Mit dem Projekt „1000 Stimmen“ sollen persönliche Erfahrungen, Gedanken und Lebensgeschichten von Menschen aus Wuppertal hörbar gemacht werden. Hinter der Initiative stehen das Forum Wupperbogen und das entstehende Pina Bausch Zentrum, das die Stadtgesellschaft künftig stärker in seine Arbeit einbinden will. Die künstlerische Leitung übernimmt der Regisseur und Dramaturg Horst Konietzny, der bereits mehrfach in Wuppertal gearbeitet hat.
Konietzny, der in München lebt und vor allem für interdisziplinäre Arbeiten an der Schnittstelle von Theater, Musik und bildender Kunst bekannt ist, verfolgt mit dem Projekt einen dokumentarisch-künstlerischen Ansatz. Im Mittelpunkt stehen keine prominenten Stimmen oder vorgefertigten Botschaften, sondern persönliche Erzählungen aus dem Alltag. Ziel ist es, die Vielfalt der Stadtgesellschaft in einer groß angelegten Hörinstallation sichtbar beziehungsweise hörbar zu machen.
Das Projekt knüpft an die programmatische Ausrichtung des künftigen Pina Bausch Zentrums an. Bereits seit mehreren Jahren werden im Rahmen des sogenannten Wupperbogens unterschiedliche Beteiligungsformate entwickelt, die sich mit der Frage beschäftigen, wie Kulturinstitutionen Menschen unterschiedlicher sozialer und kultureller Hintergründe erreichen können. Dazu gehörten unter anderem partizipative Tanzprojekte, Medienformate und städtische Kunstaktionen.
Die organisatorische Umsetzung von „1000 Stimmen“ begleitet Christian Günther, der das Projekt als Versuch versteht, die gesamte Stadtgesellschaft einzubeziehen und kulturelle Teilhabe stärker erfahrbar zu machen. Konietzny hatte bereits 2022 im Skulpturenpark Waldfrieden mit ehemaligen Tänzern des Tanztheaters Pina Bausch eine mehrkanalige Klanginstallation entwickelt, die auf zahlreichen Interviews basierte.
Auch bei „1000 Stimmen“ bilden Gespräche den Kern des Projekts. Geplant sind kurze Audiointerviews von maximal zwei Minuten Länge. Die Gespräche sollen bewusst niedrigschwellig angelegt werden und können von geschulten Teilnehmern ebenso geführt werden wie von interessierten Bürgern ohne Vorerfahrung. Im Mittelpunkt stehen persönliche Fragen, Erinnerungen, Wünsche und Erfahrungen, aus denen sich ein vielschichtiges akustisches Bild der Stadt entwickeln soll.
Bereits Ende Februar fand im Schauspielhaus ein erster Workshop statt, bei dem Teilnehmer Methoden der Gesprächsführung erprobten und sich mit der Wirkung persönlicher Erzählungen beschäftigten. Für einen weiteren Workshop am 30. Mai werden nun über einen offenen Aufruf neue Teilnehmer gesucht. Angesprochen sind Menschen aus möglichst unterschiedlichen Stadtteilen und Lebensbereichen. Geplant sind gemeinsame Übungen zur Interviewführung, die Entwicklung geeigneter Fragen sowie erste Präsentationsformen der aufgenommenen Stimmen.
Aus den gesammelten Aufnahmen soll schließlich eine mehrkanalige Hörinstallation entstehen, bei der jede Stimme einzeln abrufbar bleibt. Die Präsentation ist für den Herbst vorgesehen. Als mögliche Orte gelten derzeit das Schauspielhaus, der Bereich davor oder öffentliche Plätze in der Innenstadt. Auch die konkrete Form der Aufführung steht noch nicht fest. Neben einer reinen Audioinstallation sind performative Elemente im Gespräch.
Projekt „1000 Stimmen“ sucht Geschichten aus Wuppertal
Daniel H/CCA