Pina-Bausch-Zentrum wird deutlich teurer

Daniel H/CCA



Wuppertal muss Finanzierung neu ordnen

Das geplante Pina-Bausch-Zentrum in Wuppertal steht angesichts deutlich gestiegener Baukosten vor einer entscheidenden Phase. Nach aktuellen Berechnungen der Stadtverwaltung wird das Vorhaben voraussichtlich rund 228 Millionen Euro kosten. Bislang war mit etwa 160 Millionen Euro gerechnet worden. Damit erhöht sich der Finanzbedarf um knapp 70 Millionen Euro.

Die neuen Zahlen wurden am Montag in der Sitzung des Wuppertaler Stadtrats vorgestellt. Für die finanziell stark belastete Stadt stellt sich damit erneut die Frage, wie das Projekt überhaupt finanziert werden kann.

Zusätzliche Kredite sind kaum möglich

Bund und Land sollen einen erheblichen Teil der Kosten übernehmen. Die nun erwarteten Mehrkosten würden jedoch maßgeblich bei der Stadt verbleiben. Wuppertal müsste dafür an anderer Stelle im Haushalt Einsparungen vornehmen.

Ein zusätzlicher Kredit dürfte dagegen kaum infrage kommen. Die Stadt befindet sich in der Haushaltssicherung und muss innerhalb von zehn Jahren wieder einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Angesichts der angespannten Finanzlage hatte Kämmerer bereits Anfang Juli angekündigt, sämtliche größeren Vorhaben überprüfen zu lassen.

In politischen Kreisen war deshalb bereits die Frage aufgekommen, ob das Pina-Bausch-Zentrum in der bisher geplanten Form noch realisierbar ist.

Verwaltung arbeitet an neuen Varianten

Trotz der erheblichen Kostensteigerung hält Wuppertals Kulturdezernent Hagen Lippe-Weißenfeld an dem Vorhaben fest. Er kündigte an, der Politik innerhalb weniger Wochen drei neue Varianten für das Zentrum vorzulegen.

Wie stark diese Modelle vom bisherigen Konzept abweichen werden, ist noch offen. Denkbar ist unter anderem eine Konzentration auf die Sanierung des denkmalgeschützten Schauspielhauses. Der zusätzlich geplante Neubau, der bislang ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist, könnte damit zumindest in seiner bisherigen Form infrage stehen.

Die Stadtverwaltung räumt selbst ein, dass das Vorhaben deutlich verkleinert werden müsste, sollte es nicht gelingen, die zusätzlichen Kosten durch Einsparungen im übrigen Haushalt aufzufangen.

Rat muss noch in diesem Jahr entscheiden

Trotz des Kostenschocks gibt es im Stadtrat weiterhin Unterstützung für das Projekt. Vertreter von CDU, SPD, Grünen und Linken signalisierten, dass sie die weitere Prüfung der Pläne unterstützen.

Gleichzeitig steht der Zeitplan unter erheblichem Druck. Der Stadtrat soll noch in diesem Jahr über das weitere Vorgehen entscheiden. Von dieser Entscheidung hängen auch zugesagte beziehungsweise in Aussicht gestellte Fördermittel des Bundes ab.

Aus Sicht der Befürworter bietet sich mit dem Projekt eine möglicherweise einmalige Gelegenheit, das Pina-Bausch-Ensemble dauerhaft in Wuppertal zu verankern. Die Kostensteigerung stellt diese Zielsetzung nun jedoch vor eine erhebliche finanzielle und planerische Herausforderung.

Zentrum soll Tanztheater und Archiv beherbergen

Mit dem Pina-Bausch-Zentrum soll dem international bekannten Tanztheater in Wuppertal eine dauerhafte Spiel- und Arbeitsstätte geschaffen werden. Zugleich soll dort das Archiv der 2009 verstorbenen Choreographin Pina Bausch untergebracht werden.

Kern des bisherigen Konzepts ist die umfassende Sanierung des früheren Schauspielhauses. Ergänzt werden sollte der denkmalgeschützte Bau durch einen modernen Glasneubau. Die Kombination aus Bestandsgebäude und Neubau bildet die Grundlage für das bislang veranschlagte Projektvolumen.

Ob dieses Konzept angesichts der inzwischen auf rund 228 Millionen Euro gestiegenen Kosten umgesetzt werden kann, soll nun anhand der drei neuen Varianten geklärt werden.

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