Mit der Schwebebahn Deutsch lernen

Daniel H/CCA


Die Wuppertaler Schwebebahn dient als Schauplatz für ein Lehrbuch der Autorin Claudia Peter. Eine Kriminalgeschichte vermittelt Sprachkenntnisse und zugleich Wissenswertes über die Stadt.

Die Wuppertaler Schwebebahn ist nicht nur ein Verkehrsmittel und Wahrzeichen der Stadt, sondern auch Schauplatz einer Geschichte für Deutschlernende. Im Lehrbuch „Kein falsches Wort!“ des Lehrverlags Liebaug-Dartmann verbindet die Autorin Claudia Peter eine spannende Handlung mit Übungen zu Leseverständnis, Grammatik und Wortschatz. Ergänzt wird das Material durch Inhalte zur deutschen Landeskunde und Arbeitsblätter für den Einsatz in Sprachkursen.

Die Geschichte spielt während einer Fahrt mit der Schwebebahn. Plötzlich bleibt die Bahn in der Sonnborner Straße stehen. Für die Figuren beginnt damit ein ungewöhnlicher Zwischenfall, dessen Hintergründe sich erst im weiteren Verlauf der Handlung erschließen. Die Geschichte bildet den Rahmen für verschiedene Sprachübungen. Dazu gehören unter anderem Lückentexte, Zuordnungsaufgaben und Übungen, bei denen Begriffe miteinander kombiniert werden.

Auch bekannte Besonderheiten Wuppertals finden Eingang in das Lehrmaterial. Neben der Schwebebahn spielen der Elefant Tuffi und das Tanztheater von Pina Bausch eine Rolle. Das Buch richtet sich an Deutschlernende auf dem Niveau A2 und damit an Menschen, die bereits über grundlegende Kenntnisse verfügen und sich in einfachen Alltagssituationen auf Deutsch verständigen können.

Virtuelle Reise nach Wuppertal

Für Claudia Peter war die Schwebebahn zunächst vor allem aus dramaturgischen Gründen interessant. Ihre Geschichte sollte in einem öffentlichen Verkehrsmittel spielen. Ein gewöhnlicher Zug oder Bus schied aus, weil die Handlung dort durch die Nähe anderer Fahrgäste und mögliche Fluchtwege weniger überzeugend funktioniert hätte. Die besondere Konstruktion der Schwebebahn bot dagegen die passende Kulisse.

Gleichzeitig wollte die Autorin mit ihren Geschichten nicht allein Grammatik und Vokabeln vermitteln. Zum Erlernen einer Sprache gehört für sie auch die Auseinandersetzung mit dem Land, seiner Kultur und seinen Besonderheiten. Deshalb spielen authentische landeskundliche Elemente in ihren Büchern eine wichtige Rolle.

Wuppertal selbst hat Peter bislang allerdings noch nicht besucht. Für die Vorbereitung auf das Buch recherchierte sie anhand von Videos, Fotos und Texten. Auf diese Weise verschaffte sie sich detaillierte Kenntnisse über die Stadt und die Schwebebahn. Sie beschäftigte sich unter anderem mit dem Streckenverlauf, den Fahrzeugen und verschiedenen Geschichten rund um das Wuppertaler Wahrzeichen. Die Stadt steht inzwischen weit oben auf ihrer persönlichen Liste künftiger Reiseziele.

Peter stammt aus Stuttgart und lebt seit rund 35 Jahren in Spanien. Dort entdeckte sie den Bereich Deutsch als Fremdsprache für sich. Zuvor hatte sie als freie Journalistin unter anderem für die Stuttgarter Nachrichten gearbeitet.

Geschichten statt reiner Sprachübungen

Der Anstoß für ihre Lehrbücher entstand aus einer praktischen Erfahrung. Als Peter im Ausland nach geeignetem Material für ihre Unterrichtsklassen suchte, fand sie nicht die Geschichten, die ihren Vorstellungen entsprachen. Deshalb begann sie, selbst Texte zu verfassen. Die sprachliche Gestaltung orientiert sich jeweils am Niveau der Lernenden. Gleichzeitig sollen die Geschichten literarische Qualität besitzen und eine inhaltliche Aussage vermitteln.

Eine besondere Bedeutung misst Peter dabei dem Humor bei. Unterhaltsame Geschichten könnten den Zugang zu einer Fremdsprache erleichtern und die Motivation beim Lernen erhöhen. Wer neben dem Erlernen von Vokabeln und Grammatik auch in der neuen Sprache lachen könne, entwickle ein anderes Verhältnis zum Lernstoff und gewinne Vertrauen in die eigenen sprachlichen Fähigkeiten.

Positive Emotionen wirken sich nach Einschätzung von Fachleuten auch auf die Lernprozesse des Gehirns aus. Sie können Stress reduzieren, die Motivation steigern und dazu beitragen, neue Informationen besser im Gedächtnis zu verankern. Humor wird damit zu einem Bestandteil des Lernkonzepts – und die Schwebebahn zum ungewöhnlichen Schauplatz einer solchen Sprachgeschichte.

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