Ermittlungen wegen weiterer Brandstiftung in Wuppertal: Hinweise auf Parallelen zum Fall Grünewald

Daniel h/CCA



Wuppertal/Solingen – Im laufenden Strafprozess vor dem Landgericht Wuppertal gegen einen 40-jährigen Mann aus Solingen, der bereits gestanden hat, für mehrere Brandanschläge verantwortlich zu sein, haben sich neue Verdachtsmomente ergeben. Die Staatsanwaltschaft hat ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen den Angeklagten eingeleitet. Es geht um einen Brand in einem Mehrfamilienhaus an der Normannenstraße in Wuppertal, der sich Anfang Januar 2022 ereignete.

Die neuen Hinweise resultieren aus der Aussage eines Zeugen, der in dem betroffenen Gebäude wohnte. Er schilderte wiederholte Auseinandersetzungen mit dem Beschuldigten, der in einer Beziehung zu einer früheren Bewohnerin des Hauses gestanden haben soll. Der Zeuge gab an, sich durch das Verhalten des Angeklagten massiv bedroht gefühlt zu haben. Neben verbalen Angriffen habe es physische Übergriffe gegeben – unter anderem sei ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprüht worden. Außerdem habe er mehrmals eine verdächtige, vermutlich brennbare Substanz unter seiner Fußmatte entdeckt.

Der Brand, der ursprünglich im Keller des Hauses ausbrach, wurde durch Fotodokumente mit verkohlten Holzpaneelen belegt. Auffällig waren zudem zwei große Gasflaschen im Hauseingangsbereich, die dort normalerweise nicht gelagert wurden. Diese Umstände lassen Parallelen zu den bereits angeklagten Taten in Solingen erkennen, bei denen der Beschuldigte ebenfalls in zuvor genutzten oder bekannten Wohnhäusern Feuer gelegt haben soll.

Der Solinger steht aktuell unter anderem wegen des Brandanschlags in der Grünewalder Straße vor Gericht, bei dem im Jahr 2024 vier Menschen – darunter zwei kleine Kinder – ums Leben kamen. Die Tat richtete sich gegen ein Haus mit vorwiegend migrantischer Bewohnerschaft. In mehreren Fällen hat der Angeklagte bereits Brandstiftungen eingeräumt, darunter auch ein weiteres Feuer im selben Gebäude sowie ein Angriff mit einer Machete auf einen Bekannten. Zudem wurden bei einer Hausdurchsuchung gestohlene Postsendungen sichergestellt – auch dieser Aspekt weist Parallelen zu den Vorfällen in Wuppertal auf. Ein Bewohner des Hauses an der Normannenstraße berichtete, dass ein vertrauliches Schreiben seiner Bank nie angekommen sei. Kurz darauf seien unautorisierte Transaktionen in Höhe von rund 600 Euro über sein Konto gelaufen.

Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob sich der Verdacht auf eine weitere Brandstiftung durch den Angeklagten erhärten lässt. Sollte sich ein Zusammenhang bestätigen, könnten auch im Fall Wuppertal Anklagen wegen versuchten Mordes erhoben werden. Eine zentrale Frage bleibt dabei das mögliche Tatmotiv.

Ob ein rechtsextremer Hintergrund vorliegt, ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. Zwar wurde auf einem sichergestellten Datenträger Bildmaterial mit rechtsextremem Inhalt gefunden, jedoch konnte dieses bislang nicht eindeutig dem Angeklagten zugeordnet werden. In einem weiteren Ermittlungsansatz wurde bekannt, dass der Beschuldigte offenbar gezielt nach einem früheren Mitbewohner des Hauses in Wuppertal, dessen persönlichen Daten sowie nach Informationen zum Brand in der Normannenstraße im Internet recherchierte – alles zeitlich nah an der Tat.

Derzeit steht eine brandsachverständige Untersuchung aus, deren Ergebnisse für die weitere Bewertung des Falles von Bedeutung sein werden. Die Verteidigung kündigte an, eine Stellungnahme erst nach Vorlage dieses Gutachtens abgeben zu wollen. Die Ermittlungen dürften sich laut Angaben der Staatsanwaltschaft noch über Wochen oder Monate erstrecken.

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