Wuppertal. Die Stadtverwaltung hat die geplante Fällung mehrerer Bäume auf dem Johannes-Rau-Platz vor dem Rathaus detailliert begründet. Hintergrund ist ein offener Brief des Vereins „Zukunft und Natur“, der die Entfernung von fünf Linden kritisch hinterfragt hatte. Das Ressort Grünflächen und Forsten legte nun die fachlichen und sicherheitsrelevanten Gründe dar, die aus Sicht der Stadt keine Alternative zur Fällung zulassen.
Auslöser der aktuellen Situation war der unerwartete Umsturz einer Linde auf dem Rathausvorplatz. Verletzt wurde dabei niemand, dennoch zeigte der Vorfall erhebliche Defizite im Wurzelraum des Baumes. Diese Erkenntnis führte zu einer umfassenden Überprüfung aller betroffenen Bäume. Nach Angaben der Stadt waren die Linden und eine Platane über Jahrzehnte regelmäßig kontrolliert und gepflegt worden und hatten bis zuletzt einen vitalen Eindruck gemacht.
Ein zusätzlich beauftragter externer Sachverständiger bestätigte jedoch die Befürchtungen der städtischen Fachleute. Die Wurzelausbildung aller untersuchten Bäume sei unzureichend, um ihre Standfestigkeit dauerhaft zu gewährleisten. Technische Zugversuche hätten ergeben, dass eine ausreichende Stabilität nur durch eine massive Reduzierung der Kronen um mehr als die Hälfte zu erreichen wäre. Ein solcher Eingriff würde die Bäume jedoch nachhaltig schädigen und ihr Überleben infrage stellen.
Da in dem Gutachten für die betroffenen Bäume eine kurzfristige Frist zur Fällung gesetzt wurde, sieht sich die Stadt aus Gründen der Verkehrssicherheit zum sofortigen Handeln verpflichtet. Maßnahmen wie Bodenverbesserungen oder Rückschnitte könnten die akute Umsturzgefahr nach fachlicher Einschätzung nicht mehr beheben.
Parallel dazu bereitet die Verwaltung die Nachpflanzung neuer Bäume vor. Dafür werden derzeit unter anderem Leitungspläne der Versorgungsträger, denkmalrechtliche Vorgaben sowie frühere Planungsunterlagen ausgewertet. Der Johannes-Rau-Platz steht vollständig unter Denkmalschutz, weshalb tiefgreifende Veränderungen an Pflaster und Platten nicht möglich sind. Gleichwohl sollen die künftigen Baumstandorte nach modernen, wassersensiblen und hydrologischen Standards optimiert werden.
Als Mindestziel nennt die Stadt ein Wurzelraumvolumen von 18 Kubikmetern pro Baum. Ob dies unter den bestehenden Rahmenbedingungen realisierbar ist, wird derzeit geprüft. Ergänzend kommen technische Lösungen wie Wurzelgräben oder Tiefenbohrungen in Betracht, um den Bäumen ausreichend Raum zur Entwicklung zu verschaffen. Vergleichbare Maßnahmen seien bereits auf dem Von-der-Heydt-Platz erfolgreich umgesetzt worden, wo zudem miteinander verbundene Baumgruben geschaffen wurden.
Die Stadt verweist in diesem Zusammenhang auf die fachliche Qualifikation der eigenen Mitarbeiter sowie des hinzugezogenen öffentlich vereidigten Sachverständigen. Eine weitergehende Begutachtung würde nach Einschätzung des Ressorts keine neuen Erkenntnisse liefern.
Unabhängig vom aktuellen Fall arbeitet die Verwaltung an einem stadtweiten Stadtbaumkonzept. Ziel ist es, zusätzliche Pflanzstandorte in Grünanlagen, auf Plätzen und entlang von Straßen zu identifizieren, um den Baumbestand langfristig zu stärken. In den kommenden Jahren sollen so weitere Baumpflanzungen im gesamten Stadtgebiet realisiert werden.
Stadt erläutert Gründe für geplante Baumfällungen vor dem Rathaus
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