Ein Statement von Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts zum Erdüberlastungstag, das am letzten Montag, den 28. April, auf der Internetseite des WI veröffentlicht wurde, macht deutlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht.
„In den vergangenen Monaten haben uns Ereignisse wie die anhaltenden geopolitischen Spannungen in vielen Teilen der Welt, die auf allen Kontinenten zunehmenden Extremwetterereignisse und die fortschreitenden Renationalisierungstendenzen eindringlich vor Augen geführt, wie verwundbar unsere global vernetzten Systeme sind. Diese Krisen verdeutlichen die Dringlichkeit einer umfassenden ökologischen und sozialen Transformation hin zu nachhaltigen Lebens- und Wirtschaftsweisen.“, so Fischedick – und weiter: „Der deutsche Erdüberlastungstag, der in diesem Jahr auf den 3. Mai fällt, markiert den Zeitpunkt, an dem wir in der Bundesrepublik rechnerisch so viele natürliche Ressourcen verbraucht haben wie innerhalb eines Jahres nachwachsen, beziehungsweise so viel CO2 ausgestoßen haben, wie in Wäldern und Ozeanen im Jahresverlauf gebunden werden kann. Würden alle Menschen weltweit so leben wie wir, dann bräuchten wir drei Erden, um unseren Ressourcenbedarf zu decken – anders ausgedrückt: Ab dem Tag ‚leben wir auf Pump‘.“
Diese Ressourcen-Übernutzung bedrohe auch hierzulande die Lebensgrundlagen, schwäche die Krisenfestigkeit und gefährde die Versorgungssicherheit. Zudem verschärfe sie soziale Ungleichheiten, weswegen dringend gehandelt werden müsse, da ein „Weiter so“ zwangsläufig in eine ökologische und ökonomische Sackgasse führe. Daher müsse nicht nur das Verhalten angepasst, sondern auch Strukturen verändert werden.
„Die aktuellen geopolitischen Polykrisen zeigen: Unser hoher Ressourcenverbrauch macht uns anfällig für externe Schocks. Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und importierten Rohstoffen hat das Potenzial, unsere Energieversorgung und Wirtschaft zu destabilisieren.“ Vor diesem Hintergrund sei es unerlässlich, Energie- und Ressourcensysteme resilienter zu gestalten und als zentralen Schritt dafür Energie- und Ressourceneffizienz Priorität einzuräumen sowie unseren ökologischen Fußabdruck erheblich zu reduzieren.
„Dazu gehört die drastische Senkung des CO2-Ausstoßes, die Förderung einer Kreislaufwirtschaft und die Umstellung auf nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster. Beispielsweise können wir durch den Ausbau erneuerbarer Energien, die Förderung von Sharing-Konzepten und die Reduktion des Fleischkonsums erhebliche Fortschritte erzielen. Diese Maßnahmen tragen zudem nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern erhöhen auch unsere Versorgungssicherheit und verringern – richtig aufgesetzt – soziale Ungleichheiten.“, erklärt Fischedick und ergänzt: „Eine erfolgreiche Transformation erfordert daher integrative Ansätze, die ökologische Nachhaltigkeit mit sozialer Gerechtigkeit und Teilhabe verbinden. Dies beinhaltet eine gerechte Lastenteilung, die Schaffung fairer Arbeitsbedingungen, den Zugang zu Bildung für alle und die Förderung von Gemeinschaften, die resilient gegenüber externen Schocks sind. Es ist an der Zeit, dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft jetzt konsequent die notwendigen Schritte einleiten, um unseren Planeten für zukünftige Generationen zu bewahren. Nachhaltigkeit muss dafür zum Standard im Alltag aller werden und nachhaltiges Verhalten für alle möglich gemacht werden. Denn: Jeder Tag, um den wir den Erdüberlastungstag nach hinten verschieben können, ist ein Gewinn für kommende Generationen.“