Tanz und Film im Dialog: Wuppertaler Kinoabend widmet sich dem Tanzfilm

Elio yañez/CCA



Wuppertal – Im Rahmen der Tanzfilmreihe von Tanzrauschen und dem Rex-Lichtspieltheater stand ein besonderer Filmabend auf dem Programm: Drei Werke des Filmemachers Minkyou Yoo, der aus Korea stammt und in Köln lebt, wurden vorgestellt. Begleitet wurde er von der Tänzerin Ying Yun Chen, die in Taiwan geboren wurde und in Düsseldorf arbeitet. Die Veranstaltung wurde von Kerstin Hamburg kuratiert und bot dem Publikum neben den Filmvorführungen auch ein Gespräch mit den beiden Künstlern.

Drei Filme im Fokus

Gezeigt wurden „Bound By Body“ (2021), das unter anderem im Treppenhaus der Wuppertaler Oper gedreht wurde, sowie „Circle“ (2023) und die aktuelle Produktion „Petrification of Time“ (2024). Alle Filme sind in Schwarz-Weiß gehalten und zeichnen sich durch eine experimentelle Bildsprache aus. Besonders „Petrification of Time“ weicht von klassischen Tanzfilmen ab und entwickelt eine symbolhafte Erzählweise, die sich mit Zeit und Vergänglichkeit auseinandersetzt.

Körper als Medium

Ying Yun Chen, die in den beiden jüngsten Filmen als Performerin mitwirkte, verbindet in ihrer Arbeit Elemente aus Chinesischer Oper, Kung Fu, Ballett und zeitgenössischem Tanz. In „Petrification of Time“ nutzt sie ihren Körper als künstlerisches Ausdrucksmittel: In Großaufnahmen knetet und mischt sie eine Paste, die sie schließlich auf ihren nackten Körper aufträgt. Die Kamera bleibt dabei in unmittelbarer Nähe, wodurch eine intensive Atmosphäre entsteht. Am Ende des Films entfernt sie die getrocknete Substanz und bewahrt sie wieder in dem Gefäß auf, aus dem sie ursprünglich stammte – ein Ritual, das den Kreislauf von Zeit und Veränderung thematisiert.

Tanz als filmisches Experiment

Für Minkyou Yoo ist Tanzfilm ein Medium, das über klassische Erzählstrukturen hinausgeht. Er übernimmt in seinen Produktionen nicht nur die Regie, sondern auch Konzept, Text, Musik und Kameraarbeit. Sein Ziel ist es, emotionale Tiefe und ästhetische Grenzbereiche auszuloten. Die Kamera fungiert dabei nicht nur als Beobachterin, sondern als aktiver Teil des Geschehens – fast wie ein Tänzer, der mit den Darstellenden interagiert.

Auch Ying Yun Chen erlebte den Filmprozess als Herausforderung. Während sie es aus dem Tanz gewohnt ist, sich spontan und unmittelbar zu bewegen, erforderte das Drehen wiederholte Szenen und präzise Abstimmungen mit der Kamera. Mit der Zeit entwickelte sie jedoch ein Verständnis für dieses „nahe Auge“, das eine neue Dimension ihrer Performance ermöglichte.

Zukunft des Tanzfilms

Im abschließenden Gespräch wurde deutlich, dass beide Künstler weiterhin an der Schnittstelle von Tanz und Film arbeiten wollen. Ihre Werke setzen sich mit grundlegenden menschlichen Erfahrungen auseinander und verbinden Elemente aus unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Damit eröffnen sie neue Perspektiven auf die Frage, was ein Tanzfilm sein kann – und wie sich Bewegung filmisch in Szene setzen lässt.

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