Traditionsunternehmen Meinhardt Reisen stellt nach 75 Jahren den Betrieb ein

Foto: MEINHARDT - REISEN



Wuppertal – Nach mehr als sieben Jahrzehnten erfolgreicher Tätigkeit beendet das Wuppertaler Familienunternehmen Meinhardt Reisen seinen Betrieb. Die Schließung des traditionsreichen Busunternehmens erfolgt einvernehmlich und markiert das Ende einer Ära, die von drei Generationen geprägt wurde.

Ein Blick zurück: Von der Gründung bis zur Expansion

Gegründet im Jahr 1949 von Ilse und Rudolph Meinhardt, begann das Unternehmen zunächst als Mietwagenservice. In der Nachkriegszeit war der Besitz eines eigenen Fahrzeugs eine Seltenheit, weshalb sich das Angebot, ein Auto samt Fahrer zu mieten, schnell etablierte. Schon bald folgte die Erweiterung der Flotte um einen VW-Samba-Bus, wodurch sich das Unternehmen in der Personenbeförderung weiter spezialisierte.

In den darauffolgenden Jahren kamen Schulbusfahrten und Werksverkehre hinzu. Ein Meilenstein war der Erwerb eines modernen Reisebusses im Jahr 1963, ausgestattet mit technischem Komfort wie Radio, Kassettendeck, Belüftungssystem und Kühlschrank. Dies ermöglichte die Ausweitung des Angebots auf Ausflugsfahrten am Wochenende. Mit der Expansion zog der Betriebshof an einen neuen Standort in der Straße „Zu den Dolinen“ an der Grenze zwischen Wuppertal-Langerfeld und Nächstebreck.

Generationenwechsel und familiäre Verbundenheit

Harro Meinhardt, Sohn der Gründer, stieg früh in das Familienunternehmen ein und führte es seit 1999 gemeinsam mit seiner Ehefrau Birgit. Beide prägten den Betrieb mit großem Engagement. Ihre vier Kinder – Marie, Madeleine, Mats und Mabel – waren ebenfalls zeitweise im Unternehmen tätig, entschieden sich jedoch für eigene berufliche Wege.

Trotz familiärer Unterstützung blieb eine dauerhafte Nachfolge innerhalb der Familie aus. Auch wenn Tochter Marie nach ihrem Biologiestudium zeitweise Teil des Teams wurde, führten persönliche Lebensentscheidungen letztlich dazu, dass sie das Unternehmen nicht übernehmen konnte. Für die Meinhardts stand stets im Vordergrund, dass ihre Kinder ihren individuellen Interessen folgen sollten, anstatt sich von familiären Erwartungen leiten zu lassen.

Schließung im Sinne aller Beteiligten

Mit Blick auf den bevorstehenden Ruhestand suchte das Ehepaar Meinhardt zunächst nach einer Möglichkeit, das Unternehmen zu verkaufen. Die gewünschte Lösung, die sowohl für die Belegschaft als auch für mögliche Käufer zufriedenstellend gewesen wäre, ließ sich jedoch nicht realisieren. In Abstimmung mit den langjährigen Mitarbeitenden, von denen viele dem Betrieb über zwei Jahrzehnte treu geblieben waren, fiel die Entscheidung, den Betrieb geordnet einzustellen.

Die Fahrer, deren Fachkräfte derzeit auf dem Arbeitsmarkt stark nachgefragt werden, fanden entweder neue Anstellungen oder wechselten zu Kooperationspartnern. Der Betrieb wird zum 28. Februar 2025 endgültig eingestellt. Die Flotte von zuletzt 13 Bussen wurde größtenteils verkauft.

Abschluss einer Ära und neue Perspektiven

Die letzte Fahrt, die das Ehepaar Meinhardt gemeinsam unternahm, führte symbolträchtig zur Tanzschule Schäfer – der Ort, an dem sie sich einst kennengelernt hatten. Dort begleiteten sie eine Gruppe zu einem Tanzwettbewerb in Wilhelmshaven, was einen würdigen Abschluss ihres gemeinsamen beruflichen Weges darstellte.

Für den Ruhestand haben Harro und Birgit Meinhardt konkrete Pläne: Reisen – diesmal jedoch nicht als Beruf, sondern als persönliche Leidenschaft. Ein besonderes Ziel ist der Besuch einer Tochter, die mittlerweile im US-Bundesstaat Michigan lebt.

Mit der Schließung von Meinhardt Reisen endet eine bedeutende Ära der Wuppertaler Wirtschaftsgeschichte – geprägt von familiärer Hingabe, unternehmerischer Verantwortung und der Überzeugung, dass der persönliche Lebensweg stets im Einklang mit den eigenen Wünschen und Zielen stehen sollte.

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