Jahrzehntelange Familientradition
Mit 94 Jahren steht Marlies Lintener noch immer täglich hinter dem Tresen ihres kleinen Kiosks an der Friedrichstraße in Wuppertal. Der Laden, der seit Generationen in Familienhand ist, wirkt wie eine Zeitkapsel. Holzwandverkleidung und Tresen stammen aus einer längst vergangenen Epoche, ein altes Foto im Eingangsbereich erinnert an ihre Großeltern, die hier bereits Anfang des 20. Jahrhunderts verkauften.
Das Angebot ist überschaubar: Zeitschriften, Getränke, Süßigkeiten, Tabakwaren und Spirituosen. Doch trotz seiner Schlichtheit ist der Kiosk für viele Anwohner ein vertrauter Ort – und für Lintener selbst weit mehr als nur ein Geschäft.
Unterstützung durch die Nachbarschaft
In den vergangenen Monaten lief das Geschäft nur mäßig. Deshalb haben langjährige Kunden im Internet dazu aufgerufen, gezielt bei Lintener einzukaufen. Zahlreiche Menschen folgten diesem Appell bereits, manche kamen sogar aus anderen Stadtteilen. Viele kauften bewusst größere Mengen, um den Umsatz zu steigern und die Inhaberin zu unterstützen.
Alltag zwischen Risiko und Routine
Lintener öffnet ihren Kiosk von Montag bis Samstag zwischen 9 und 14 Uhr. Für Berufstätige sind die Zeiten nicht ideal, dennoch bleiben Stammkunden treu. Unterstützt wird sie von Nachbarn, die regelmäßig nach dem Rechten sehen und im Alltag Hilfe leisten.
Die Betreiberin musste in den vergangenen Jahren allerdings auch schwierige Erfahrungen machen: Mehrfach wurde der Kiosk überfallen. Aus Sicherheitsgründen lässt sie seitdem nur noch Kunden ein, die sie über einen Buzzer kontrolliert. Erst wenn die Person einen vertrauenswürdigen Eindruck macht, öffnet sie die Tür.
Hilfe für den Alltag
Ein weiteres Problem war die Finanzierung eines Treppenlifts zu ihrer Wohnung. Allein hätte Lintener die Kosten nicht tragen können. Inzwischen hat sich jedoch ein Unternehmen bereit erklärt, einen gebrauchten Lift einzubauen, dessen Kosten durch den Zuschuss der Krankenkasse gedeckt sind.
Begegnungen und Geschichten
Der Kiosk ist nicht nur Verkaufsstelle, sondern auch ein Ort der Begegnung. Ein kurzer Plausch mit dem Briefträger, ein freundliches Gespräch mit Nachbarn oder neue Kunden, die durch den Aufruf auf das Geschäft aufmerksam wurden – all das prägt den Alltag.
Ein Kiosk mit Begleiter
An ihrer Seite ist stets ihr Kater Hummel, der inzwischen fester Bestandteil des Ladens ist. Früher saß er auf den Regalen, heute liegt er auf einem Kissen hinter dem Tresen. Mit seiner Anwesenheit sorgt er für heitere Momente, die Kunden und Inhaberin gleichermaßen Freude bereiten.
Lintener betrachtet ihren Kiosk nicht nur als Lebensunterhalt, sondern auch als Verbindung zur Nachbarschaft. Für sie bedeutet er den täglichen Kontakt zu Menschen, die sie seit vielen Jahren kennt.
Eine Institution in der Nordstadt: Marlies Lintener hält ihren Kiosk am Leben
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