Zwei Wuppertaler Autoren melden sich mit neuen Veröffentlichungen auf dem Buchmarkt zurück. Gunter Wollschläger legt mit „Anemonen“ zwei ungewöhnliche Theaterstücke vor. Michael Zeller präsentiert in „Heimweh nach Ferne“ eine Auswahl von 100 Gedichten aus unterschiedlichen Zeiten seines literarischen Schaffens.
Gunter Wollschläger setzt auf fragmentierte Dramaturgie
Gunter Wollschläger, der viele Jahre an der Kreativschule Wuppertal gearbeitet hat, veröffentlicht mit „Anemonen“ bereits seinen dritten Band mit Bühnenstücken. Die beiden Dramen beschäftigen sich auf unterschiedliche Weise mit Krieg, Gewalt, gesellschaftlicher Bedrohung und dem Scheitern von Verständigung.
Das titelgebende Stück „Anemonen“ konzentriert sich auf die Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau. Beide bleiben in ihren eigenen Gedanken- und Sprachwelten gefangen. Während ihrer Gespräche dringen immer wieder Geräusche von außen in die Handlung ein, die auf einen Krieg oder revolutionäre Unruhen schließen lassen.
Eine zentrale Rolle spielt der Tod des Sohnes Oliver. Ob er im Krieg ums Leben gekommen ist, wird nicht eindeutig geklärt. Die Unsicherheit über sein Schicksal verstärkt die Distanz zwischen den Figuren. Hinzu kommt der Zauberkünstler Pol(l)ykarp, der sich nicht eindeutig einem Geschlecht zuordnen lässt. Er beobachtet das Geschehen, kommentiert es und stellt die Vorgänge infrage, bleibt jedoch ohne Einfluss auf deren Verlauf.
Wollschläger verzichtet auf eine klassische, geradlinige Handlung. Szenen und Gesprächsteile sind bewusst aufgebrochen. Dadurch entsteht ein Theatertext, der weniger von einer fortlaufenden Geschichte als von Spannungen, Brüchen und der Unfähigkeit seiner Figuren lebt, miteinander in Kontakt zu treten.
Auch „Schlotters Bilk“ entwickelt seine Wirkung vor allem über Atmosphäre und Bedrohung. Im Mittelpunkt stehen der Naturschriftsteller Schlotter und seine Frau Emma, die vorübergehend ein Haus mieten. Der Eigentümer Faust erweist sich als Waffenhändler. In der nahe gelegenen alten Ziegelei halten sich Neonazis auf.
Die Ereignisse nehmen zunehmend eine bedrohliche Wendung. Ein möglicher Mord gehört ebenso zum Geschehen wie die schwer greifbare Gefahr, die sich über die Handlung legt. Das Stück arbeitet mit hohem Tempo und lässt vieles zunächst im Unklaren.
„Anemonen“ ist im Nordpark-Verlag erschienen und kostet 14 Euro.
Michael Zeller versammelt Gedichte aus verschiedenen Schaffensphasen
Michael Zeller widmet sich in seinem neuen Band „Heimweh nach Ferne“ ganz der Lyrik. Auf 140 Seiten finden sich 100 Gedichte, darunter sowohl neue Texte als auch Arbeiten aus früheren Jahren. Das Buch entstand anlässlich seines 80. Geburtstags.
Zellers Gedichte bewegen sich zwischen persönlicher Wahrnehmung und genauer Beobachtung des Alltags. Im Mittelpunkt stehen häufig unscheinbare Situationen, aus denen der Autor größere Gedanken entwickelt. Die Texte reichen von nachdenklichen und selbstbezogenen Momenten bis zu Gedichten, die von Wut, Nähe und der Wahrnehmung anderer Menschen geprägt sind.
Dabei zeigt sich Zellers Stärke insbesondere in ungewöhnlichen sprachlichen Bildern. Alltägliche Beobachtungen erhalten durch präzise Formulierungen eine neue Perspektive. Zu den hervorzuhebenden Texten gehören unter anderem „Saludo“ und „September“. Auch die Bezeichnung der Möwen als „Kleingeld des Lichts“ gehört zu den markanten Bildern des Bandes.
Ergänzt wird die Gedichtsammlung durch ein Gespräch mit dem Literaturwissenschaftler Matías Martínez von der Bergischen Universität sowie ein Nachwort des Wissenschaftlers. Dadurch erhält der Band neben der persönlichen Auswahl Zellers auch eine literaturwissenschaftliche Einordnung.
„Heimweh nach Ferne“ ist im Rote Katze-Verlag erschienen und kostet 22 Euro.
Neue Bücher aus Wuppertal: Zwei Dramen und ein umfangreicher Gedichtband
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