Am Polizeipräsidium Wuppertal erinnert eine überarbeitete Gedenktafel an die Verbrechen während der nationalsozialistischen Herrschaft. Die neue Inschrift stellt deutlicher als bisher heraus, dass nicht allein die Gestapo, sondern auch die reguläre Polizei an der Verfolgung, Folter und Ermordung von Menschen beteiligt war.
Das Gebäude an der Wuppertaler Hofkampstraße diente während der NS-Zeit als Sitz der Gestapo und war ein zentraler Ort der Verfolgung im Bergischen Städtedreieck. Nach Einschätzung des Polizeihistorikers Matthias Lammers spielte das Präsidium eine bedeutende Rolle bei den nationalsozialistischen Verbrechen in der Region.
Gedenktafel berücksichtigt weitere Opfergruppen
Polizeipräsident Markus Röhrl hat die aktualisierte Gedenktafel am Montag offiziell enthüllt. Die überarbeitete Fassung benennt nun auch Opfergruppen, die bislang nicht ausreichend berücksichtigt worden waren. Dazu gehören Zeugen Jehovas sowie Sinti und Roma.
Mit der Ergänzung soll die historische Verantwortung der Polizei umfassender dargestellt werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Erkenntnis, dass staatliche Polizeistrukturen unter der nationalsozialistischen Herrschaft nicht nur zur Durchsetzung des Regimes beitrugen, sondern unmittelbar an dessen Verfolgungspolitik beteiligt waren.
Historische Spuren werden für Bildungsarbeit genutzt
Das Polizeipräsidium setzt sich auch durch die Erhaltung historischer Gebäudebestandteile mit seiner Vergangenheit auseinander. In den vergangenen Jahren wurden Wandbilder aus der NS-Zeit restauriert, die nach Kriegsende teilweise beschädigt oder überstrichen worden waren. Darüber hinaus ließ die Polizei historische Türen aufarbeiten und in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten.
Eine besondere Bedeutung kommt dem früheren Tagungssaal der Gestapo zu, der unter der Bezeichnung „Saal 300“ bekannt ist. Die Räumlichkeit wird inzwischen als Ausstellungsfläche für Kunstwerke genutzt, die an die Verantwortung der Polizei für den Schutz der Menschenwürde erinnern.
Die Auseinandersetzung mit den baulichen Zeugnissen der NS-Zeit soll dazu beitragen, die Geschichte des Hauses sichtbar zu machen und die Bedeutung rechtsstaatlicher Prinzipien zu vermitteln. Als maßgebliche Grundlage gilt Artikel 1 des Grundgesetzes, der die Unantastbarkeit der Menschenwürde festschreibt.
Neue Gedenktafel in Wuppertal: Polizei arbeitet eigene NS-Vergangenheit auf
Daniel H/CCA