Festnahme nach Flucht: Ehemaliger ESW-Mitarbeiter muss sich wegen mutmaßlichen Betrugs verantworten

Anka/CCA



Ein ehemaliger leitender Mitarbeiter des Eigenbetriebs Straßenreinigung Wuppertal (ESW) ist an der türkisch-bulgarischen Grenze festgenommen worden. Der Mann hatte sich vor Beginn seines Strafprozesses im März 2025 in die Türkei abgesetzt und war seitdem flüchtig. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde er nun gefasst und wird voraussichtlich bis zum Beginn des Verfahrens in Untersuchungshaft bleiben.

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, Rechnungen für Winterdienstleistungen in erheblichem Umfang manipuliert und dadurch rund 180.000 Euro veruntreut zu haben. Nach den Ermittlungen soll er zwei kleinere Unternehmen aus seinem Bekanntenkreis als Subunternehmer für Winterdienste vermittelt haben. In seiner Funktion war er für die Prüfung der eingereichten Rechnungen zuständig. Dabei soll er zusätzliche Positionen eingefügt, teilweise vollständig fiktive Rechnungen erstellt und seine eigenen Kontodaten in die Zahlungsunterlagen eingetragen haben. Die überwiesenen Gelder sollen zunächst auf seinem Konto eingegangen sein, bevor er einen Teil an die beteiligten Subunternehmer weiterleitete.

Die beiden Unternehmer waren bereits 2025 vor dem Amtsgericht angeklagt worden. Einer der damals 24 und 27 Jahre alten Männer wurde freigesprochen, da sich ein vorsätzliches Mitwirken an den Manipulationen nicht nachweisen ließ. Nach Überzeugung des Gerichts ging er davon aus, die ihm zustehenden Beträge erhalten zu haben.

Der zweite Angeklagte räumte ein, Unregelmäßigkeiten vermutet zu haben. Nach den Feststellungen des Gerichts erkannte er Hinweise darauf, dass die Geldflüsse nicht ordnungsgemäß verliefen, unternahm jedoch nichts dagegen. Zudem gab er einen Teil seiner Einnahmen an den ESW-Mitarbeiter weiter. Das Gericht wertete sein Verhalten als strafbar und verhängte eine Geldstrafe von 9.600 Euro. Darüber hinaus wurden 3.700 Euro eingezogen, die als Anteil aus den unrechtmäßig erlangten Geldern galten.

Der Betrug war bereits im Sommer 2022 aufgedeckt worden. Im Rahmen interner Kontrollen fiel auf, dass die Kontoverbindung eines Subunternehmens mit den Bankdaten des leitenden ESW-Mitarbeiters übereinstimmte. Der Eigenbetrieb erstattete daraufhin Strafanzeige.

In der Folge wurden die internen Kontrollmechanismen gemeinsam mit dem städtischen Rechnungsprüfungsamt umfassend überarbeitet. Nach Angaben des ESW wurden Arbeitsabläufe digitalisiert, neue Freigabeverfahren eingeführt und das Kontrollsystem durch ein Sechs-Augen-Prinzip deutlich verschärft.

Der Fall beschäftigte auch den Finanzausschuss des Wuppertaler Stadtrats. Mehrere Ausschussmitglieder stellten die Wirksamkeit der bisherigen Kontrollmechanismen infrage und äußerten Zweifel an der Entlastung des Betriebsausschusses des ESW. Die Mehrheit sprach dem Gremium dennoch das Vertrauen aus. Kritisiert wurde unter anderem, dass mögliche Auffälligkeiten über einen längeren Zeitraum unbemerkt geblieben waren und der auffällige Lebensstil des Verdächtigen keine weitergehenden Prüfungen ausgelöst hatte.

Das Strafverfahren gegen den ehemaligen ESW-Mitarbeiter war bereits 2025 von den Verfahren gegen die beiden Subunternehmer abgetrennt worden. Nach seiner Festnahme kann das Verfahren nun voraussichtlich fortgesetzt werden.

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