Wuppertals Oberbürgermeisterin Miriam Scherff hat beim Bezirksausschuss der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK) ihre Pläne für die langfristige Entwicklung der Stadt vorgestellt. Vor mehr als 40 Vertretern der regionalen Wirtschaft erläuterte sie im Plenarsaal der IHK den sogenannten „Wuppertal-Plan“, der als strategisches Leitbild für die kommenden 15 Jahre dienen soll.
Die Sitzung wurde von IHK-Vizepräsident Dr. Andreas Groß geleitet, an der auch IHK-Präsident Henner Pasch teilnahm. Im Mittelpunkt stand der Austausch zwischen Stadtverwaltung und Wirtschaft über zentrale Herausforderungen für den Standort Wuppertal. Scherff betonte dabei die enge Verbindung zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und sozialen Themen. Beide Bereiche seien häufig miteinander verknüpft, etwa beim Ausbau von Kinderbetreuungsangeboten, der auch für Unternehmen eine wichtige Rolle spiele. Vertreter der Wirtschaft sollen daher in die weitere Ausarbeitung des „Wuppertal-Plans“ einbezogen werden.
Die Unternehmer reagierten grundsätzlich positiv auf die vorgestellten Ansätze, brachten jedoch auch deutliche Kritik an aktuellen Problemen in der Verwaltung vor. Besonders häufig genannt wurden lange Bearbeitungszeiten und organisatorische Schwierigkeiten bei Behörden wie der Ausländerbehörde, dem Einwohnermeldeamt und dem Straßenverkehrsamt.
Nach Darstellung der Oberbürgermeisterin hängen viele dieser Engpässe mit Personalmangel sowie längeren Einarbeitungszeiten neuer Mitarbeiter zusammen. Um die Situation kurzfristig zu verbessern, setze die Stadt auf mehrere Maßnahmen. Dazu gehören unter anderem die befristete Weiterbeschäftigung pensionierter Mitarbeiter, der Einsatz eines sogenannten Springer-Teams zur Entlastung bei besonders hohem Arbeitsaufkommen sowie verstärkte Digitalisierungsprojekte. Für die Ausländerbehörde ist zudem eine externe Organisationsanalyse durch die Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement vorgesehen.
Gerade bei der Ausländerbehörde sehen viele Unternehmen dringenden Handlungsbedarf. Für Betriebe, die Fachkräfte aus dem Ausland beschäftigen, seien schnelle und verlässliche Verwaltungsverfahren entscheidend. Verzögerungen bei der Bearbeitung von Aufenthalts- oder Arbeitsgenehmigungen könnten dazu führen, dass dringend benötigte Fachkräfte den Standort wieder verlassen.
Neben administrativen Fragen sprachen Vertreter der Wirtschaft auch Themen wie Sicherheit und Sauberkeit im Stadtgebiet an. Insbesondere im Umfeld des Hauptbahnhofs sowie am Bahnhof Vohwinkel werde eine zunehmende Verschmutzung und eine wachsende Drogenszene wahrgenommen. Die Stadt reagiert darauf derzeit mit einer Taskforce für Stadtsauberkeit, die stark frequentierte Plätze zunächst für drei Monate intensiver reinigen soll. Nach einer Testphase ist eine Ausweitung der Maßnahmen vorgesehen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion lag auf der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt. Die Verwaltung arbeitet nach Angaben der Oberbürgermeisterin weiterhin an der Erschließung neuer Gewerbeflächen. Für die Nutzung von fünf identifizierten Potenzialflächen seien jedoch zunächst Genehmigungen sowie Anpassungen im Regionalplan durch die Bezirksregierung erforderlich.
Beim Thema Digitalisierung widersprach Scherff der Kritik an einem vermeintlichen Rückstand der Stadt. Nach ihrer Einschätzung schneidet Wuppertal im Vergleich gut ab, was auch im Regionalradar der IHK sichtbar werde. Ein Beispiel sei die geplante Digitalisierung von Antragsverfahren in der Bauverwaltung, die noch in diesem Jahr beginnen soll. Verzögerungen bei baurechtlichen Entscheidungen lägen zudem nicht ausschließlich in der Verantwortung der Stadt, sondern teilweise auch bei anderen Institutionen wie dem Amtsgericht.
Zum Abschluss der Sitzung betonte die IHK-Seite die Bedeutung eines offenen und konstruktiven Austauschs zwischen Wirtschaft und Stadtverwaltung. Die regionale Wirtschaft sehe sich als Partner der Stadt und habe ein gemeinsames Interesse daran, die Rahmenbedingungen in Wuppertal nachhaltig zu verbessern.
Oberbürgermeisterin stellt „Wuppertal-Plan“ vor – Wirtschaft fordert schnellere Lösungen bei Verwaltungsproblemen
Miriam Scherff,Facebook/CCA