Am 15. und 16. November verwandelt sich die Färberei in Wuppertal in einen Ort kontemplativer Klanglandschaften und nächtlicher Ruhe. Das Schlafkonzert, gefördert von der Stadt Wuppertal und dem Sparkassenfonds für Kunst und Kultur, bietet eine außergewöhnliche musikalische Erfahrung, die sich deutlich von klassischen Konzertformaten unterscheidet.
Musik für die Schwelle zwischen Schlaf und Wachsein
Das Konzept orientiert sich an den von dem Musiker und Schlafforscher Robert Rich entwickelten „Sleep Concerts“. Im Mittelpunkt steht der Zustand der Hypnagogia – der Übergang zwischen Wachen und Schlafen. In diesem Zwischenraum wird das Bewusstsein besonders empfänglich für künstlerische Eindrücke. Ziel ist kein tiefer Schlaf, sondern ein Wechselspiel aus Dösen, Träumen und wacher Wahrnehmung.
Die Musik bleibt über Stunden ruhig, meditativ und fein ausbalanciert. Sie füllt den Raum mit weichen Klängen, die ein Eintauchen in einen fließenden Zustand zwischen Realität und Traum ermöglichen. Das Publikum liegt oder ruht währenddessen, jeder Gast gestaltet sein Erlebnis individuell – im stillen Zuhören, im Träumen oder im leisen Austausch.
Künstler und Programm
Das Line-up des Abends vereint namhafte Vertreter der Ambient- und Neoklassik-Szene.
Nicolas Schwabe kombiniert Flöte, elektronische Effekte und Loopmaschinen zu filigranen Klanggeweben zwischen Elektronik und Neoklassik.
Lukas Schäfer alias Schäfer arbeitet mit warmen, sich wandelnden Synthesizerstrukturen, die zu hypnotischen Soundcollagen verschmelzen.
Katharina Schmidt präsentiert mit Particles eine elektroakustische Komposition, in der wenige Töne in steter Veränderung aufeinander treffen – ein musikalisches Abbild flüchtiger Gedanken.
Heinrich Lenz gestaltet mit seinen „Lucidity Journals“ eine nächtliche Klangreise aus Drones, Feldaufnahmen und sich verändernden Texturen, die an Traumlandschaften erinnern.
Weitere Künstler werden angekündigt.
Ablauf der Nacht
Der Einlass beginnt um 20 Uhr, das Konzert startet um 21 Uhr mit einem gemeinsamen Eröffnungsset. Ab diesem Zeitpunkt bleibt der Veranstaltungsort geschlossen, um eine ungestörte Atmosphäre zu gewährleisten. Die Live-Performances dauern bis etwa 6 Uhr morgens. Gegen 7 Uhr wird ein gemeinsames Frühstück angeboten, bei dem die Gäste die Möglichkeit haben, die Erlebnisse der Nacht zu teilen. Das Ende der Veranstaltung ist für 9 Uhr vorgesehen.
Gemeinschaft und Atmosphäre
Die Besucher werden gebeten, eigene Schlafutensilien mitzubringen – von der Isomatte bis zum Bett ist alles erlaubt. Die Lautstärke der Musik bleibt im Vergleich zu üblichen Konzerten deutlich reduziert, ebenso die Geräuschkulisse des Publikums. Essen wird nicht angeboten, Getränke und Tee stehen an einer Vertrauenskasse bereit.
Ein Schlafkonzert lebt von Achtsamkeit und Rücksichtnahme. Gespräche, Lesen oder Zeichnen sind möglich, sofern sie den meditativen Charakter der Veranstaltung nicht stören. Auch nächtliche Geräusche – etwa das Schnarchen anderer Gäste – werden als Teil der Gesamtatmosphäre verstanden.
Offene Preisstruktur
Um die Teilnahme unabhängig von finanziellen Möglichkeiten zu ermöglichen, werden zwei Ticketpreise angeboten. Besucher entscheiden selbst, welcher Preis für sie angemessen ist.
Das Schlafkonzert in der Färberei Wuppertal verbindet Musik, Bewusstsein und Gemeinschaft zu einer nächtlichen Erfahrung, die sich jenseits herkömmlicher Konzertformen bewegt – leise, tief und nachhaltig.
Eine Nacht zwischen Traum und Klang – Das Schlafkonzert in der Färberei Wuppertal
Daniel H/CCA