Ein geplatzter Vortrag, ein Streit um Zensur – und ein Shitstorm, der Wellen schlägt. Was als inspirierender Abend mit dem bekannten Umweltaktivisten Robert Marc Lehmann beim Wuppertaler Zukunftsfestival geplant war, ist zum öffentlich ausgetragenen Konflikt zwischen ihm, der Historischen Stadthalle Wuppertal und dem Zoo-Verein geworden.
Lehmann sollte am 25. Mai in der Stadthalle über Nachhaltigkeit sprechen. Themen wie Artensterben, Umweltverantwortung und auch die Rolle von Zoos standen auf dem Programm – laut Lehmann alles im Vorfeld mit den Veranstaltern abgestimmt. Doch kurz vor dem Event kam die Ansage: Der Part über Zoos müsse raus. Die Kritik daran? Nicht erwünscht.
Für Lehmann war das eine klare Grenzüberschreitung. Er sprach von Zensur und zog die Reißleine. Seine Absage veröffentlichte er öffentlichkeitswirksam über YouTube und soziale Netzwerke – und löste damit eine Welle an Reaktionen aus. Die Empörung war groß, die Unterstützungsbekundungen zahlreich.
Während die Stadthalle nachträglich ein Gesprächsangebot unterbreitete und sogar eine gemeinsame Veranstaltung mit dem Zoo in Aussicht stellte, berichtete Lehmann, dass er kurz darauf ein Anwaltsschreiben von der Stadthalle erhalten habe – verbunden mit einer Forderung nach Geld. Für ihn das endgültige Aus. Der Versuch, vielleicht doch noch wie geplant aufzutreten, war damit vom Tisch.
Der Fall hat längst die Stadtgrenzen überschritten. In sozialen Netzwerken polarisiert das Thema: Wo hört Abstimmung auf, wo fängt Einflussnahme an? Wer darf auf einer Bühne was sagen – und wer entscheidet darüber?
Auch in der Kommunalpolitik sorgt der Vorfall für Kritik. Besonders die Linke wirft der Stadthalle eine fragwürdige Einschränkung der Meinungsfreiheit vor und spricht von einem Eingriff, der an Zensur erinnert.
Lehmann hat inzwischen zur Demonstration aufgerufen. Am 25. Mai will er gemeinsam mit Unterstützern auf dem Bahnhofsplatz protestieren. Vor dem Zoo ist eine Mahnwache geplant. Die Polizei rechnet mit rund 1.500 Teilnehmenden.Ein YouTuber aus Wuppertal rechnet aufgrund der hohen Zahl seiner Follower mit bis zu 15.000 Teilnehmern bei der geplanten Demonstration.
Ein Vortrag wurde gestrichen – und ist zur Debatte über Redefreiheit, öffentliche Verantwortung und Einflussnahme geworden. Die Diskussion ist offen, laut und längst nicht vorbei.
„Lehmann gegen Wuppertaler Zoo?“ – Netz tobt nach Rede-Aus beim Zukunftsfestival
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