Neue Anlage verbindet Tierhaltung mit Artenschutz
Im Grünen Zoo Wuppertal ist die neue Anlage „Rivers of Sulawesi“ eröffnet worden. Im Mittelpunkt stehen zunächst drei Hirscheber, eine hochbedrohte Wildschweinart aus Südostasien. Die neue Anlage bietet den Tieren deutlich mehr Möglichkeiten für arttypisches Verhalten und soll zugleich auf die prekäre Situation der Tiere in freier Wildbahn aufmerksam machen.
Ermöglicht wurde das Projekt durch die Unterstützung des Wuppertaler Zoo-Vereins. Mitgliedsbeiträge, Einnahmen aus den Kiosken und Spenden flossen in die Finanzierung der neuen Anlage. Über mehrere Monate waren Gärtner und Handwerker mit umfangreichen Bau- und Landschaftsarbeiten beschäftigt.
Entstanden ist eine abwechslungsreiche, naturnah gestaltete Umgebung mit Lehmsuhle, Sandflächen, dichtem Bewuchs, Felsen und Wasserbereichen. Die Hirscheber können dort wühlen, klettern, im Schlamm baden und ihre Umgebung ausgiebig erkunden. Auch die Besucherwege wurden bewusst so angelegt, dass die Tiere nicht auf den ersten Blick überall zu sehen sind. Kleine Sichtfenster, verschlungene Wege und Bereiche am Wasser ermöglichen Beobachtungen aus unterschiedlichen Perspektiven.
Afrikanische Schweinepest bedroht die Bestände
Für die Hirscheber ist die neue Anlage weit mehr als eine Erweiterung der zoologischen Haltung. Die Art steht in freier Wildbahn unter erheblichem Druck. Als Bewohner einzelner Inseln leben die Tiere vielfach in vergleichsweise kleinen Populationen, die besonders empfindlich auf Veränderungen und äußere Störungen reagieren.
Eine zusätzliche Bedrohung entstand durch die weltweite Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest. Asiatische Wildschweinarten verfügen nicht über ausreichende Abwehrmechanismen gegen die Krankheit. Die Bestände der Hirscheber in der Natur wurden dadurch innerhalb weniger Jahre erheblich reduziert. Wie viele Tiere heute noch existieren und ob sich die verbleibenden Populationen dauerhaft erholen können, lässt sich bislang nicht verlässlich bestimmen.
Eine entscheidende Rolle könnte künftig ein Impfstoff gegen die Afrikanische Schweinepest spielen. Von besonderem Interesse ist eine Möglichkeit, den Impfstoff über Futterköder an wildlebende Hirscheber zu verabreichen. Sollte eine solche Impfung verfügbar werden, könnten langfristig auch Auswilderungsprogramme mit Nachzuchttieren aus zoologischen Einrichtungen entwickelt werden. Voraussetzung dafür wären allerdings sorgfältig vorbereitete Schutzmaßnahmen in den natürlichen Lebensräumen sowie eine ausreichend große und genetisch geeignete Reservepopulation in menschlicher Obhut.
Wuppertal beteiligt sich am internationalen Zuchtprogramm
Der Grüne Zoo Wuppertal beteiligt sich bereits seit Jahren erfolgreich an der Zucht von Hirschebern im Rahmen des internationalen Zuchtprogramms der Zoos. In der neuen Anlage leben derzeit die drei Weibchen Yala, Kendari und Kalia. Die Gruppe soll in absehbarer Zeit durch ein Männchen ergänzt werden, um erneut eine erfolgreiche Fortpflanzung zu ermöglichen.
Dabei stellt die Afrikanische Schweinepest auch die Haltung in Deutschland vor besondere Herausforderungen. Das Virus ist inzwischen in Deutschland verbreitet. Veterinär- und Tierpflegeteam setzen deshalb verschiedene Schutzmaßnahmen um, um den Kontakt der Hirscheber mit möglicherweise kontaminiertem Material zu verhindern.
Eine wichtige Rolle spielt dabei auch das Verhalten der Besucher. Lebensmittel und andere Gegenstände dürfen keinesfalls in die Anlage geworfen werden. Auf diese Weise lässt sich ein vermeidbares Infektionsrisiko für die Tiere reduzieren.
Rivers of Sulawesi: Neue Heimat für bedrohte Hirscheber im Grünen Zoo Wuppertal
Atamari/CCA