Jens Söring gastiert mit True-Crime-Programm in Wuppertal

Kichern/CCA



Auftritt am 26. Juni in der Historischen Stadthalle

Der ehemalige US-Häftling Jens Söring kommt am 26. Juni 2026 mit seinem aktuellen Bühnenprogramm „Hinter der Maske des Bösen – True Crime von einem Insider“ erstmals nach Wuppertal. Die Veranstaltung findet in der Rossini Lounge der Historischen Stadthalle statt und beginnt um 19 Uhr.

Söring, der durch seine jahrzehntelange Haft in den USA internationale Bekanntheit erlangte, widmet sich in seinem Vortrag nicht vorrangig seiner eigenen Geschichte. Im Mittelpunkt stehen vielmehr drei ehemalige Mithäftlinge, mit denen er während seiner 33-jährigen Gefängniszeit zusammenlebte. Dabei handelt es sich um einen wegen Terrorismus verurteilten Mann, der mit dem schwersten Anschlag vor den Terrorattacken vom 11. September 2001 in Verbindung gebracht wird, einen Beteiligten am größten Bankraub der Geschichte sowie einen wegen Mordes verurteilten Straftäter, obwohl niemals eine Leiche gefunden wurde.

Nach eigenen Angaben bietet Söring nicht nur eine Darstellung spektakulärer Kriminalfälle. Sein Interesse gilt vor allem den Hintergründen kriminellen Handelns und der Frage, welche persönlichen und gesellschaftlichen Faktoren Menschen zu Tätern werden lassen. Die jahrelange unmittelbare Nähe zu schwerkriminellen Straftätern habe ihm Einblicke ermöglicht, die Ermittlern, Juristen oder Psychologen oftmals verschlossen blieben.

Zugleich setzt sich Söring mit der anhaltenden Popularität des True-Crime-Genres auseinander. Er betrachtet das öffentliche Interesse an Verbrechen als Ausdruck des menschlichen Bedürfnisses, moralische Grenzen zu definieren und sich mit den dunkleren Seiten der eigenen Persönlichkeit auseinanderzusetzen. Kriminalgeschichten ermöglichten es vielen Menschen, das Böse außerhalb ihrer eigenen Lebenswelt zu verorten.

Eine zentrale Erkenntnis aus seiner langjährigen Haftzeit sei die Beobachtung gewesen, dass viele Straftäter bereits vor ihren Verbrechen selbst Opfer von Gewalt oder Missbrauch geworden waren. Dieses Muster habe er nach eigenen Angaben bei zahlreichen Mitgefangenen festgestellt. Eine solche Vorgeschichte könne Straftaten zwar nicht rechtfertigen, trage jedoch zum Verständnis krimineller Entwicklungen bei.

Der Vortrag ist in zwei Teile gegliedert. Nach der Darstellung der Fälle seiner ehemaligen Mithäftlinge folgt eine offene Fragerunde. Erfahrungsgemäß konzentrieren sich die Fragen des Publikums dabei überwiegend auf Sörings eigene Biografie.

Sein Name bleibt bis heute umstritten. Der Deutsche wurde 1990 in den USA wegen Doppelmordes zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt. Nach 33 Jahren Haft kam er 2019 auf Bewährung frei und wurde anschließend nach Deutschland abgeschoben. Während Kritiker auf die weiterhin bestehende Verurteilung verweisen, beruft sich Söring auf neue Beweismittel und laufende juristische Bemühungen, mit denen er eine Aufhebung des Urteils erreichen möchte.

Auch die öffentliche Diskussion über seine Auftritte begleitet ihn weiterhin. Kritische Stimmen beanstanden, dass ein wegen Doppelmordes verurteilter Mann heute regelmäßig auf Bühnen auftritt. Söring verweist dagegen auf sein Recht zur freien Meinungsäußerung und darauf, dass das US-Urteil in Deutschland keine unmittelbare rechtliche Wirkung entfalte. Zudem verfüge er hierzulande über keinen Eintrag im Strafregister und habe keinen Kontakt zur Justiz.

Im Anschluss an die Veranstaltung besteht für Besucher die Möglichkeit, Fragen zu stellen sowie Bücher signieren zu lassen.

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