Bergische Universität bündelt Forschung für den Bevölkerungsschutz

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Wuppertal. Wie lassen sich Gesellschaft und Infrastruktur besser vor Krisen und Katastrophen schützen? Mit einem neuen interdisziplinären Forschungszentrum will die Bergische Universität Wuppertal Antworten auf diese Frage entwickeln. Dafür arbeiten 15 Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachgebieten künftig enger zusammen.

Das Interdisziplinäre Zentrum für Zivile Sicherheitsforschung (ZiSiF) verbindet unter anderem Kompetenzen aus der Psychologie, der Sicherheitstechnik, der Energieversorgung und dem Bevölkerungsschutz. Im Mittelpunkt stehen die Entwicklung wirksamer Vorsorgestrategien, die Bewältigung akuter Krisen und die Stärkung gesellschaftlicher Widerstandsfähigkeit.

Die Gründung reagiert auf eine veränderte Sicherheitslage. Geopolitische Konflikte, die Folgen des Klimawandels, Pandemien sowie technische und digitale Abhängigkeiten stellen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft vor komplexe Herausforderungen. Dabei können sich unterschiedliche Gefahren gegenseitig verstärken und die Versorgung mit lebenswichtigen Leistungen beeinträchtigen.

Das Zentrum soll dazu beitragen, Risiken frühzeitig zu identifizieren, geeignete Schutzmaßnahmen zu entwickeln und die Handlungsfähigkeit in außergewöhnlichen Situationen zu sichern. Die Leitung übernehmen die Professoren Frank Fiedrich, Anna Sieben und Meinald Thielsch.

Bestehende Forschung wird vernetzt

Die zivile Sicherheit gehört bereits seit Jahrzehnten zu den etablierten Forschungsfeldern der Universität. Eine besondere Rolle spielt dabei die Sicherheitstechnik, die im vergangenen Jahr ihr 50-jähriges Bestehen beging.

Darüber hinaus beschäftigen sich zahlreiche weitere Fachbereiche mit unterschiedlichen Aspekten der Sicherheits- und Katastrophenforschung. Dazu zählen Naturgefahren, Brände und Cyberbedrohungen ebenso wie Konflikte, das Verhalten von Menschen und Organisationen in Ausnahmesituationen sowie gesellschaftliche Gewalt und deren Auswirkungen auf die Demokratie.

Das neue Zentrum soll diese bislang über verschiedene Fachgebiete verteilten Kompetenzen stärker zusammenführen. Neben der Vertiefung bestehender Forschungsprojekte sind neue Kooperationen innerhalb der Universität und mit externen Einrichtungen vorgesehen.

Ein Beispiel für die laufende Forschung ist die Untersuchung gesellschaftlicher Faktoren, die das Vorsorgeverhalten beeinflussen. Die Psychologin Anna Sieben beschäftigt sich gemeinsam mit ihrer Kollegin Anna Baumert unter anderem damit, welche Bedingungen Menschen dazu bewegen, sich auf Krisen vorzubereiten. Dabei werden auch bestehende Konzepte des Zivilschutzes wissenschaftlich überprüft.

Gefahren und ihre Folgen gemeinsam untersuchen

Ein wesentliches Anliegen des Zentrums ist es, Sicherheitsrisiken nicht isoliert zu betrachten. Neben der eigentlichen Gefahrenquelle sollen auch ihre Wechselwirkungen mit technischen Systemen, gesellschaftlichen Strukturen und menschlichem Verhalten berücksichtigt werden.

Diese Perspektive soll neue Erkenntnisse für die kommunale Vorsorge, die Vorbereitung der Bevölkerung und die Arbeit von Krisenstäben und Einsatzkräften liefern.

Wie sich dieser Ansatz umsetzen lässt, zeigt das Beispiel möglicher Waldbrände. Mithilfe computergestützter Simulationen können Wissenschaftler untersuchen, wie sich Feuer ausbreiten und welche Faktoren den Verlauf beeinflussen. Gleichzeitig sollen die Auswirkungen auf kritische Infrastrukturen und die betroffene Bevölkerung analysiert werden.

Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, Schutzmaßnahmen gezielter zu planen und die Folgen schwerer Schadensereignisse besser einzuschätzen.

Nachwuchsförderung als weiterer Schwerpunkt

Neben der Forschung soll auch die wissenschaftliche Ausbildung innerhalb des Zentrums ausgebaut werden. Geplant sind unter anderem die Förderung von Doktoranden und Postdocs sowie die frühzeitige Beteiligung von Juniorprofessoren an gemeinsamen Forschungsprojekten.

Wissenschaftliche Veranstaltungen wie Ringvorlesungen, Konferenzen und Summer Schools sollen den fachlichen Austausch fördern und neue Kooperationen ermöglichen.

Mit der Einrichtung des Zentrums erweitert die Bergische Universität ihre Forschung zu gesellschaftlich relevanten Sicherheitsfragen. Zugleich soll die Zusammenarbeit unterschiedlicher Disziplinen dazu beitragen, innovative Lösungsansätze für den Umgang mit zukünftigen Krisen zu entwickeln.

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