalen. Die Erfahrungen dieser Generation wurden innerhalb der Familie intensiv aufgearbeitet und dokumentiert.
Heute lebt Lippe-Weißenfeld mit seiner Familie in Düsseldorf-Kaiserswerth. Seine Ehefrau ist als Neurologin tätig. Das Paar hat vier Kinder.
Vielseitige berufliche Laufbahn
Der promovierte Politik- und Wirtschaftswissenschaftler verfügt über Erfahrungen in Kultur, Wirtschaft und Projektmanagement. Nach seinem Studium begann er seine berufliche Laufbahn bei der Klavierbaufirma C. Bechstein in Berlin. Anschließend wechselte er zur traditionsreichen Porzellanmanufaktur KPM, wo er Führungsaufgaben im Marketing und Vertrieb übernahm.
2009 zog es ihn nach Düsseldorf. Dort wurde er kaufmännischer Direktor und Mitglied des Vorstands der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Während dieser Zeit arbeitete er bereits mit bedeutenden Wuppertaler Kulturinstitutionen zusammen, darunter das Von der Heydt-Museum und das Tanztheater Pina Bausch.
2016 übernahm Lippe-Weißenfeld die Geschäftsführung eines Architekturbüros und gründete zusätzlich eine Beratungsgesellschaft für Kultur- und Bauprojekte. Zu seinen Tätigkeitsfeldern gehörten die Begleitung von Großprojekten, die wirtschaftliche Steuerung von Kultureinrichtungen sowie die Beratung öffentlicher und privater Auftraggeber.
Große Herausforderungen zum Amtsantritt
Auf den neuen Dezernenten warten zahlreiche Aufgaben. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt steht eine wegweisende Entscheidung zum Pina-Bausch-Zentrum an. Der Rat soll über die Umsetzung des Projekts an der Bundesallee entscheiden. Das Vorhaben gilt als eines der bedeutendsten Kulturprojekte der Stadt und wird derzeit mit Kosten von rund 161 Millionen Euro kalkuliert.
Lippe-Weißenfeld betrachtet das Zentrum als wichtige Investition in die kulturelle Entwicklung Wuppertals. Gleichzeitig sieht er Handlungsbedarf bei weiteren Einrichtungen. So verweist er auf den Bedarf eines neuen Probenstandorts für das Sinfonieorchester sowie auf personelle und organisatorische Herausforderungen innerhalb des Ordnungsamtes und der Meldebehörden. Insbesondere die Digitalisierung kommunaler Dienstleistungen müsse vorangetrieben werden.
Verantwortung für zahlreiche Bereiche
Neben Kultur und Ordnung umfasst sein Dezernat weitere zentrale Aufgabenfelder der Stadtverwaltung. Dazu gehören unter anderem die Feuerwehr, das Sportamt, der Zoo sowie zahlreiche weitere Einrichtungen. Trotz der thematischen Vielfalt sieht Lippe-Weißenfeld einen gemeinsamen Schwerpunkt in der Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Nach seiner Auffassung bilden Sicherheit, Ordnung, Kultur und Sport zentrale Voraussetzungen für ein funktionierendes Gemeinwesen.
Reiz der Gestaltung
Der Wechsel nach Wuppertal erfolgte bewusst. Lippe-Weißenfeld sieht in den bestehenden Herausforderungen der Stadt eine Chance zur aktiven Gestaltung. Komplexe Aufgaben und Veränderungsprozesse hätten ihn bereits in früheren beruflichen Stationen motiviert. Seine bisherige Laufbahn ist von wiederholten Wechseln in neue Verantwortungsbereiche geprägt.
Mit Beginn seiner achtjährigen Amtszeit übernimmt er eines der vielfältigsten Dezernate der Stadt. Neben großen Kulturprojekten werden auch Themen wie öffentliche Sicherheit, Verwaltungsmodernisierung und Sportförderung seine Arbeit prägen.
Neuer Dezernent übernimmt Schlüsselressort in Wuppertal
-wuppertaler /CCA