Die Luftqualität in Wuppertal hat sich in den vergangenen Jahren zwar kontinuierlich verbessert, dennoch stehen Stadt und Behörden vor neuen Herausforderungen. Zwar wurden die derzeit geltenden Grenzwerte für Stickstoffdioxid auch im vergangenen Jahr an sämtlichen Messstellen eingehalten, doch mit den ab 2030 verbindlichen EU-Vorgaben verschärfen sich die Anforderungen deutlich.
Aktuelle Grenzwerte werden weiterhin eingehalten
Bereits zum sechsten Mal in Folge seit 2020 lag die durchschnittliche Stickstoffdioxidbelastung an allen Messpunkten unter dem derzeit gültigen Jahresgrenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Ab dem Jahr 2030 halbiert die Europäische Union diesen Wert jedoch auf 20 Mikrogramm. Nach Einschätzung der Stadt wird die Einhaltung dieser neuen Vorgaben insbesondere an stark belasteten Verkehrsachsen deutlich schwieriger.
Umfangreiches Messnetz überwacht die Luftqualität
Für die kontinuierliche Überwachung der Luftqualität betreibt das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen zwei Messstationen im Stadtgebiet – an der Gathe und in Langerfeld. Dort werden unter anderem Stickstoffdioxid sowie die Feinstaubfraktionen PM10 und PM2,5 erfasst.
Ergänzend verfügt die Stadt über 33 sogenannte Passivsammler, mit denen ausschließlich Stickstoffdioxid gemessen wird. Die Hauptquelle dieses Schadstoffs ist der motorisierte Straßenverkehr, daneben entstehen Emissionen auch durch landwirtschaftliche Aktivitäten.
Die höchsten Stickstoffdioxidbelastungen wurden erneut an den Straßen Steinweg, Westkotter Straße, Briller Straße und Gathe festgestellt. Dort lagen die Jahresmittelwerte weiterhin über 30 Mikrogramm pro Kubikmeter. Gleichzeitig verzeichnen gerade diese Bereiche im langfristigen Vergleich die deutlichsten Rückgänge der Schadstoffkonzentration.
Die niedrigsten Messwerte wurden an den Hintergrundmessstationen an der Blücherstraße, in Langerfeld, am Schusterplatz, im Bereich Schraberg sowie an der Bundesallee registriert. Dort bewegten sich die Jahresmittelwerte zwischen 14 und 17 Mikrogramm pro Kubikmeter.
Stickstoffbelastung geht überwiegend weiter zurück
Im Vergleich zum Vorjahr sind die Stickstoffdioxidwerte an nahezu allen Messpunkten gesunken. Nach einer zwischenzeitlichen Stagnation setzte sich damit der seit Jahren anhaltende Trend sinkender NO₂-Konzentrationen wieder fort.
Eine Ausnahme bildet die Messstelle an der Staasstraße in Ronsdorf. Dort wurde ein deutlich höherer Wert als im Vorjahr festgestellt. Nach Angaben der Stadt gibt es bislang keine eindeutige Erklärung für diese Entwicklung. Größere Baustellen oder andere verkehrsbedingte Ursachen wurden im betreffenden Zeitraum nicht registriert.
Feinstaub unter gesetzlichen Grenzwerten
Auch die Feinstaubbelastung blieb im Jahresmittel 2025 sowohl bei PM10 als auch bei PM2,5 deutlich unter den derzeit geltenden gesetzlichen Grenzwerten. Die aktuellen Vorgaben des Bundes-Immissionsschutzgesetzes sowie die künftig vorgesehenen EU-Grenzwerte werden in Wuppertal eingehalten.
Die strengeren Richtwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden jedoch weiterhin überschritten. Damit besteht trotz der positiven Entwicklung weiterhin Verbesserungspotenzial bei der Luftqualität.
Luftreinhalteplan wird voraussichtlich erforderlich
Die neue europäische Luftqualitätsrichtlinie verpflichtet Mitgliedstaaten bereits vor Inkrafttreten der verschärften Grenzwerte dazu, Luftqualitätsfahrpläne zu erstellen, wenn zwischen 2026 und 2029 Überschreitungen der künftigen Grenzwerte zu erwarten sind.
Nach ersten Auswertungen geht die Stadt davon aus, dass Wuppertal im Jahr 2027 unter Federführung der Bezirksregierung einen entsprechenden Luftreinhaltefahrplan ausarbeiten muss. Nach aktuellen Prognosen könnten im Jahr 2030 in zehn Straßenzügen die neuen Stickstoffdioxid-Grenzwerte überschritten werden. Für weitere sechs Straßen kann eine Überschreitung ebenfalls nicht ausgeschlossen werden. Zu diesen Bereichen zählen unter anderem die Friedrich-Ebert-Straße und die Varresbecker Straße.
Weiterer Handlungsbedarf trotz positiver Entwicklung
Im Umweltausschuss des Wuppertaler Stadtrats wird die Entwicklung zwar als Fortschritt bewertet, eine Entwarnung wird jedoch nicht gesehen. Trotz der Einhaltung der derzeit gültigen Jahresgrenzwerte gelten insbesondere die Belastungen an der Gathe, der Briller Straße, dem Steinweg und der Westkotter Straße weiterhin als kritisch. Vor allem für Kinder sowie Menschen mit Atemwegserkrankungen besteht nach Einschätzung des Ausschusses weiterhin ein erhöhtes gesundheitliches Risiko.
Die verschärften EU-Grenzwerte werden deshalb als sinnvoll angesehen. Um die Luftqualität nachhaltig zu verbessern, werden zusätzliche Maßnahmen wie Temporeduzierungen, bauliche Veränderungen, der Ausbau der Rad- und Fußwege sowie eine weitere Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs als notwendige Schritte betrachtet.
Luftqualität in Wuppertal: Strengere Grenzwerte erhöhen den Handlungsdruck
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