Vom 6. bis 10. Oktober fand in Wuppertal die 20. Auflage der Waldjugendspiele der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald statt. Das städtische Ressort Grünflächen und Forsten richtete die Veranstaltung aus und wurde dabei von Mitarbeitern, ehrenamtlichen Helfern und ehemaligen Forstbediensteten unterstützt. Ziel des Projekts ist es, Kindern aus der Stadt die Bedeutung des Waldes und seiner Tier- und Pflanzenwelt näherzubringen.
Lernen im Freien statt im Klassenzimmer
Am Donnerstag nahmen rund 550 Kinder aus 21 Grundschulklassen an den Spielen teil. Der Unterricht fand im Freien auf dem Gelände der Station Natur und Umwelt an der Jägerhofstraße statt. Dort erhielten die Schülerinnen und Schüler zunächst eine Einführung in die heimische Tierwelt durch Revierförster Jan Frieg, der seit vielen Jahren in Wuppertal tätig ist. Mit Hilfe präparierter Tiere erklärte er anschaulich die Merkmale typischer Waldbewohner. Einige Kinder verwechselten dabei einzelne Arten – etwa einen Birkhahn mit einem Adler oder einen Dachs mit einem Wolf –, was den spielerischen Charakter des Lernens unterstrich.
Der Förster verstand es, die Kinder mit Humor und praktischen Beispielen für die Natur zu begeistern. Besonders eindrucksvoll war die Vorstellung eines ausgestopften Dachses, den Frieg kurzerhand „zum Leben erweckte“, um den jungen Teilnehmern die Verhaltensweisen des Tieres zu verdeutlichen.
Spielerisches Lernen mit allen Sinnen
Bevor die Gruppen zu einem geführten Rundgang in den Wald aufbrachen, warteten am Freiluft-Unterrichtsplatz verschiedene Stationen auf sie. Beim „Fühlen und Erraten“ ertasteten die Kinder typische Naturmaterialien wie Federn, Zapfen oder Rehgehörn-Stangen, die unter einem Tisch verborgen waren. Auch handwerkliches Geschick war gefragt: In kleinen Teams sägten sie Birkenstämme durch – eine Übung, die Konzentration und Teamarbeit erforderte.
Für den anschließenden Spaziergang durch den Wald stellte das Ressort Grünflächen und Forsten Wegekarten und Aufgabenblätter bereit. Zu den Aktivitäten zählten das Umstapeln von Holz, das Barfußlaufen über verschiedene Untergründe sowie das Erkennen von Wegmarkierungen an Bäumen. Diese Aufgaben sollten den Kindern helfen, ihre Umgebung bewusster wahrzunehmen und die Natur mit allen Sinnen zu erleben.
Eine besondere Herausforderung bestand darin, für eine Minute völlig stillzustehen und nur den Geräuschen des Waldes zu lauschen – eine Übung, die Konzentration und Achtsamkeit förderte. Viele Kinder nahmen diese Aufgabe mit Begeisterung an, und auch die begleitenden Lehrkräfte zeigten sich von der Wirkung des stillen Moments beeindruckt.
Austausch am Lagerfeuer
Nach rund drei Stunden im Wald kehrten die Gruppen zum Freiluft-Unterrichtsplatz zurück. In einer Jurte, einem großen Zelt mit Lagerfeuer und mit Lammfellen ausgelegten Bänken, besprachen die Kinder ihre Eindrücke. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen waren: Während einige die Waldaufgaben besonders spannend fanden, beeindruckte andere vor allem die große Autobahnbrücke über die L 418, die auf dem Rückweg sichtbar war – ein Hinweis darauf, dass viele der jungen Teilnehmer den Wald nicht als alltäglichen Lebensraum kennen.
Trotz kleinerer Anstrengungen, etwa bei den Anstiegen auf dem Gelände, fiel das Feedback der Schulen insgesamt sehr positiv aus. Die Waldjugendspiele in Wuppertal zeigen einmal mehr, wie wirkungsvoll Naturerlebnisse außerhalb des Klassenzimmers sein können, um Wissen zu vermitteln und den Respekt vor der Umwelt zu fördern.